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Laute Kriegsbegeisterung und leise Stimmen für den Frieden

Soldaten bei der Abfahrt von Wien an den serbischen Kriegsschauplatz © Österreichisches Staatsarchiv

Endlich ging es los! Als am 28. Juli 1914 Österreich-Ungarn Serbien den Krieg erklärte, jubelten viele Menschen. Junge Männer meldeten sich freiwillig, um in den Krieg zu ziehen. Voll Begeisterung sahen sie dem Waffengang entgegen. Überall setzten Truppentransporte ein. Die Soldaten wurden von der Bevölkerung umjubelt, Frauen versammelten sich am Bahnsteig, Musikkapellen spielten zum Abschied.

Viele Menschen in Österreich-Ungarn und im Deutschen Reich glaubten an einen schnellen Sieg. Die Stimmung war geprägt von lauter Kriegsbegeisterung und der Überzeugung militärischer Überlegenheit. Staatlich gelenkte Information und strenge Zensurvorschriften schränkten die Möglichkeiten unabhängiger Berichterstattung ein. Propaganda sorgte für die Verbreitung einseitiger, verzerrender Sichtweisen.

Der Chef des Generalstabs, General der Infanterie Franz Conrad von Hötzendorf (links im Bild) spielte eine wichtige Rolle in der „Julikrise“, die zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte. © Österreichisches Staatsarchiv

Die Generäle machten Druck

In Österreich-Ungarn drängten Politiker und hochrangige Mitglieder des Militärs, wie Franz Conrad von Hötzendorf, bereits seit Jahren darauf, Serbiens nationale Pläne militärisch zu bekämpfen. Das Attentat von Sarajevo sahen sie als willkommenen Anlass, gegen Serbien Krieg zu führen. Auch in Deutschland sprachen sich die Generäle seit Jahren für einen „Präventivkrieg“ gegen die Entente-Mächte aus.

Auch viele Schriftsteller, Künstler, Akademiker, Philosophen und Wissenschaftler befürworteten den Krieg. Thomas Mann, Hermann Hesse, Robert Musil, Hugo von Hofmannsthal, Rainer Maria Rilke, Robert Musil, Oskar Kokoschka und andere – sie alle sahen die militärische Auseinandersetzung als eine mutige Tat und einen befreienden Akt der Erneuerung.

„Krieg! Es war eine Reinigung, Befreiung, was wir empfanden, und eine ungeheure Hoffnung!“ (Thomas Mann bei Kriegsbeginn)

„Die ihr draußen in den Schlachten standet / Seid mir Brüder nun und mir geliebt.“ (Hermann Hesse in seinem Gedicht „Der Künstler an die Krieger“, 1915)

„Treue, Mut, Unterordnung, Pflichterfüllung, Schlichtheit – Tugenden dieses Umkreises sind es, die uns heute stark, weil auf den ersten Anruf bereit machen zu kämpfen.“ (Robert Musil in seinem Essay „Europäertum, Krieg, Deutschtum“, 1914)

Leise Stimmen für den Frieden

Nur ganz wenige erhoben bereits in den Jahren vor oder zu Beginn des Ersten Weltkriegs ihre Stimmen für den Frieden. Bertha von Suttner ist bis heute die bekannteste Figur der österreichischen Friedensbewegung. 1889 veröffentlichte sie den erfolgreichen Roman „Die Waffen nieder“. Als Präsidentin der von ihr gegründeten Österreichischen Gesellschaft der Friedensfreunde setzte sie sich dafür ein, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Notwendigkeit eines dauerhaften Friedens zu schaffen. Bertha von Suttner starb am 21. Juni 1914, mitten in den Vorbereitungen zum geplanten 21. Weltfriedenskongress. Er sollte im September desselben Jahres stattfinden, kam durch den Ausbruch des Kriegs aber nicht mehr zustande.

Soldaten auf der Fahrt nach Galizien 1914. „Wir fürchten Gott und sonst niemanden“, steht mit weißer Kreide an der Wand des Waggons geschrieben, der die Truppen an die Front transportierte. © Österreichisches Staatsarchiv

Wer nicht dafür ist, ist dagegen! Die Kriegsbegeisterung war nicht ungebrochen. Vor allem in den tschechischen und ruthenischen Teilen Österreich-Ungarns machten sich bald Stimmen gegen den Krieg bemerkbar. Diese wurden jedoch rasch gewaltsam unterdrückt.

Hier wurde ein Knabe, der beim Anrücken der österreichisch-ungarischen Truppen in Russisch Polen ein Dorf in Brand gesteckt hatte, festgenommen. © Österreichisches Staatsarchiv

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gedruckt am: Donnerstag, 21. September 2017