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Interview mit Hartwig Kirner

Jemand, der sich schon viel mit der Globalisierung und ihren Folgen für Menschen und Umwelt beschäftigt hat, ist Hartwig Kirner. Er ist Geschäftsführer von FAIRTRADE Österreich und setzt sich dort für einen Fairen Handel weltweit ein. FAIRTRADE Österreich wurde 1993 gegründet und zeichnet Waren mit dem FAIRTRADE-Gütesiegel aus, die unter gerechten Bedingungen hergestellt und nach Österreich geliefert wurden.  

Im Interview mit der DemokratieWEBstatt im März 2014 erzählt Hartwig Kirner Wissenswertes über den Fairen Handel.

1. Was ist Fairer Handel?

Fairtrade heißt übersetzt „gerechter Handel“. Das bedeutet, dass die Bauern und Bäuerinnen, die Produkte wie Kakao oder Bananen anbauen, einen gerechten Preis dafür bekommen. Denn die meisten ProduzentInnen in Asien, Afrika und Lateinamerika bekommen viel zu wenig Geld für ihre Ernte. Die betroffenen Familien sind sehr arm und können ihre Kinder nicht in die Schule schicken. Die ArbeiterInnen haben keine geregelten Arbeitszeiten, es gibt kaum Sicherheitsmaßnahmen und auf den Feldern und Plantagen sind sie oft hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt.

Um diese Situation zu verbessern, setzt sich der Faire Handel für eine höhere Bezahlung ein, unterstützt die Kleinbauernfamilien bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und ermöglicht Kindern den Schulbesuch. Besonders gefährliche Pflanzenschutzmittel dürfen nicht benutzt werden und zum Schutz der Umwelt werden spezielle Maßnahmen umgesetzt.

2. Wie verbessert der Faire Handel die Lebensbedingungen der ProduzentInnen?

Der Faire Handel fördert eine faire Partnerschaft aller Beteiligten, also von KonsumentInnen, Unternehmen und ProduzentInnen, im Handel weltweit. Er schafft das Bewusstsein für die Probleme der ArbeiterInnen, Kleinbäuerinnen und -bauern und weist auf FAIRTRADE als eine gerechte Alternative hin.

Der Faire Handel unterstützt die Kleinbäuerinnen und -bauern dabei, sich zusammenzuschließen und so genannte Kooperativen zu gründen. In der Gemeinschaft sind sie stärker, können sich gegenseitig unterstützen und bei Problemen helfen. Organisationen, die sich an FAIRTRADE beteiligen, müssen die FAIRTRADE-Standards zum Schutz der Menschen, der Umwelt und zur Stärkung der Produzentenorganisationen einhalten.

FAIRTRADE-Partnerorganisationen verpflichten sich, faire Preise für die eingekauften Rohstoffe zu bezahlen. Außerdem erhalten die Mitglieder der jeweiligen Produzentenorganisation eine Prämie und entscheiden gemeinsam, wofür dieses zusätzliche Geld verwendet wird – z.B. für den Bau von Schulen, Krankenhäusern, Straßen oder Brunnen.

3. Wie kommen die FAIRTRADE-Produkte nach Österreich?

FAIRTRADE-Produkte stammen aus verschiedensten Regionen weltweit. Meist haben diese Rohstoffe einen weiten Weg hinter sich, bis sie in den österreichischen Geschäften landen. Die Firmen in Österreich lassen sich bei FAIRTRADE Österreich registrieren und dürfen ihre Produkte mit dem FAIRTRADE-Gütesiegel kennzeichnen. Das Siegel auf der Verpackung zeigt den KäuferInnen, dass das Produkt aus Fairem Handel stammt und die ProduzentInnen einen fairen Preis für ihre Arbeit bekommen, Kinder nicht ausgebeutet und Gesundheitsmaßnahmen eingehalten werden. Das wird auch regelmäßig kontrolliert.

4. Was ist das FAIRTRADE-Gemeindeprojekt?

Um eine FAIRTRADE-Gemeinde werden zu können, müssen verschiedene Ziele erfüllt werden. In den FAIRTRADE-Gemeinden werden Produkte mit dem FAIRTRADE-Gütesiegel in den Geschäften, Restaurants und Cafés angeboten. Zusätzlich verpflichtet sich die Gemeinde, Informationsveranstaltungen und Vorträge abzuhalten, um die Menschen in der Gemeinde über das Thema Fairer Handel aufzuklären.

5. Ist das Internet wichtig für den Fairen Handel?

Über das Internet kann sich jede/r über den Fairen Handel informieren. Die KonsumentInnen erfahren, woher die Produkte mit dem FAIRTRADE-Gütesiegel kommen und welche Vorteile der Faire Handel für die Menschen im Süden hat. Das Internet ist auch wichtig, um den Mitgliedern von FAIRTRADE, also allen ProduzentInnen, HändlerInnen und Unternehmen, Informationen zur Verfügung zu stellen: was sind die FAIRTRADE-Standards, welche Preise werden an die ProduzentInnen gezahlt, usw. Aber auch die Kommunikation mit sehr entlegenen Mitgliedern wird dadurch erleichtert oder erst möglich. Oft ist der erste Schritt zum Fairen Handel, sich als ProduzentIn im Internet über gerechte Bedingungen zu informieren.

 6. Was halten Sie von dem Motto „think global, act local“?

FAIRTRADE hat Partnerorganisationen auf der ganzen Welt, ist also ein „globales Netzwerk“. Gleichzeitig gibt es in jedem Land, in jeder Region, ja sogar in jeder Dorfgemeinschaft Probleme verschiedener Art. Nur wenn man für diese Probleme auch lokale Lösungen findet, ist eine positive Entwicklung möglich. „Think global, act local“ ist somit ein Ansatz, den FAIRTRADE absolut unterstützt und auch lebt.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-globalisierung/interview-mit-hartwig-kirner/
gedruckt am: Montag, 18. Dezember 2017