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Wer arbeitet wo im Parlament?

Parlamentspressedienst

Das ist Gerda Steinberger. Sie arbeitet seit 1993 beim Pressedienst des Österreichischen Parlaments. Frau Steinberger hat sich damals auf eine Stellenausschreibung beworben und wurde nach einem zweitägigen Aufnahmetest aufgenommen. Sie hat sich sehr darüber gefreut, denn es gab über hundert Bewerberinnen und Bewerber. Als Berichterstatterin des Parlamentspressedienstes weiß Frau Steinberger natürlich immer genau über die Geschehnisse im Hohen Haus bescheid, sie ist immer auf dem neuesten Stand der Dinge und das schätzt sie auch ganz besonders an ihrem Beruf.

Was sind die Aufgaben des Parlamentspressedienstes?

Wir berichten einfach über alles, was im Parlament so los ist. Über Sitzungen, welche Gesetze beschlossen werden, was in den Gesetzen drinnen steht, welche Meinungen die Abgeordneten zu den Gesetzen haben, wie die Abstimmungen ausgehen. Aber z.B. auch über Veranstaltungen, irgendeine Tanzveranstaltung oder eine Buchpräsentation im Parlament. Oder wenn internationale Staatsgäste ins Haus kommen. Zum Beispiel, als der russische Staatspräsident Vladimir Putin bei der Nationalratspräsidentin war. Also auch über solche Sachen berichten wir.

Was sind die wichtigsten Werkzeuge der Presseabteilung?

Eigentlich sind der Kugelschreiber und der Schreibblock unsere wichtigsten Werkzeuge. Manchmal habe ich auch meinen Laptop dabei. Dann schreibe ich dann den Text unter Pressemeldung direkt in den Computer. Aber meistens schreiben wir mit und/oder schreiben das im Zimmer oder diktieren den Text. Das geht dann am Schnellsten.

Können Sie besonders schnell schreiben?

Wir müssen ja Gott sei Dank nicht wörtlich mitschreiben. Das müssen nur die StenografInnen bei den Sitzungen machen. Wir schreiben nur das Wichtigste mit und das geht dann schon. Manche meiner KollegInnen können ganz gut stenografieren, ich kann das nicht so besonders gut. Ich habe so ein Mischsystem mit Langschrift und ein paar Kürzeln und ein bisschen Steno. Also ich kann das ganz gut lesen, aber ich fürchte sonst Keiner.

Was ist Ihnen bei der Berichterstattung besonders wichtig?

Uns ist allen ganz besonders wichtig, dass die Berichte objektiv und sachlich sind. Das heißt, wir berichten ausführlich über alles. Dabei ist es egal, ob uns das Gesetz passt, das jetzt beschlossen wird, oder ob wir einen Abgeordneten sympathisch finden oder nicht. Wir berichten über alles sachlich und objektiv.

Dürfen Sie keine persönliche Meinung haben?

Die Leute, die den Bericht lesen, die dürfen das nicht merken, welche Meinung ich dazu habe. Was ich persönlich dazu denke, das steht nicht im Bericht drinnen. Wir schreiben auch keine Kommentare. Jeder soll das lesen, was passiert, und sich selber eine Meinung bilden.

Kennen Sie alle 183 Abgeordneten?

Man sollte sie eigentlich kennen, weil wenn eine Abgeordnete oder ein Abgeordneter bei einer Sitzung etwas zu einem Gesetz sagt, muss man wissen wer das ist. Das ist ja irgendwie blöd, wenn man die Abgeordneten verwechselt. Eigentlich kennen wir sie schon, nur manchmal, wenn sie ganz neu in den Nationalrat gewählt sind, dann dauert es manchmal ein paar Wochen, bis man sie kennt. Dann hat man oft Fotos mit und vergleicht, oder man fragt, die KlubmitarbeiterInnen, wer das denn war. Aber grundsätzlich kennen wir sie schon.

Arbeiten Sie auch mit Fernsehen und Radio zusammen?

Wir geben natürlich Auskunft, wenn JournalistInnen bei uns anrufen und etwas Genaueres wissen wollen. Aber grundsätzlich ist das so, dass die Zeitungen und die Fernsehstationen ihre eigenen JournalistInnen im Haus haben. Der ORF hat zum Beispiel auch Kameras hier und er hat auch ein eigenes Zimmer, wo er die Beiträge schneiden kann. Die Zeitungen kommen zu den Sitzungen und berichten. Aber immer sind sie natürlich nicht da. Wir sind immer im Parlament, wir sind also immer vor Ort. Die ZeitungsjournalistInnen kommen nur, wenn etwas los ist. Wir schicken die Meldungen an die Nachrichtenagenturen, an die APA, und dort können die Zeitungen sie dann natürlich schon verwenden, wenn sie gerade nicht da waren oder wenn wir über etwas berichten, was sie nicht gewusst haben oder ihre JournalistInnen nicht gewusst haben.

Wie lange dauert es, bis ein geschriebener Artikel veröffentlicht wird?

Ein, zwei Stunden nach der Sitzung gibt es die ersten Meldungen darüber im Netz. Manchmal dauert etwas auch länger, wenn es etwas sehr Kompliziertes ist. Da kann es auch drei Stunden dauern oder länger, aber ich würde sagen, so zwei Stunden im Schnitt. Es passiert so: Ich komme von der Sitzung und schreibe eine Meldung in meinem Büro. Manchmal diktiere ich es einer Schreibkraft, damit es ein bisschen schneller geht. Wenn die Meldung fertig ist, kommt sie zum Chefredakteur oder zu seiner Stellvertreterin und einer der beiden liest sie dann noch einmal durch. Dann drückt er ein paar Knöpfe auf seinem Computer und schon ist die Meldung bei der APA oder im Internet.

Wie war denn die Arbeit früher, als es noch keine Computer gab?

Ich will mich gar nicht daran erinnern, wie das früher war. Das muss irgendwie ganz grauslich gewesen sein. Gott sei Dank habe ich da noch nicht hier gearbeitet. Da hat man die Meldungen auf der Maschine tippen müssen, mit drei Durchschlägen und wenn man sich dann irgendwo vertippt hat, hat man wieder von vorne anfangen müssen oder vor dem Kopieren die falschen Stellen abpicken. Also das war ganz mühsam, kann ich mir vorstellen. Aber Gott sei Dank, die EDV ist heute ganz, ganz toll.

Was mögen Sie besonders an Ihrer Arbeit?

Dass man am aktuellen Geschehen sehr nah dabei ist. Man ist immer super informiert, man weiß, welche Gesetze beschlossen werden, man weiß genau, was drin steht. Und vor allem, es ist natürlich sehr abwechslungsreich, wie Journalismus generell, würde ich sagen. Man hat ja nicht immer mit dem gleichen Thema zu tun. Es gibt immer neue Gesetze, es gibt immer neue Probleme, die gelöst werden müssen und es ist immer auch ganz nett, wenn neue Abgeordnete kommen und neue PolitikerInnen. Man sich selber ein Bild von den Leuten machen kann.

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gedruckt am: Dienstag, 16. Juli 2019