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Interview mit Barbara Buchegger, Medienpädagogin

DIin Barbara Buchegger, M.Ed., ist Medienpädagogin mit den Schwerpunkten Sicherheit im Internet, digitale Kompetenzen und Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen. Als pädagogische Leiterin im Projekt Saferinternet.at beschäftigt sie sich unter anderem mit Cybermobbing. Zudem hält sie Vorträge und Workshops.

Wir haben mit ihr im Jänner 2016 über das Thema „Mobbing“ gesprochen.

Wie präsent ist Ihrer Meinung nach das Thema Mobbing in unserer Gesellschaft?

Ich habe den Eindruck, dass die Themen Mobbing und Cybermobbing ziemlich präsent sind. Mobbing ist kein neues Phänomen, das gibt es wahrscheinlich schon so lange wie es Menschen gibt. Heutzutage gibt es aber neue Formen und Ausprägungen.

Kommt es heute in Gruppen, z.B. in Schulklassen, öfter zu Mobbing-Situationen als früher? Oder wird heute lediglich öfter darüber gesprochen?

Ich traue es mir nicht zu, zu beurteilen, ob es wirklich „öfter“ zu Mobbing kommt. Die Zahlen sprechen da auch keine klare Sprache. Es wird heute sicher mehr in den Medien über Cybermobbing berichtet. Cybermobbing geht ja auch zuhause weiter und bedeutet somit eine Verschärfung für die Opfer. Dadurch wird meiner Meinung nach auch Mobbing öfter zum Thema gemacht. Schulen sind heute aufmerksamer und sind sich bewusst, dass Mobbing unter ihren SchülerInnen vorkommen kann. Früher war es öfter so, dass DirektorInnen gesagt haben, Mobbing käme bei ihnen nicht vor. Und wenn, dann wurde nicht darüber gesprochen, aus Angst, dass der Ruf der Schule geschädigt werden könnte. Heute ist es für DirektorInnen ein Qualitätsmerkmal, wenn sich eine Schule aktiv mit dem Thema beschäftigt und auch kompetent reagiert, wenn es zu Mobbing-Fällen kommt.

Wie hat sich Mobbing durch soziale Netzwerke und digitale Medien verändert?

Es kommt dadurch zu einer Verschärfung für die betroffenen Personen. Früher gab es in der Schule zwar auch Mobbing, aber es war zeitlich auf die Schulzeit begrenzt. Heutzutage ist das für die Opfer anders, weil Mobbing online weitergeht und auch ein viel größeres Publikum erreicht. Ein „Abschalten“ ist für die betroffenen Personen also nicht möglich, für sie ist es also insgesamt noch belastender.

Wie kann man sich vor Cyber-Mobbing schützen bzw. dagegen wehren?

Es ist schwierig, hier allgemeine Ratschläge zu geben, weil es von Situation zu Situation verschieden ist. Der beste Schutz ist es, wenn in einer Gruppe, einer Klasse oder einem Verein ein wertschätzender Umgang miteinander gepflegt wird. Je weniger wertschätzend LehrerInnen und SchülerInnen miteinander umgehen, desto eher kommt es zu Mobbing. Als Einzelperson kann ich mich dagegen schützen, indem ich Beleidigungen ignoriere, und den TäterInnen nicht das Gefühl gebe, dass ihre Handlungen etwas bewirken. Diese Strategie wird aber auch nicht in allen Situationen funktionieren.

Wie werden Angebote zur Unterstützung in Mobbing-Situationen angenommen?

Alle Angebote, die es zum Thema Mobbing gibt, werden sehr gut angenommen – es gibt leider viel zu wenige! Es gibt zu wenige Organisationen und ExpertInnen, die in einem konkreten Mobbingfall direkt mit den betroffenen Personen arbeiten, diese unterstützen und an einer gemeinsamen Lösung arbeiten könnten.

Welchen Tipp würden Sie Menschen geben, die von Mobbing betroffen sind?

Das Wichtigste ist es, sich Hilfe zu holen, mit Leuten zu reden und die eigene Situation zu besprechen. Das Schlimmste ist es, mit dieser Situation für sich alleine zu bleiben und alleine „zu leiden“. Wenn man mit jemandem spricht, beispielsweise mit einer Beratungseinrichtung wie „Rat auf Draht“, kann man gemeinsam überlegen, was in der jeweiligen Situation das Beste ist. Wenn es sich um Cybermobbing handelt, ist es hilfreich, alle Beweise zu sammeln, beispielweise Screenshots zu machen, E-Mails und Nachrichten aufzubewahren. Damit kann man später das Mobbing auch nachweisen.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-mobbing/interview-mit-barbara-buchegger/
gedruckt am: Donnerstag, 14. Dezember 2017