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Interview mit einer Expertin

Barbara Coudenhove-Kalergi, 1932 in Prag geboren, wurde 1945 als Prager Deutsche aus Tschechien nach Österreich vertrieben. Sie arbeitete als Journalistin für unterschiedliche Zeitungen und war ab 1975 für den ORF als Osteuropa-Redakteurin tätig, darunter auch als ORF-Korrespondentin in Prag. 1989, als der Eiserne Vorhang fiel, war sie als Redakteurin an den Schauplätzen der Wende. Heute lebt sie als Journalistin und Herausgeberin in Wien und engagiert sich für ImmigrantInnen.

Im November 2014 befragten wir sie zum Thema „25 Jahre Öffnung des Eisernen Vorhangs“.

Welche Länder des Ostblocks haben Sie als Osteuropa-Redakteurin besucht?

Die Tschechoslowakei, die DDR, Polen und Ungarn.

Wo waren Sie im Herbst 1989? Wie würden Sie die Stimmung in der Bevölkerung vor und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs beschreiben?

In der DDR und in der Tschechoslowakei. In der DDR versuchten damals unzählige Menschen, das Land zu verlassen. Zehntausende hatten Ausreiseanträge gestellt, Tausende suchten als Urlauber in der westdeutschen Botschaft in Prag Zuflucht, in der Hoffnung, von dort aus in den Westen gelangen zu können.
In Ostberlin fragte man einander damals: Wie geht‘s? Antwort: Über Prag.

Wir berichteten über die Lage dort und die Wirkung, die die Massen der DDR-Flüchtlinge auf die tschechische Bevölkerung hatten. Am 9.11. waren wir in Ostberlin, hörten die berühmte Pressekonferenz von Günter Schabowski im Radio,  waren Minuten später an der Mauer und berichteten über die ersten Ostberliner, die die Grenze überschritten. Zehn Tage später begann in Prag die sanfte Revolution.

Wie haben Sie von den Ereignissen in Berlin am 9. November 1989 erfahren? Wie war das für Sie persönlich?

Ein großes Erlebnis.

Was verbindet Sie mit dem Paneuropäischen Picknick in Ungarn 1989?

Die Tatsache, dass mein Onkel Richard Coudenhove-Kalergi kurz nach dem Ersten Weltkrieg die Paneuropa Union gegründet hat.

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gedruckt am: Donnerstag, 19. Oktober 2017