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Was sind Sekten?

Wenn im Alltag von Sekten die Rede ist, dann sind damit vor allem Glaubensgemeinschaften gemeint, deren Mitglieder fanatisch ihre Auslegung des Glaubens verteidigen. Mit dem Wort wird umgangssprachlich Gefahr verbunden, man denkt an radikale Ansichten und Intoleranz, Probleme mit der Familie und der Gesellschaft.

Ursprünglich neutraler Begriff

Ursprünglich war das Wort „Sekte“ eigentlich ein neutraler Begriff. Mit Sekte war eine religiöse, manchmal auch eine politische oder philosophische Gruppe von Menschen gemeint, die nicht dieselben Überzeugungen hatte wie die Mehrheit.

In der Geschichte waren Sekten oft Religionsgemeinschaften, die sich von ihrer „Mutterkirche“ abgespalten haben, z.B. wurde das Christentum anfangs als Sekte des Judentums gesehen.

Heute wird meist nicht mehr von Sekten, sondern von religiösen Sondergemeinschaften gesprochen. Alle großen Religionen haben solche Sondergemeinschaften. Viele von ihnen gibt es auch in Österreich, etwa die Mormonen („Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“) oder Zeugen Jehovas, die beide aus dem Christentum entstanden sind. Sie wurden mittlerweile in Österreich als Religionsgesellschaften staatlich anerkannt.

Verschiedene Definitionen

Der Begriff „Sekte“ ist mehrfach unterschiedlich definiert worden. Man hat versucht, anhand von bestimmten Merkmalen festzulegen, was eine Sekte ist. Solche Merkmale waren etwa

  • dass es klare Grenzen zwischen Anhängern und Außenstehenden gibt
  • dass es eine charismatische Führungsfigur gibt
  • dass keinerlei Kritik gestattet ist
  • dass Mitglieder in Abhängigkeit von der Gruppe gehalten und manchmal finanziell ausgebeutet werden
  • dass die Gruppe vorgibt, alle Probleme (persönliche und bezogen auf die ganze Welt) lösen zu können, etc.

 

Diese Merkmale treffen aber erstens nicht immer zu, und zweitens können sie nicht nur auf Sekten zutreffen.

Abwertung vermeiden

Da „Sekte“ meist mit einer negativen Bewertung verbunden ist, die als abwertend empfunden wird, raten ExpertInnen dazu, den Begriff möglichst zu vermeiden.

Besser als abwertende Begriffe helfen Fragen, eine Gruppe zu verstehen und einordnen zu können: Welche besonderen Merkmale hat die Gruppe? Wie ist ihre Struktur? (Wie ist sie aufgebaut?) Welche Erfahrungen machen Personen mit dieser Gruppierung? Welche Auswirkungen hat sie auf die verschiedenen Personen? All diese Fragen helfen besser, eine Gruppe zu verstehen. 
 

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gedruckt am: Dienstag, 11. Dezember 2018