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Interview mit Danielle Spera, Direktorin des Jüdischen Museums Wien

Danielle Spera ist seit 2010 Direktorin des Jüdischen Museums Wien. Zuvor war sie lange als Journalistin beim ORF tätig. Spera ist auch Autorin zahlreicher Bücher, unter anderem zu jüdischen Themen.

Wir haben mit ihr im Dezember 2019 zum Thema „Antisemitismus“ gesprochen.

Wie würden Sie in einem Satz erklären, was Antisemitismus bedeutet?

Vorbehalte, Ablehnung, Abneigung, bis hin zu Hass gegen Jüdinnen und Juden, der sich in verschiedenster Form ausdrücken kann.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe dafür, dass die Zahl der antisemitischen Vorfälle in Österreich in den letzten Jahren gestiegen ist?

Meiner Wahrnehmung nach hat sich die Situation in Österreich in den vergangenen Jahrzehnten erfreulicherweise gebessert - im Vergleich zu den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor allem die sogenannte Waldheim-Affäre hat zu einem Bewusstsein gegenüber der Vergangenheit und der Verantwortung Österreichs geführt. In unserem Umfeld (v.a. im Jüdischen Museum Wien) stellen wir das Gegenteil fest, nämlich ein enormes und positives Interesse gegenüber dem Judentum.

Wie sollte man Ihrer Meinung nach auf antisemitische Äußerungen reagieren?

Antisemitischen Äußerungen sollte man entschieden entgegentreten und solche Äußerungen nicht stehen lassen. Gegen den Hass, besonders den Hass im Netz, muss man sich wehren und jene Personen in die Pflicht nehmen.

Wie kann man Menschen in Bezug auf Antisemitismus sensibilisieren?

Man sollte mit den Menschen in Dialog treten und offen diskutieren - denn meist entstehen Ressentiments aus Unwissenheit gegenüber dem anderen.

Was möchten Sie uns zum Abschluss zum Thema „Antisemitismus“ mit auf den Weg geben?

Es ist wichtig aufmerksam zu sein. Antisemitismus, der zu blinden Hass führt, darf nicht ignoriert werden. Eine Ebene, auf der eine Sensibilisierung stattfinden kann und soll, ist die Sprache. Daher ist es essentiell, im Umgang mit der Sprache achtsam zu sein.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-antisemitismus/interview-mit-danielle-spera-direktorin-des-juedischen-museums-wien/
gedruckt am: Freitag, 7. Februar 2020