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Interview mit einem Experten

Portrait von Christian Rammel
Foto © Dr. Christian Rammel

Ist die Erde überhaupt noch zu retten? Und wenn ja, wie? Wir haben den Experten Dr. Christian Rammel dazu befragt. Er ist Wissenschaftler an der Wirtschaftsuniversität in Wien und forscht und unterrichtet dort am Institut für Regional- und Umweltwirtschaft.

Das Interview der DemokratieWEBstatt mit Herrn Dr. Rammel fand im Dezember 2010 statt.

Immer wieder hört man von Klimawandel und Umweltkatastrophen. Ist die Erde noch zu retten?
Klar ist die Erde noch zu retten, nur ist die Frage, in welchem Zustand wir sie noch retten können und wollen. Wollen wir gesunde Wälder, Artenvielfalt und reine Flüsse haben, oder genügen uns künstliche Parklandschaften, Gärten und Wildtiere nur mehr im Bilderbuch und im Zoo? In Australien gibt es schon Parks, die ein riesiges Glasdach haben, da das Ozonloch (und die intensive Sonneneinstrahlung) den längeren Aufenthalt im Freien ohne Sonnencreme mit wahnsinnig hohem Sonnenschutzfaktor unmöglich macht. Es ist da immer die Frage zu stellen, wollen wir negative Umweltveränderungen aufhalten, oder wollen wir lieber versuchen, uns einfach an sie anzupassen. Ich persönlich glaube, wir müssen immer beides versuchen. Das zeigt uns heute gerade der von Menschen gemachte Klimawandel, und dabei ist es völlig egal, um wie viel Grad es jetzt wirklich wärmer wird. Klar ist, dass gerade die ärmsten Länder wie Bangladesch vor enormen Katastrophen stehen und wir rasch handeln müssen.

Dabei müssen wir viel, viel stärker als bisher versuchen die Klimaveränderung aufzuhalten, oder besser gesagt zu verlangsamen, UND  gleichzeitig den Betroffenen helfen, mit Überschwemmungen, Dürren und anderen Wetterextremen fertig zu werden. Leider kommt dazu, dass gerade die eigentlichen Verursacher des Klimawandels, die reichen Länder in  Europa oder Nordamerika, nur wenig von der Klimakatastrophe betroffen sind, oder in manchen Fällen sogar Nutzen davon haben (z.B. bessere Ernten, mehr Tourismus durch besseres Wetter).

Was sind die größten Gefahren für unsere Umwelt?
Viele würden darauf mit „der Mensch“ antworten. Aber der Mensch ist selber ein wichtiger Teil der Natur und Umwelt. Ich persönlich meine daher, die Gefahr ist unser verantwortungsloses Handeln und die Gier nach immer mehr Konsumgütern (also sehr oft Produkte, die wir gar nicht brauchen, aber Stück für Stück unsere Erde weiter kaputt machen). Konkret sehe ich als die größten Gefahren den Klimawandel, das Artensterben und vielleicht die ungehemmte Veränderung des Erbgutes von Tieren und Pflanzen durch Gentechnik.

Wenn die Erde drei Wünsche frei hätte, was denken Sie, würde Sie sich wünschen?
1. Ein anderes Wirtschaftssystem, das mit natürlichen Ressourcen behutsam und verantwortungsvoll umgeht.
2. Ein anderes Wirtschaftssystem, das auf Solidarität zwischen den Menschen aufgebaut ist.
3. Ein anderes Wirtschaftssystem, das nicht auf der Gier nach immer mehr und dem ungebremsten Wachstum aufgebaut ist.

Tun Sie persönlich auch etwas für den Umweltschutz?
Ich versuche bei  jedem Einkauf dreimal zu überlegen, ob ich das Ding eigentlich brauche, wie es hergestellt wurde und was daraus wird, wenn ich es wegschmeiße oder zurückgebe. Außerdem versuche ich meinen Studentinnen und Studenten die Wichtigkeit von Ökologie und Vielfalt ans Herz zu legen.

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gedruckt am: Dienstag, 22. August 2017