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Das Jahr 1968 in Österreich

Wie in anderen Ländern gab es 1968 auch in Österreich Studentenproteste. Auch hier ging es den Studierenden darum, dass sie die Unis als „verstaubt“ erlebten und dass sie stärker mitbestimmen wollten. Die Uni-Hörsäle wurden von den Studierenden im Mai ´68 besetzt, und sie hielten dort Diskussionsveranstaltungen ab.
Aber nicht nur die Situation an den Universitäten wurde kritisiert, die österreichische Jugend wünschte sich auch Veränderungen in der Politik und Gesellschaft, welche sie als konservativ und „rückschrittlich“ empfand.

1968 protestierten Studierende in Österreich aus Solidarität mit Rudi Dutschke, nachdem dieser angeschossen worden war. Dutschke war einer der bekanntesten Wort-Führer bei der StudentInnenbewegung in Westdeutschland.

Auch in Österreich kam es bei den Protesten zu Konflikten mit der Polizei. Im Vergleich (z.B. mit Frankreich) liefen die Studentenproteste in Österreich aber eher ruhig ab. Eine traurige Ausnahme stellten allerdings die Ereignisse in Zusammenhang mit dem „Fall Borodajkewycz“ dar.

Der „Fall Borodajkewycz“ im Jahre 1965

Ähnlich wie in Deutschland ging es bei den Studentenprotesten in Österreich auch um den Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Landes. Bereits im Jahr 1965 kam es an der Universität Wien zu einem Fall, der auch international für Aufsehen sorgte: Der Fall Borodajkewycz.

Taras Borodajkewycz war Professor für Wirtschaftsgeschichte an der Universität Wien. Er war zur Zeit des Nationalsozialismus Mitglied der NSDAP gewesen und dieser freiwillig beigetreten. Dennoch durfte er an der Uni Wien lehren. Er fiel immer wieder durch antisemitische und deutschnationale Äußerungen auf.

An der Universität kam es schließlich zu Demonstrationen von GegnerInnen und AnhängerInnen von Borodajkewycz. Im März 1965 gab es im Zusammenhang mit einer solchen Demonstration einen Todesfall: Ernst Kirchweger, ein ehemaliger kommunistischer Widerstandskämpfer und Überlebender des KZ, wurde von einem rechtsextremen Studenten niedergeschlagen; er starb an den Verletzungen.

Etwa 25.000 Menschen nahmen in Folge an einem Schweigemarsch teil, die damit ein Zeichen gegen den Faschismus setzten.

Proteste in Kunst und Kultur

Auch in der österreichischen Kunst und Kultur drückte sich in den 1960er-Jahren der Protest gegen die gesellschaftlichen und politischen Zustände aus. Einige KünstlerInnen provozierten mit Aktionen, die

Im Juni 1968 fand in einem Hörsaal der Universität Wien ein sogenanntes Happening unter dem Titel „Kunst und Revolution“ statt. Es sorgte für viel Aufsehen und Empörung, da die beteiligten KünstlerInnen versuchten, zu schockieren, indem sie möglichst viele Tabus brachen, z.B. Nacktheit, Exkremente und Selbstverstümmelung. Dabei sangen sie die österreichische Bundeshymneund benutzten die österreichische Nationalflagge.
Die Veranstaltung wurde von einigen Medien als „Uni-Ferkelei“ bezeichnet und hatte ein gerichtliches Nachspiel.

Berühmt-berüchtigt wurde auch die Aktion der Künstlerin VALIE EXPORT, das Tapp- und Tastkino. Mit dieser Straßenaktion trat sie auf öffentlichen Plätzen auf, erstmalig in München. VALIE EXPORT trug dabei über ihren nackten Brüsten einen Kasten mit zwei Öffnungen. Ihr Partner begleitete sie und lud die PassantInnen zum „Besuch“ dieses „Tapp- und Tastkinos“ ein: Die „BesucherInnen“ durften einige Sekunden lang durch die Öffnungen im Kasten die nackten Brüste der Künstlerin berühren. VALIE EXPORT bezeichnete die Aktion selbst als feministische Aktion.

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gedruckt am: Sonntag, 22. Juli 2018