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Ereignisse 1968 in Europa und den USA

Klick dich durch die eingefärbten Länder und finde heraus, was in diesen Ländern im Jahr 1968 passiert ist.

Europa
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Tschechoslowakei

Das heutige Tschechien und die Slowakei bildeten 1968 noch einen gemeinsamen Staat, die Tschechoslowakei (gegründet als Republik 1918). Seit 1948 hatte in der Tschechoslowakei die Kommunistische Partei die Macht. Andere Parteien gab es nicht. Die Politik der Kommunistischen Partei durfte nicht kritisiert werden, denn sie reagierte darauf mit Verfolgung und scharfen Sanktionen.

In den 1960-Jahren gab es in der Tschechoslowakei den Versuch, das Land demokratischer zu machen und Reformen durchzuführen. Man spricht vom „Prager Frühling“. Im August 1968 beendeten Truppen des Warschauer Pakts und sowjetische Panzer diese Reformbewegung mit Gewalt.

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR)

In 1960er-Jahren war Deutschland geteilt. Zwischen 1949 und 1990 gab es zwei deutsche Staaten, die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik (DDR).

Die DDR bestand aus dem östlichen Teil des heutigen Deutschland. Sie war nach dem Zweiten Weltkrieg aus der damaligen sowjetischen Besatzungszone im besiegten Deutschland entstanden. Die DDR war ein sozialistisch geführter Staat. Trotz des Namens (Deutsche Demokratische Republik) gab es dort keine Demokratie: Es herrschte diktatorisch eine einzige Partei, die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Freie Wahlen, Pressefreiheit oder freie Meinungsäußerung gab es nicht, die Bevölkerung wurde überwacht und durfte außer mit Sondergenehmigungen die DDR auch nicht verlassen.

Innerhalb der DDR lag Berlin. Die Stadt Berlin war 1961 durch den Bau der Berliner Mauer ebenfalls geteilt worden, nämlich in Westberlin und Ostberlin.
Während Ostberlin so wie die restliche DDR zum Ostblock gehörte und also unter dem Einfluss der Sowjetunion stand, stand der Westteil der Stadt weiterhin unter dem Schutz der westlichen Siegermächte USA, Frankreich und Großbritannien. Westberlin lag also wie eine Insel mitten in der sozialistischen DDR. Interessanterweise lag ein Schwerpunkt der deutschen Studentenrevolte 1968 ausgerechnet in Westberlin.

In der DDR hingegen war eine Protestbewegung nicht denkbar. Wer sich gegen die Ansichten der SED wandte, riskierte, bestraft oder eingesperrt zu werden.

Bundesrepublik Deutschland

Die Themen der Proteste in Deutschland waren breit gestreut. Ähnlich wie in anderen europäischen Ländern gab es eine starke Kritik am gesellschaftlichen und politischen System, an den autoritären Strukturen, am Kapitalismus. Ebenso gab es Proteste gegen den Vietnamkrieg, gegen die Ausbeutung und Unterdrückung der Länder der „Dritten Welt“ und gegen die atomare Aufrüstung.

In Deutschland forderte die Jugend außerdem einen bewussteren Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit des Landes.

Die Protestbewegung in Deutschland verlief teilweise sehr heftig und hatte einige schwerwiegende Auswirkungen. Der Staat reagierte mehrfach sehr hart auf die Demonstrationen, die Berichterstattung in den Medien war oft einseitig, die Protestierenden wurden kritisiert und verurteilt. Mit der 68er-Bewegung in Deutschland entwickelte sich – beginnend mit zwei Brandanschlägen als Protest gegen den Vietnamkrieg – auch der linke Terrorismus durch die Rote Armee Fraktion (RAF).

Einschneidende Ereignisse

Bereits einige Zeit vor dem berühmten Jahr 1968 fanden in Deutschland wichtige Protestbewegungen statt. Bei den „Ostermärschen“ 1960 wurde dagegen demonstriert, dass in der Bundesrepublik Deutschland Atomwaffen stationiert werden sollten.

