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Verständnisschwierigkeiten im Abgeordnetenhaus

Schriftführer fängt an, die Namen der einzelnen Abgeordneten zu lesen, welche die Angelobung leisten, wird bei Lesung des Namens des Abgeordneten Theophil Bendella unterbrochen durch
Dr. Rieger (Böhmen): Ich erlaube mir das Präsidium darauf aufmerksam zu machen, dass es Mitglieder im Hause gibt, die nicht deutlich verstehen, oder die Angelobungsformel nicht begriffen haben. Es wäre also zweckmäßig, die Angelobungsformel in den Nationalsprachen vorzulesen.
Staatsminister R. v. Schmerling: Es müssen ja die legalen Übersetzungen vorhanden sein.
Präsident: Es sind welche da, aber es ist schwer, im Voraus zu wissen, welches Mitglied diese oder jene Sprache versteht.
Dr. Rieger: Das wäre sehr einfach; man braucht es nur in den drei bis vier Hauptsprachen vorzulesen und wenn keiner unter den Schriftführern dieses kann, so wird gern ein Abgeordneter diese Pflicht übernehmen. (Unruhe links)
Präsident: Es sind allerdings Übersetzungen da, ich frage also das Mitglied, welches eben erklärt hat, die vorgelesene Formel nicht verstanden zu haben:
    Spricht dieses Mitglied Italienisch?
    Abgeordneter Bendella: Rumänisch.
    Präsident: Ist ein Schriftführer dieser Sprache mächtig?
    Es liest der Abgeordnete Archimandrit Bendella die Eidesformel in rumänischer Sprache vor, worauf Abgeordnter Iliutz die Angelobung in dieser Sprache leistet.
    Präsident: Verlangt sonst noch eines von den verehrten Mitgliedern die Verlesung der Eidesformel in einer anderen als der deutschen Sprache?
    Eine einzelne Stimme: In russinischer Sprache.
    Präsident: In ruthenischer?
    Die Stimme: In russinischer Sprache.
    Präsident: Russinisch ist ruthenisch; ich bin nicht im Besitze einer anderen Übersetzung (Sohin wird der Namensaufruf und die Angelobung fortgesetzt? …

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Skepti meint:

 „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich viele Abgeordnete aus verschiedenen Nationen noch gut verstehen. Wenn Missverständnisse aufkommen, werden die PolitikerInnen doch schnell ungeduldig und beginnen sich zu streiten.“


Skepti hat nicht unrecht. Es gibt sogar Berichte, wonach die Abgeordneten im Parlament des Vielvölkerstaates mit Tintenfässern geworfen haben sollen. Da muss es wohl ganz schön zugegangen sein!!!

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gedruckt am: Mittwoch, 23. Oktober 2019