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Ein Krieg wie nie zuvor – neue Technologien

Mit einem Maschinengewehr wehren Soldaten im Schützengraben angreifende Flieger ab. © Österreichische Nationalbibliothek

Die Gewalt des Ersten Weltkriegs übertraf alles bis dahin Dagewesene. Tausende junge Männer waren ins Feld gezogen, in dem Glauben, im Krieg zu kämpfen wie ihre Väter und Großväter. Aber neue Erfindungen und Technologien hatten den Krieg verändert. Schlachten wurden nicht in heldenhaftem Kampf Mann gegen Mann entschieden. Soldaten bekämpften einen Feind, den sie in vielen Fällen nicht zu Gesicht bekamen. Die meisten Verwundeten und Getöteten waren Opfer von Angriffen mit Artilleriegeschützen. Massenhaftes Sterben, schreckliche Verwundungen, seelische und körperliche Verstümmelung waren Erfahrungen, die bis weit in die Nachkriegszeit wirkten. 

Schlachten wurden mit großen Geschützen, Flugzeugen, U-Booten und Panzern ausgetragen - kein Vergleich zu früheren Kriegen, die hauptsächlich auf Pferden und zu Fuß geführt wurden. Maschinengewehre, Handgranaten, Flammen- und Minenwerfer gaben dem Krieg ein neues, grausames Gesicht. Mit den neuen Waffen verfügten die Kriegsgegner über noch nie dagewesene Zerstörungskräfte. 

Ein österreichischer Panzerzug an der Ostfront © Österreichisches Staatsarchiv

Zu Land, zu Wasser und in der Luft 

Mit der Eisenbahn konnten Truppen über weite Strecken rasch verlegt werden. Es gab Lazarettzüge zur Versorgung der Verwundeten, Entlastungszüge und Munitionszüge für den Transport von Truppen und Gütern. 

Erstmals rollten auch Panzer über die Schlachtfelder. Im November 1917 kamen sogenannte tanks, britische Panzer, zum Einsatz und überrollten die deutschen Stellungen. Den britischen und französischen Panzerfahrzeugen hatten die Mittelmächte wenig entgegenzusetzen, denn sie verfügten nur über eine geringe Anzahl gepanzerter Automobile. Österreich-Ungarn setzte gepanzerte Züge ein.

Hier übernimmt ein Flieger Brieftauben für den Weitertransport. © Österreichische Nationalbibliothek

Eine starke Marine war der ganz große Stolz Deutschlands, obwohl Großbritannien im Wettrüsten hier die Nase vorne hatte. Aber auch Österreich-Ungarn hatte eine moderne Flotte mit Schlachtschiffen und U-Booten. Der Krieg zur See war in erster Linie ein Handelskrieg, in dem Deutschland und Großbritannien versuchten, sich gegenseitig den Seeweg für Handelsschiffe und damit die Nachfuhr von Lebensmitteln und anderen Gütern abzuschneiden.  

Als der Krieg ausbrach, war die motorisierte Luftfahrt erst zehn Jahre alt. Viele Offiziere konnten sich zunächst gar nicht vorstellen, wie man Flugzeuge im Krieg sinnvoll einsetzen könnte. Doch das sollte sich rasch ändern. Schon bald wurden Flugzeuge zum Ausspionieren feindlicher Stellungen genutzt. Rasch entwickelte sich so ein Luftkrieg zwischen den Aufklärungsfliegern gegnerischer Kampftruppen. Bald wurden auch spezielle Kampfflugzeuge gebaut, mit denen Bomben zur Zerstörung feindlicher Ziele abgeworfen werden konnten. Bis zum Kriegsende war so eine eigene Luftstreitmacht entstanden. Die Piloten galten als die Elite der Truppen und wurden vielfach bewundert.

Soldaten schützten sich und ihre Pferde mit Gasmasken vor Giftgasangriffen © Österreichisches Staatsarchiv

Giftgas – Der Tod kommt aus dem Labor

Panik machte sich breit unter den französischen Soldaten, als im April 1915 erstmals eine gelbgrüne Wolke auf sie zukam: Giftgas. Die Männer waren dem Gas schutzlos ausgeliefert und erstickten qualvoll. Deutschland hatte wissenschaftliche Erkenntnisse zur Entwicklung chemischer Kampfstoffe genutzt. Und auch in französischen, britischen und US-amerikanischen Labors wurde an chemischen Waffen geforscht. Nach diesem ersten Giftgasangriff Deutschlands setzten auch Frankreich und Großbritannien Gas gegen die feindlichen Truppen ein. Zunächst ließ man das Gas einfach entweichen und vom Wind in die gegnerischen Reihen tragen. Da der Wind aber drehen konnte, ging man bald dazu über, mit Gas gefüllte Granaten hinter die Frontlinie des Gegners zu schießen. 

Der Einsatz von Gas verstieß gegen die Haager Landkriegsordnung aus dem Jahr 1899. Chemische Kampfstoffe waren verboten, besonders jene, die „unnötige Leiden schaffen“. Dennoch gab es bis zum Ende des Kriegs zahlreiche Angriffe mit chemischen Waffen. 

Auch in Schützengräben waren Funk- und Telegrafenstationen eingerichtet. © Österreichisches Staatsarchiv

Per Funk und Kabel – die Netzwerke des Kriegs

Fernsprecher, Telegrafen und Funkgerät waren wichtige Instrumente für die kriegführenden Truppen. Deutschland und Österreich-Ungarn kämpften an mehreren Fronten und waren auf funktionierende Nachrichtentechnik angewiesen. Die damaligen Telefonleitungen waren jedoch sehr anfällig für Störungen und konnten von den gegnerischen Truppen abgehört werden. Daher wurden auch altmodische Mittel der Kommunikation verwendet: Hunde und Brieftauben überbrachten Nachrichten.

Soldaten bringen eine Depesche an einer Brieftaube an. © Österreichische Nationalbibliothek

Der Erste Weltkrieg wurde nicht nur mit militärischen Mitteln geführt. Auch Wirtschaft und Wissenschaft standen im Dienst des Kriegs. Neue Produkte und Erfindungen prägten das Kriegsgeschehen.

Erstürmung eines gegnerischen Grabens durch österreichisch-ungarische Sturmtruppen mittels Handgranaten an der Ostfront © Österreichisches Staatsarchiv

Als „Wunderwaffe“ bezeichneten deutsche Medien ein viele Tonnen schweres Geschütz. Die „Dicke Berta“, wie es auch genannt wurde, musste mit einem Traktor zur Abschussstelle gebracht werden. Dann dauerte es etwa sechs Stunden, um sie aufzubauen.

Der „Rote Baron“ galt als einer der mutigsten deutschen Kampfflieger. Er schoss 80 feindliche Flugzeuge ab. Seinen Spitznamen erhielt der Rote Baron, der eigentlich Manfred von Richthofen hieß, weil er die meisten seiner Einsätze in einem roten Flugzeug flog. 

Der Feind hört mit: Aus Angst vor Spionage wurden viele Nachrichten, die mittels Funk übermittelt wurden, verschlüsselt: „Helene spuckt in unseren Graben, lauter dicke Brocken, wir brauchen Kartoffeln, große und kleine!“, ist einer der überlieferten Funksprüche. Was der Soldat damit meinte, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

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gedruckt am: Dienstag, 27. Juni 2017