Die Studentenrevolte begann in Deutschland in West-Berlin, und zwar bereits 1965, an der Freien Universität Berlin. Damals demonstrierten etwa fünfhundert Studenten für mehr Demokratie an den Unis, gegen deren autoritären Stil, für Redefreiheit und Offenheit. Was und wie an den Unis gelehrt wurde, fanden die Studierenden "altmodisch" und „verstaubt“.

Tod von Benno Ohnesorg bei einer Anti-Schah-Demonstration:

Im Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg während einer Demonstration gegen den tyrannisch herrschenden Schah von Persien (Iran) von einem Polizisten erschossen. Der Fall wurde nie endgültig aufgeklärt, der Polizist, der geschossen hatte, wurde damals aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Außerdem reagierte die Regierung mit einem Demonstrationsverbot, was die Bevölkerung zusätzlich aufbrachte. Dieser Todesfall führte dazu, dass sich der Konflikt zwischen den Studierenden und der Staatsmacht zusätzlich verschärft. Es kam zu einer Welle an Protesten in ganz Deutschland, die monatelang anhielten.

Notstandsgesetze:

Ein Brennpunkt in Deutschland war der Widerstand gegen die Notstandsgesetze. Durch diese Gesetze sollte geregelt werden, wie der Staat in Krisensituationen (wie Krieg oder Naturkatastrophen) handeln darf. Viele BürgerInnen in Deutschland wollten aber verhindern, dass in das Grundrecht eingegriffen wird und befürchteten, dass der Staat durch die Notstandsgesetze diktatorisch handeln könnte. Im Mai 1968 gab es einen Sternmarsch auf Bonn, um gegen die Notstandsgesetze zu protestieren; diese wurden jedoch vom Deutschen Bundestag trotzdem beschlossen.

Attentat auf Rudi Dutschke:

Im April 1968 kommt es zu einem weiteren dramatischen Höhepunkt der Protestbewegung in Deutschland. Einer der wichtigsten Führer der StudentInnen, Rudi Dutschke, wurde durch einen Schuss in den Kopf lebensgefährlich verletzt. Daraufhin folgten wochenlange, schwere Unruhen in ganz Deutschland, an denen sich nicht nur StudentInnen beteiligen. Protestierende attackierten die Medien (v.a. den SpringerVerlag), die gegen Dutschke gehetzt und „zur Jagd“ aufgerufen hatten, mit Steinen und Fackeln, die Lieferautos des Verlages wurden angezündet. In Berlin ging die Polizei geht mit Wasserwerfern und Panzerwagen, Knüppeln und Hunden gegen die „Randalierer“ vor, zahlreiche DemonstrantInnen wurden verprügelt und verhaftet.

Polen In Warschau, Danzig und Krakau kam es im März 1968 zu Studentenprotesten („Polnischer März“). Auslöser war, dass ein Theaterstück verboten wurde, weil es als „antisowjetisch“ galt. Die Studenten und Studentinnen forderten mehr Demokratie, Meinungsfreiheit und Kultur ohne Zensur im kommunistisch beherrschten Polen. SchriftstellerInnen und andere Intellektuelle schlossen sich den StudentInnen an.

Der Aufstand wurde von der polnischen Polizei mit Schlagstöcken niedergeschlagen, zahlreiche DemonstrantInnen wurden verhaftet. Die polnische Regierung reagierte auf die Proteste außerdem mit einer antisemitischen Kampagne gegen die Polen jüdischer Abstammung, denen sie die „Schuld“ an den Protesten zuschiebt. Viele jüdische BürgerInnen mussten das Land verlassen.

Frankreich

Auch in Frankreich kam es zu Unruhen und Tumulten auf den Straßen, vor allem in Paris. Im Mai ‘68 protestieren bis zu 20.000 Studierende an den Universitäten, dann auf den Straßen. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen die Zustände an den Universitäten, aber auch gegen die konservative Partei von Staatspräsident Charles De Gaulle. Zudem wurde, wie in anderen Ländern wird auch, gegen den Vietnamkrieg protestiert.

