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Interview mit einer Expertin

Portrait von Eva Mitterbauer
Eva Mitterbauer © privat

Eva Mitterbauer hat Biologie und Umweltkunde studiert und arbeitet als Coach, Beraterin und Trainerin für Gesundheitsförderung im Bildungsbereich. Sie gibt LehrerInnen und SchülerInnen Tipps, wie man sich in der Schule gesund ernährt und was man selbst für ein gesundes Leben alles tun kann.

Wir haben sie im Interview mit der DemokratieWEBstatt im Jänner 2012 nach ihren Lieblingsspeisen gefragt, ob Naschen wirklich ungesund ist, und uns Tipps geholt, was man alles für eine gute Gesundheit tun kann.

Gesundheit und eine richtige Ernährung hängen sehr eng zusammen. Was muss man für eine gesunde Ernährung besonders beachten?

Gesunde Ernährung muss abwechslungsreich sein. Iss möglichst viele verschiedene Sorten von Obst, Gemüse, Brot, Erdäpfeln, Nudeln und Milchprodukten (Käse, Joghurt, Milch, Kakao ...), Fisch solltest du mindestens einmal in der Woche essen! Fleisch und Wurst in kleinen Portionen 2-3x/Woche sind auch gesund.
Gut zu merken: 5 a day – 5 am Tag! Iss 5 Portionen Obst oder Gemüse – eine Portion ist immer so groß, dass sie in deine Hände passt! Auch frischer Obst- und Gemüsesaft zählen dazu!
In jedem Fall trinke mindestens 1-1,5 Liter Wasser oder ungezuckerten Tee am Tag. Softdrinks, Limonaden und ähnliche Getränke enthalten sehr viel Zucker, löschen kaum den Durst und machen dick! Ein Liter Limonadengetränk enthält bis zu 40 Stück Würfelzucker!!!
Lieblingsessen wie Pommes, Chips, Gummibärchen und andere Naschereien iss möglichst selten und dann wenig davon – genieße sie! Aber stopf sie nicht so nebenbei – beim Fernsehen, Computern oder Lesen – in dich hinein!
Probier immer wieder neue Lebensmittel aus, auch wenn sie beim ersten Kosten vielleicht noch nicht schmecken, probier es einfach – oft schmecken Dinge erst, wenn man mehrmals gekostet hat!

Was essen Sie am liebsten, haben Sie ein Lieblingsrezept?

Ich habe keine Lieblingsspeise – am liebsten esse ich jene Gerichte, die zum Land und zur Jahreszeit passen, also in Österreich zum Beispiel im Frühsommer die Erdbeeren, im Sommer Paradeiser, den grünen Salat, im Herbst Äpfel und Birnen.
Lieblingsrezept: Ich koche gerne Speisen mit Nudeln, Gemüse und Fisch – zum Beispiel im WOK, wie die Chinesen, außerdem erfinde ich gerne verschiedene Salatvariationen (mit verschiedenen Blattsalaten, Ölen, Gewürzen, frischen Kräutern, Balsamicoessig)

Gesundes Essen ist wichtig, aber was gehört zu einem gesunden Leben sonst noch dazu?

Zum Gesundbleiben braucht der Körper ausreichend Bewegung – es reicht schon, wenn du jeden Tag einen Teil deiner Wege zu Fuß gehst und die Stiegen hoch läufst, statt den Lift zu nehmen. Noch besser ist es natürlich, wenn du regelmäßig Sport treibst, Ausdauer, Kraft und Gelenkigkeit trainierst.
Ruhe und Entspanntheit – gönne dir einmal am Tag ein paar Minuten Ruhe, denk an etwas Schönes und versuch dabei ganz tief zu atmen. Das hilft auch, wenn du vor schwierigen Aufgaben stehst – ein bisschen entspannen und dann bist du bereit für die Herausforderung!
Sauberkeit, Hygiene und Zahnpflege sollten selbstverständlich sein, aber zur Erinnerung seien sie hier noch einmal extra genannt.
Und ganz wichtig für ein gesundes Leben sind soziale Beziehungen, also deine Familie und deine Freunde und Freundinnen, Bekannte, LehrerInnen, SportkollegInnen etc. Freunde im Facebook sind sicher fein, aber zum Reden, Spaß haben, auch mal zum Ausweinen und Anlehnen sind „echte“ Menschen in deiner Umgebung wichtiger.

Was sind die größten Risikofaktoren für unsere Gesundheit?

Stress, Bewegungsmangel, falsche Ernährung (zu viel, zu fett, zu zuckerreich, zu wenig zum Zerbeissen!), soziale Isolation (wenig oder keine Freunde, keine Spielkameraden).

Haben Sie Tipps, was man besonders in der Schule für die Gesundheit tun kann?

Die Schule kann einen Beitrag zur Gesundheit leisten, wichtig aber ist, dass die Eltern mit der Schule zusammenarbeiten.
Einige Beispiele: gesundes Schulbuffet, gesunde Schuljause, bewegte Pause, bewegtes Lernen, Lernen in Gruppen und im eigenen Tempo, SchülerInnen unterrichten andere SchülerInnen, die älteren SchülerInnen unterstützen die Jüngeren.
Dazu gibt es so viele Ideen, die kann ich gar nicht alle aufschreiben – ich arbeite viel mit LehrerInnen, die dann in der Schule Gesundheitsförderung umsetzen.

Welchen Auftrag würden Sie den Politikern geben, um die Gesundheit von Kindern zu fördern bzw. zu schützen?

Derzeit gibt es gute Ansätze für die Förderung der Gesundheit der Kinder: Schulbuffets werden verändert; in Ganztagsschulen wird das Mittagessen möglichst aus Bio-Produkten hergestellt, viele Sportvereine haben spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche usw.
Könnte ich tatsächlich Aufträge erteilen: Ich würde die Schule komplett verändern – selber forschen und entdecken stünde im Mittelpunkt des Lernens, jedes Kind darf seine besonderen Talente verbessern ...
Die Lebensmittelindustrie würde ich beauftragen, die wenig gesunden Lebensmittel so teuer zu machen, dass man automatisch weniger davon einkauft und isst.

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gedruckt am: Montag, 21. August 2017