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Erfolge in Sport und Kultur geben der jungen Republik Selbstvertrauen

Mit der Erklärung der Unabhängigkeit im April 1945 war Österreich wieder ein eigener Staat. Aber fühlten sich die Menschen damals als ÖsterreicherInnen? Fühlten sich WienerInnen, OberösterreicherInnen und TirolerInnen als Teil der Republik Österreich?

Österreich wird zur „selbstständigen Nation“

Die Zweite Republik übernahm die Verfassung von 1920 in der Fassung von 1929 und auch wichtige Symbole wie die Fahne und das Staatswappen. Dieses wurde aber zum Zeichen der wiedererrungenen Unabhängigkeit Österreichs ergänzt mit einer gesprengten Eisenkette in den Fängen des Adlers. 1946 gab sich Österreich eine neue Bundeshymne mit dem Text der Dichterin Paula Preradović. 2013 wurde der Text adaptiert.

Eine symbolische Bedeutung für die junge Zweite Republik hatten auch die Feiern im Jahr 1946 zum „950. Festtag Österreichs“ – damals vor 950 Jahren war das Gebiet „Ostarrichi“ (das heutige Ostösterreich) erstmals in einer Urkunde erwähnt worden. Österreichs PolitikerInnen begannen, sich von Deutschland abzugrenzen. Bundespräsident Renner bezeichnete Österreich als „selbstständige Nation“.

Jubel über Sport und Kultur

Der Transport der Pummerin von Linz nach Wien war begleitet von Feierlichkeiten in jedem Ort. Auch am Land standen die Menschen Schlange, um sie bei der Vorüberfahrt zu bejubeln. © ÖNB

Sportliche Erfolge in der Nachkriegszeit verstärkten das österreichische Nationalbewusstsein. Besonders Erfolge im Skisport (Olympischen Spiele 1952, 1956) und Fußball (Platz 3, Weltmeisterschaft 1954) wurden bejubelt. Aber auch im Sport holte Österreich mitunter die nationalsozialistische Vergangenheit ein: Der Skispringer Josef „Bubi“ Bradl wurde von den Olympischen Spielen 1948 ausgeschlossen, weil er ehemaliges Mitglied der nationalsozialistischen Kampforganisation SA war.

Die Wiedereröffnungen der Wiener Staatsoper und des Burgtheaters im Jahre 1955 dokumentierten den Wiederaufbau und wurden zu Symbolen eines neuen österreichischen Nationalbewusstseins. Als nationales Kulturgut feierten die ÖsterreicherInnen auch die „Pummerin“, die neu gefertigte Glocke für den Stephansdom in Wien, nachdem die alte Glocke durch Bomben des Zweiten Weltkriegs zerstört worden war.

Bewusstsein für Österreich

Mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags wurde Österreich zum souveränen Staat. In den folgenden Jahren entwickelte die österreichische Bevölkerung ein eigenes nationales Selbstbewusstsein.

Auf den Punkt gebracht: 

  • Österreichisches Nationalbewusstsein, d.h. die Zugehörigkeit zu einer eigenen Nation, entsteht: Neue Bundeshymne, „Ostarrichi-Feiern“, Abgrenzung von Deutschland, österreichische SportlerInnen und Kultur tragen dazu bei.
  • Unterzeichnung des Staatsvertrages im Mai 1955 als zentrales Ereignis stärkt das österreichische Nationalbewusstsein.

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gedruckt am: Donnerstag, 22. Juni 2017