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Interview mit einer Expertin

Steckbrief Armine Wehdorn, Kuratorin des Geldmuseums der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB):  

  • Studium: Politikwissenschaft und Geschichte    
  • Geburtsjahr: 1970
  • Sternzeichen: Löwe
  • Meine Hobbies: Lesen, Tanzen
  • Mein Erfolgsrezept bzw. Leitspruch: Der Wille kann Berge versetzen!
  • Kinder sind für mich: Lebensfreude
  • Was wünsche ich mir für die Zukunft: Viele neugierige Kinder im Geldmuseum

Armine Wehdorn ist für das Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) verantwortlich. Sie plant und betreut verschiedene Ausstellungen, wie zum Beispiel die aktuelle Sonderausstellung "Im Blickfeld: Euro Bargeld" zum zehnjährigen Jubiläum des Euro-Bargeldes. Dort kannst du erfahren was Walflosse und Marienkäfer mit Banknoten zu tun haben und noch vieles Spannende mehr entdecken!

Wir haben mit Frau Wehdorn im März 2012 über das Thema „Geld“ gesprochen.

Was sind die wichtigsten Aufgaben der OeNB?

Das Motto der Oesterreichischen Nationalbank, der Zentralbank Österreichs, ist „STABILITÄT UND SICHERHEIT“. Damit sind wir direkt bei der Hauptaufgabe der Nationalbank: die Sicherung der Preisstabilität. Das bedeutet, dass wir gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank und den anderen nationalen Zentralbanken im Euroraum (alle zusammen heißen „Eurosystem“) dafür sorgen, dass der Wert des Geldes gleich bleibt und die Preise nicht ständig steigen. Natürlich müssen daher auch die Banken stabil bleiben.
Weiters muss die Nationalbank darauf achten, dass die im Rahmen des Eurosystems beschlossene Geldpolitik – z.B. die Höhe des Leitzinssatzes – umgesetzt wird. Diese Geldpolitik muss natürlich der Bevölkerung und anderen wichtigen Entscheidungsträgern mitgeteilt werden.
Eine weitere wichtige Aufgabe ist, dass die Bevölkerung mit fälschungssicherem Bargeld versorgt wird. Außerdem betreibt die OeNB ein Zahlungsverkehrssystem für den Euro, mit welchem Geld-Überweisungen durchgeführt werden können, und ist für die Zahlungsverkehrsaufsicht in Österreich verantwortlich.
Die Nationalbank verwaltet außerdem die Währungsreserven Österreichs, das sind Gold und Fremdwährungsbestände, die vor allem zur Absicherung des Euro in Krisenzeiten benötigt werden. Die Experten der Notenbank erstellen u.a. auch viele Wirtschaftsanalysen und Statistiken oder wirken in internationalen Organisationen mit.

Wie viel Geld und wie viel Gold gibt es in der Nationalbank?

Gold stellt für Zentralbanken eine wichtige Währungsreserve dar. Gold wird in Form von Goldbarren von vielen Zentralbanken in der Welt als Währungsreserve gelagert. In Österreich sind es derzeit rund 280 Tonnen, dass entspricht ungefähr einem Würfel von 2,4 Metern Seitenlänge. Man muss allerdings dazusagen, dass dies nur einen Teil der Währungsreserve Österreichs neben Fremdwährungen (wie amerikanische Dollar oder japanische Yen) und Wertpapieren darstellt.
Nachdem die Nationalbank keine „normale“ Geschäftsbank ist, wird zwar Bargeld in der Nationalbank gelagert, aber es wird nicht als solches bezeichnet sondern als sogenannte „Barschaft“. Unter der Barschaft versteht man (in der Notenbank) jenes Bargeld, das nicht aktiv am Geldumlauf teilnimmt (z.B. frisch gedruckte oder zur Überprüfung eingelieferte Banknoten). Die Höhe der gelagerten Barschaft ändert sich täglich.
Genauere Angaben lassen sich zum Bargeldumlauf im Euroraum machen. Im Jänner 2012 waren 14,3 Milliarden Banknoten und 97,6 Milliarden Münzen mit einem Gesamtwert von 891,8 Mrd EUR. in Umlauf.
Geschäftsbanken schicken auch Euro-Banknoten und -Münzen zur Überprüfung auf ihre Echtheit und Umlauffähigkeit in die Nationalbank, die danach wieder an die Geschäftsbanken zurückgebracht werden.

Woher kommt Schwarzgeld und was passiert damit?

Schwarzgeld darf es eigentlich nicht geben. Es ist ein Geld, das nicht legal erworben wird, manchmal sogar kriminell, und nicht versteuert wird. Die Bezeichnung stammt aus dem Bereich des Heimlichen, Unerlaubten und meint auch, dass etwas im Schutz der Dunkelheit ausgeführt wird. Im Zusammenhang mit Schwarzgeld spricht man auch oft von „Geldwäsche".

Wie lange wird die Krise noch dauern?

Das kann ich Ihnen leider nicht beantworten. Wir haben etwas Wichtiges aus den letzten vier Jahren gelernt, nämlich, dass die Aufsicht über die Finanzmärkte gestärkt werden muss, womit bereits begonnen wurde.
Österreich versucht seinen Beitrag zur Krisenbewältigung zu leisten, da die Probleme nur gemeinsam gelöst werden können.

Ist der Euro noch eine sichere und stabile Währung?

Trotz der Herausforderungen und Probleme durch die derzeitige Finanzkrise, ist der Euro als gemeinsame Währung weiterhin ein großer Erfolg. Man kann sagen, dass der Euro zum Symbol für ein gemeinsames Europa geworden ist: Rund 331 Millionen Menschen in 17 Staaten zahlen mit dem Euro. Wenn wir in diese Länder reisen, müssen wir kein Geld mehr wechseln, es fallen daher auch keine Wechselspesen mehr an und wir können leichter Preise vergleichen.
Vor allem als kleines Land profitiert Österreich wirtschaftlich von dem fast 32 Mal größeren Wirtschaftsraum. In der Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Einbettung in das größere Eurogebiet Österreich vor Spekulanten geschützt. Seit der Einführung des Euro gibt es im Durchschnitt eine niedrige Inflationsrate von etwas unter 2%, was für jeden von uns wichtig ist, da dann die Preise kaum steigen und unsere Ersparnisse vor Entwertung geschützt werden. Der Euro ist zu einer anerkannten Weltwährung geworden, was ein positives Zeichen des Vertrauens ist.

Kann man etwas tun, damit es in Zukunft keine Finanzkrise mehr gibt?

Die momentane Situation zeigt, dass es eine Reihe von Entwicklungen gab, die korrigiert werden müssen. Für die bessere Sicherung eines stabilen Euro sind Reformen der Wirtschafts- und Währungsunion notwendig. Unser Gouverneur sagt hierzu: „Für einen stabilen Euro müssen die öffentlichen Finanzen des Staates, der Länder und Gemeinden saniert, sowie Wirtschaftsreformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und damit nachhaltiges Wirtschaftswachstum und mehr Arbeitsplätze durchgeführt werden.“

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-geld-und-konsum/interview-mit-einer-expertin/
gedruckt am: Donnerstag, 23. November 2017