Die Universitäten wurden daraufhin zum Teil geschlossen. Es folgten heftige Straßenkämpfe: Barrikaden wurden errichtet, Autos brannten, DemonstrantInnen warfen Steine gegen PolizistInnen, die ihrerseits hart durchzugreifen versuchten. Auch das Militär kam zum Einsatz.

Anders als in anderen Ländern schlossen sich die ArbeiterInnen den Studierenden an, Fabriken wurden besetzt, es gab einen Generalstreik in Frankreich, an dem mehrere Millionen ArbeiterInnen beteiligt waren. Das ganze Land war wie „gelähmt“.

In Frankreich wurde die Regierung durch die Unruhen fast gestürzt. De Gaulle löste das Parlament auf, und drohte, den Ausnahmezustand zu verhängen. Im Juni kam es zu Neuwahlen, bei denen allerdings wieder die Konservativen gewannen.

Österreich

Wie in anderen Ländern gab es 1968 auch in Österreich Studentenproteste.
Zudem kam es bereits im Jahr 1965 an der Universität Wien zu einem Fall, der auch international für Aufsehen sorgte: Der Fall Borodajkewycz.
Auch in der österreichischen Kunst und Kultur drückte sich in den 1960er-Jahren der Protest gegen die gesellschaftlichen und politischen Zustände aus.

Mehr zu den Vorgängen in Österreich ist in einem eigenen Unterkapitel nachzulesen.

Weltkarte
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USA

Die Entwicklungen und Protestbewegungen der 1960er-Jahre in den USA hatte großen Einfluss auf jene in Europa. Das gilt einerseits für die kulturellen Änderungen, wie die Jugendkultur mit der (Pop)Musik und die Hippie-Bewegung, als auch für die politischen Strömungen.

Proteste für die Rechte der Schwarzen („Black Power“):

Bereits ab den 1950er-Jahren begannen Afroamerikaner unter der Führung von Martin Luther King mit gewaltfreien Protesten gegen die herrschende Rassentrennung, die Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit gegen die AfroamerikanerInnen in den USA. Diese Bewegung nennt man Bürgerrechtsbewegung. Martin Luther King wandte sich außerdem gegen die Vietnampolitik der Vereinigten Staaten. Als im April 1968 Martin Luther King bei einem Attentat getötet wurde, kam es in den USA zu großen Unruhen mit Verhaftungen, Verletzten und Toten. Auch in Europa waren die Menschen betroffen, die in Protesten ihre Unterstützung der US-Bürgerrechtsbewegung zum Ausdruck gebracht hatten. Zeitlich fiel die Ermordung von King mit dem Attentat auf Rudi Dutschke in Deutschland zusammen. Vietnamkrieg: 1964 traten die Vereinigten Staaten in den Vietnamkrieg ein. Es ist die Zeit des Kalten Krieges zwischen den Großmächten USA und Sowjetunion (UdSSR), zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Vietnam ist in Nord- und Südvietnam gespalten, es beginnt ein Bürgerkrieg zwischen den beiden Teilen. Nordvietnam war kommunistisch und wurde von China und der Sowjetunion unterstützt. Südvietnam orientierte sich an den USA. Die USA befürchteten, dass sich der Kommunismus ausbreiten könnte und schickten amerikanische Soldaten nach Vietnam.

Im Vietnamkrieg starben mehrere Zehntausend amerikanische Soldaten und Millionen von Vietnamesen und Vietnamesinnen.

Von den Überlebenden blieben unzählige schwer traumatisiert. Sowohl in den USA als auch in Europa gab es viel Widerstand gegen die Einmischung der USA in diesen Krieg. Die Proteste gegen den Vietnamkrieg sind ein zentrales Thema bei den Studentenprotesten der 1960er-Jahre.

Free Speech Movement Berkeley: 1964 fanden an der University of California, Berkeley Proteste statt, bei denen die Studierenden sich für ihr Recht auf freie Rede einsetzen.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-das-jahr-1968-50-jahre-prager-fruehling/das-jahr-1968/ereignisse-in-europa-und-den-usa/
gedruckt am: Donnerstag, 26. April 2018