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Warum ausgerechnet 1968?

Genau genommen gibt es einige Ereignisse, die für die „68er-Bewegung“ ganz entscheidend waren, aber bereits 1967 stattgefunden haben (z.B. Tod Benno Ohnesorg, LINK s. unten), trotzdem werden sie unter dem Begriff „68er-Bewegung“ zusammengefasst.
Und natürlich sind die Unruhen nicht „aus heiterem Himmel“ gekommen, sondern haben damit zu tun, wie sich die Länder seit Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelt haben.

Wie sieht die Welt in den 1960er-Jahren geografisch und politisch aus?

In den 1960er – Jahren war die Welt deutlich in „Ost“ und „West“ geteilt: Es gab einerseits die „Westmächte“, insbesondere die USA, und auf der anderen Seite den „Ostblock“ unter der Führung der Sowjetunion. Diese beiden Supermächte standen sich feindlich gegenüber, denn es waren gegensätzliche gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Systeme. Im Westen herrschte das System des Kapitalismus, im Osten das System des Kommunismus bzw. Sozialismus.
Zwischen den beiden gab es die Grenze des „Eisernen Vorhangs“.

Die beiden Großmächte führten zwar keinen Krieg, aber es herrschte ein „Kalter Krieg“.

Noch vor der politischen Rebellion findet eine kulturelle Revolution statt.

Wirtschaftlich erholte sich Europa seit den 1950ern langsam („Wirtschaftswunder“). Es gab wieder Arbeit, und sowohl in europäischen Ländern als auch in den USA zahlreiche Geburten („Babyboom“). Man „gönnte sich“ wieder etwas, z.B. unterhielt man sich mit Tanz, Theater und Kino. Das alltägliche Leben der Bevölkerung wurde durch Autos, Waschmaschinen, Fernseher etc. moderner. Die große Nachkriegsarmut war überwunden, die Menschen gaben vermehrt das Geld aus, der Konsum stieg.

Wie bereits erwähnt herrschte bei der Jugend aber eine große Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen, und ein starker Wunsch nach Veränderung. Vieles wurde hinterfragt, u.a. die autoritären Strukturen und Haltungen, das bürgerliche Leben der Eltern, die strenge Sexualmoral, die Konsumgesellschaft, der Kapitalismus.

Orientierung nach Westen…

Vieles, was aus den USA, kam, wurde von den europäischen Jugendlichen der 1960er-Jahre bewundert und übernommen. Die Bewegung der 60er-Jahre ist geprägt von der Jugendkultur aus den USA, stark z.B. im Bereich der Musik (Beatles, Stones).

Ganz besonderen Einfluss auf die europäische Jugend hatten die Ideale und Ziele der US-amerikanischen Hippie-Bewegung, beispielweise die Sehnsucht nach einem menschlicherem Zusammenleben, nach weniger Zwang (z.B. Leistungszwang), nach Frieden (Proteste gegen den Vietnamkrieg!) und nach Naturverbundenheit.

Gleichzeitig gab es eine starke „antiwestliche“ Haltung, und die Politik der USA wurde – sowohl von den Hippies in den USA als auch von vielen europäischen Gruppierungen der 68er-Bewegung - abgelehnt. Das kapitalistische System wurde stark kritisiert.

… und Osten

Auf der anderen Seite wurde auch nach Osten geschaut. Politisch hegten viele Gruppen der 68er-Bewegung auf ihrer Suche nach mehr Gleichheit und (sozialer) Gerechtigkeit Sympathien für Ideologien wie den Marxismus oder Kommunismus.

Im Bereich der Religion wendeten sich außerdem einige den fernöstlichen Religionen zu, die als besonders friedlich gelten (z.B. Buddhismus)

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gedruckt am: Sonntag, 21. Jänner 2018