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Interview: Von Menschen und Tieren

Portrait von Gianluigi Segalerba
Foto © Mag. Dr. Gianluigi Segalerba

Mag. Dr. Gianluigi Segalerba, ist Philosoph und unterrichtet an der Universität Wien. Er beschäftigt sich unter anderem mit Fragen der Ökoehtik und der Tierrechte. Wir haben ihn im November 2012 zum Thema „Tierrechte“ befragt.

Wie hat sich die Beziehung des Menschen zu Tieren im Laufe der Geschichte verändert?

Im Laufe der Geschichte hat sich unsere Haltung zu Tieren verändert, der Mensch ist zusehends von der Auffassung abgekommen, Tiere und die Natur im Allgemeinen seien nur zur Nutzung bestimmt und haben keine Rechte oder Wert. Diese Auffassungsänderung zeigt sich zum Beispiel an neuen Lebensformen wie dem Veganisums oder der Ablehnung Pelze zu tragen. Immer mehr Menschen essen kein Fleisch, weil sie der Überzeugung sind, dass die Tiere nicht dazu da sind, um uns Menschen nützlich zu sein. Zweifelsohne muss jedoch im Bereich Tierrechte noch sehr viel getan werden, denn nach wie vor werden Tierquälerei oder vergleichbare Greueltaten an Tieren mit eher geringen Strafen geahndet.

Was können wir von den Tieren lernen?

Tiere sind im Unterschied zum Menschen nicht sinnlos gewalttätig. Wenn Tiere töten, rauben, jagen oder sonstige Formen von Gewalt ausüben, tun sie dies niemals ohne Sinn. Es stehen immer Motive dahinter: Nahrungsbeschaffung, Imponierverhalten bei der Paarung, Verteidigung des Reviers, des Rudels, von schwächeren Tieren oder dem Nachwuchs.
Menschen töten Tiere oft nicht aus Gründen der Nahrungsbeschaffung, sondern aus purem Vergnügen. Tiere kennen auch keine Ausbeutung und bauen auch keine Tiergärten, in welchen sie Menschen oder andere Tiere einsperren, um sie als Ausstellungsgegenstände zu verwenden. Wenn man an das Beispiel der Hunde denkt, machen diese keinen Unterschied, ob das Gegenüber jung oder alt, gesund oder behindert, arm oder reich, gut oder böse ist. Der Hund toleriert und akzeptiert seinen Besitzer grenzenlos und vorbehaltlos. Deshalb wird der Hund auch als das Treuste aller Tiere bezeichnet. Hunde spüren auch, wenn man traurig ist oder es einem einmal nicht so gut geht.

Haben Tiere Rechte, die wir respektieren sollen?

Aus meiner Sicht dürfen Tiere unter keinen Umständen als Sachgegenstände angesehen werden. Tiere sollten vor dem Gesetz als Personen gelten, da nur so gefordert werden kann, dass man für Tiere auch Pflichten hat und dass man bestraft werden kann, wenn man diese nicht respektiert.
Tieren sollten aus meiner Sicht bestimmte Rechte eingeräumt werden, wie zum Beispiel das Recht auf Leben, das Recht auf individuelle Freiheit oder das Recht, folterfrei leben zu können.

Haben Sie selbst ein Haustier?

Momentan habe ich leider kein Haustier. Als Kind hatte ich Goldfische, deren Pflege mich sehr glücklich gemacht hat. Die Goldfische zu beobachten, hatte eine beruhigende Wirkung auf mich.
Ich spiele mit dem Gedanken, mir einen Hund aus einem Tierschutzhaus zu nehmen, weil ich in meinem Leben schon oft auf Hunde von Freunden und Bekannten aufgepasst habe und erfahren habe, wie sehr ein Hund das eigene Leben bereichern kann. Ein Hund ist immer für dich da, spürt, wenn man traurig ist und freut sich über die kleinsten Aufmerksamkeiten. Natürlich ist ein Hund aber auch eine sehr große Verantwortung.

Welches Tier wären Sie gerne?

Ich wäre gerne eine Wildgans, da ich diese Tiere mit grenzenloser Freiheit assoziiere. Darüber hinaus wäre ich gerne ein Delphin, weil ich ihre Anmut und Eleganz beeindruckend finde. Bei Bootstouren am Meer beobachte ich fast jeden Sommer Delphine. Vielleicht fühle ich mich auch deshalb so stark mit ihnen verbunden, weil ich in einer italienischen Hafenstadt aufgewachsen bin und so immer einen starken Bezug zum Meer hatte. Dort konnte ich Delphine auch in Küstennähe sehen.

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gedruckt am: Montag, 21. August 2017