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Interview mit Ursula Maier-Rabler

Neue Medien bieten ganz viele spannende und neue Möglichkeiten. Was ist Ihrer Meinung nach das Beste?

Da gibt es natürlich viele unterschiedliche Anwendungen, die je nachdem, wofür man sie nutzt, unterschiedlich brauchbar und sinnvoll sind. Es ist schwierig, „das Beste” herauszupicken. Ganz generell würde ich jedoch sagen, dass „das Beste” an den neuen Medien die Möglichkeit ist, mit anderen Menschen – die wir im wirklichen Leben wahrscheinlich niemals getroffen hätten – in Kontakt zu kommen und dass wir nicht nur passiv konsumieren müssen, sondern aktiv mitgestalten können.

Gibt es auch Dinge, die nicht so gut sind?

Oft wissen wir nicht, mit wem wir es zu tun haben oder von wem bestimmte Informationen sind. Das macht es oft schwer, die Qualität von Informationen einzuschätzen. In sozialen Netzwerken gibt es zudem große Gefahren für unsere Privatsphäre. Deshalb ist es wichtig, vorsichtig zu sein, wenn man private Informationen, wie Wohnadresse oder Telefonnummer bekannt gibt. Auch mit eigenen Fotos und mit Fotos von Freunden und Freundinnen sollte man sehr vorsichtig sein. Das Netz vergisst nichts! Ein heute lustiges Foto könnte in zehn Jahren sehr peinlich sein.

Welchen Einfluss haben neue Medien auf Politik und Demokratie?

Meiner Meinung nach können die neuen Medien die Politik und die Demokratie, so wie wir sie heute kennen, völlig auf den Kopf stellen. Die Möglichkeit, ohne großen Aufwand seine Meinung zu sagen und mit unzähligen anderen Menschen im Netz zu teilen, ist eine Macht, die von der heutigen Politik noch unterschätzt wird. Besonders die jungen Menschen werden sich nicht mehr damit zufrieden geben, VertreterInnen zu wählen, die dann die Entscheidungen treffen. Sie wollen selbst mitbestimmen und mitentscheiden. Die Politik wird lernen müssen, die Macht mit den Bürgerinnen und Bürgern zu teilen und neue Formen der politischen Teilhabe, vor allem auch auf der Basis der neuen Medien, zu akzeptieren.

Wie sehen Sie die Zukunft - was wird das Web 3.0 oder Web 4.0 bringen?

Gerade im Bereich der neuen Medien ist es sehr schwer zukünftige  Entwicklungen zu benennen. Vor zehn Jahren hätten sich nur Wenige die Macht von Facebook oder Google vorstellen können. Dennoch, der Boom zu noch mehr „User Generated Content” wird weitergehen. Es wird also noch mehr Möglichkeiten geben, unsere „Geschichten” ins Web zu bringen. Auch die Geräte werden sich noch verbessern, so dass es immer leichter wird, immer und überall online zu sein. Fixe Orte und Zeiten verlieren daher mehr und mehr an Bedeutung, wir spielen in der Schule, wir lernen im Park, wir shoppen abends auf der Couch, wir lesen im Bus, wir treffen unsere Freunde noch vor dem Frühstück von zuhause aus, usw. Das hat weitreichende Folgen hinsichtlich Urheberrecht oder Datenschutz, hier müssen unsere derzeitigen Lösungen vollkommen durch neue ersetzt werden. Aber auch unsere Umgebung wird sich verändern: Schulen müssen anders gebaut werden, Wohnungen nicht mehr nach der zentralen Einrichtung des Fernsehers ausgerichtet werden, wir brauchen WLANs in Parks und Bussen. Und das Wichtigste dabei ist: unser Bildungssystem muss uns darauf vorbereiten. Neue Medien müssen selbstverständlicher Bestandteil von Lehren und Lernen werden.

Haben Sie einen Link-Tipp für uns?

Im konkreten Zusammenhang mit Politik und Demokratie muss ich hier natürlich PoliPedia.at nennen. Ich habe diese Webapplikation mitentwickelt. Es geht dabei darum, gemeinsam ein Instrument für den politischen Bildungsunterricht zu erarbeiten. In anderen Worten: SchülerInnen und LehrerInnen schreiben das Lehrbuch gemeinsam. Polipedia.at ist noch lange nicht perfekt, aber je mehr mitmachen und aktiv mitgestalten, desto besser wird es werden.

www.polipedia.at

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gedruckt am: Freitag, 18. August 2017