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Interview mit dem Bundesschulsprecher 2008/2009: Nico Marchetti

Portrait von Nico Marchetti
Foto © Nico Marchetti

Seit 3 Jahren bin ich in der Schülervertretung aktiv. Im Schuljahr 2008/2009 war ich Bundesschulsprecher und habe gemeinsam mit meinem Team die größte bisherige Schülerdemonstration und das 1. Österreichische Schülerparlament ins Leben gerufen. Jetzt bin ich für die inhaltliche Positionierung der Österreichischen Schülerunion zuständig und Obmann der Wiener Schülerunion. Schülervertretung macht einfach wahnsinnig viel Spaß und diese Begeisterung möchte ich weitertragen und andere Jugendliche für Politik begeistern. 

1. Wie ist es dazu gekommen, dass du Bundesschulsprecher geworden bist?

Ich wurde in Wien ganz knapp zum Landesschulsprecher für die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen gewählt. Als solcher war ich auch automatisch Mitglied in der Bundesschülervertretung. Daraufhin habe ich mich mit den LandesschulsprecherInnen der anderen Bundesländer zusammengeschlossen und kandidierte bei der 1. internen Sitzung  für die Funktion des Bundesschulsprechers. Nach einem ausführlichen Hearing wurde ich schlussendlich mit 83% der Stimmen gewählt.

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2. Wann und wie hast du das erste Mal erkannt, dass dir politisches Engagement am Herzen liegt?

Im Wiener SchülerInnenparlament (SiP) hat es mich wahnsinnig geärgert, dass die damalige Landesschülervertretung sich nur für gesellschaftspolitische Themen stark machte, nicht aber für schulpolitische. Ich war aber der Meinung, dass Schülervertreter Schulpolitik machen sollten und wollte es besser machen. Auch alle möglichen Landtags- und Nationalratswahlen habe ich aufmerksam verfolgt und die Botschaften der Parteien kritisch hinterfragt. Ich war eigentlich schon immer ein sehr politisch interessierter Mensch.

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3. Wie hast du dir die Funktion als Vertreter einer so großen Gruppe vor deiner Wahl vorgestellt und wie hast du sie dann selbst erlebt?

Ich habe gedacht, dass ich als Schüler bei der großen Politik sicherlich „Welpenschutz“ genießen werde. Das war aber ganz und gar nicht so. Auf Augenhöhe verhandelt da keiner mit einem, jeden Respekt muss man sich hart erkämpfen. Genau das sind aber Herausforderungen, die ich sehr spannend gefunden habe.

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4. Mit welchen Personengruppen hast du worüber verhandelt, diskutiert und konferiert?

Auf Schulpartnerebene, sprich mit Eltern- und LehrervertreterInnen, habe ich sehr viel zusammengearbeitet. Wir haben beispielsweise bei einem Schulpartnergipfel gemeinsam eine Lösung bei den schulautonomen Tagen ausverhandelt. Mit der Ministerin und ihren Beratern hat eine Delegation der Bundesschülervertretung auch über die Klage des BIFIE und die Zwickeltage verhandelt. Das waren fordernde Situationen.

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5. Was hat am meisten Spaß gemacht?

Ich habe das Gefühl, dass durch die Demo und den Ausbau der Schülerparlamente landes- und bundesweit, Schülervertretung wieder „cool“ geworden ist. Das zeigt auch die Wahlbeteiligung bei der Wiener Landesschülervertetungswahl letzten Juni, die bei fast 90% lag. Das macht Freude! Ich hoffe, dass diese Euphorie länger anhält und die Schülervertretung insgesamt mehr Anerkennung erhält.

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6. Was war am Schwierigsten, welche Herausforderungen dieser Zeit wirst du nie vergessen?

Eine so große Demo auf die Beine zu stellen und das innerhalb einer Woche war mit Sicherheit nicht einfach. Doch der tolle Zusammenhalt der SchülervertreterInnen in ganz Österreich hat hier das Unmögliche möglich gemacht. Den Demotag werde ich mit Sicherheit nie vergessen. Der Umgang mit der Presse, war anfangs auch nicht einfach, denn nicht alle JournalistInnen meinen es gut mit einem.

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7. Würdest du wieder für das Amt kandidieren? Warum/Warum nicht?

Jein. Die Erfahrungen, die ich dieses Jahr sammeln konnte, würden mir nächstes Jahr sehr helfen, und die Aufgabe hat auch sehr viel Spaß gemacht. Andererseits ist es auch sehr viel Arbeit, und sowohl Privatleben als auch die Ausbildung leiden schon darunter. Gott sei Dank muss ich mich aber nicht entscheiden, da ich im Juni maturiert habe und als „Nicht-Schüler“ sowieso nicht mehr kandidieren darf.

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8. Sollte man als BundesschulsprecherIn gut in der Schule sein oder ist das egal? Warum?

Das ist dann egal, wenn man verantwortungsbewusst genug ist. Wer sich in der Schule schwerer tut, kann halt nicht unbeschränkt viel Zeit in die Schülervertretung stecken und in der Schule fehlen. Wer sich leichter tut, hat hier mehr Spielraum. Da muss man sich selbst die richtigen Prioritäten setzen, dann ist das nicht so ein Problem.

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https://www.demokratiewebstatt.at/https://www.demokratiewebstatt.at/thema/schule-und-demokratie/interview-mit-einem-experten/
gedruckt am: Montag, 21. August 2017