

Mag.a Martina Staffe ist die Leiterin der Abteilung Jugendwohlfahrt und Kinderrechte im Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend. Sie hat hier Antworten auf einige Fragen gegeben, die oft auftauchen, wenn man über Kinderarmut nachdenkt.
Auch wenn mit unterschiedlichen Familienleistungen wie Familienbeihilfe, Kinderbetreuungsgeld, Schülerfreifahrt oder Schulbuchaktion, Familien bei der Bewältigung ihrer finanziellen Belastungen unterstützt werden, ist es in erster Linie die Aufgabe der Eltern durch Arbeit für die Finanzierung der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zu sorgen. Das gelingt leider nicht immer in gleicher Weise. Schlechte Ausbildung, lang dauernde Arbeitslosigkeit, Krankheit, Behinderung oder Sucht können Gründe dafür sein, dass Mütter und Väter nur wenig Geld verdienen oder auf soziale Unterstützung durch den Staat angewiesen sind. Die Rückzahlung von Schulden für Wohnung oder Auto belastet dann noch zusätzlich. In Familien mit vielen Geschwisterkindern muss der oft eh schon geringe Verdienst dann noch auf viele Personen aufgeteilt werden. Alleinerziehende müssen sich oft ohne Unterstützung um ihre Kinder kümmern und können daher nicht ganztags arbeiten gehen, weshalb sie weniger verdienen. Aus diesen Gründen gibt es auch in Österreich arme Kinder.
Familien und Kinder, die arm sind, können sich meist nur die notwendigsten Dinge des täglichen Lebens wie Wohnen und Essen oder Arztbesuche leisten. Für neue Kleidung, Schuhe, Kino- oder Theaterbesuche, einen Urlaub muss gespart werden und manchmal muss das Ersparte für eine Reparatur z.B. der Heizung ausgegeben werden und dann fällt Schikurs oder Urlaub aus. Kinder und Jugendliche aus armen Familien können daher nicht die gleichen Freizeitvergnügungen genießen wie andere und fühlen sich benachteiligt und aus dem Freundeskreis in der Schule ausgeschlossen. Meist wird von Jugendlichen aus armen Familien auch erwartet, dass sie nach dem Ende der Schulpflicht Geld verdienen. Sie können daher selbst keine höhere Bildung erreichen und sind daher vielleicht später selber von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen.
Gegen Armut wirken vor allem jene Gesetze, die für kostenlose Schulbildung einschließlich kostenloser Schulbücher und Schülerfreifahrt, leistbaren Wohnraum und Zahlungen während Arbeitslosigkeit und Zeiten der Betreuung von Babys sorgen. Familienleistungen dienen speziell zur Verbesserung der finanziellen Situation von Kindern und Jugendlichen.
Eine gute Ausbildung und viel Einsatz und Eifer tragen dazu bei, auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten Arbeitslosigkeit kurz zu halten. Wer sein Leben nicht über Bankkredite und Schulden finanziert, wird Zeiten mit geringerem Einkommen besser überstehen.
Da in reichen Ländern wie Österreich Armut als unterdurchschnittliches Einkommen definiert ist, wird es zumindest in der nahen Zukunft immer Menschen geben, die als arm bezeichnet werden.