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Was ist Antisemitismus?

Antisemitismus bedeutet Judenfeindschaft. Antisemitismus ist eine menschenfeindliche Weltanschauung und umfasst jede judenfeindliche Einstellung, Vorstellung und Handlung, wie Lügen, Beschimpfungen, Ungerechtigkeiten oder verbale und körperliche Gewalt. Der Kampf gegen Antisemitismus geht uns alle an. Wie können wir dem Antisemitismus entgegentreten und wie können wir gemeinsam Lösungen für eine Welt ohne Hass und Vorurteile gestalten?

Die IHRA (International Holocaust Remembrance Alliance), der 32 Staaten angehören, darunter auch Österreich, definiert Antisemitismus folgendermaßen:

„Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort und Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen (Anmerkung: wie zum Beispiel Museen, Schulen oder Bibliotheken) und religiöse Einrichtungen.“

Der Begriff Antisemitismus entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit wurden zahlreiche Artikel veröffentlicht, die den Hass auf Juden und Jüdinnen schürten. Die Antisemiten behaupteten, Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft seien einer „semitischen Rasse“ zuzuordnen. Diese falsche Vorstellung und darauf basierende unsinnige Argumente griffen später die Nationalsozialisten auf und machten sie zur Grundlage ihrer brutalen und menschenverachtenden Ideologie.

Nachgefragt: Woher kommt das Wort „Antisemitismus“? 

Anti bedeutet dagegen. Als „Semiten“ wurden seit dem 18. Jahrhundert Menschen mit hebräischer Sprache bezeichnet. Eigentlich gehört zur semitischen Sprachfamilie nicht nur die hebräische Sprache, sondern auch das Arabische und Aramäische. Im allgemeinen Sprachgebrauch waren mit „Semiten“ aber nur Juden und Jüdinnen gemeint. 

Die Erscheinungsformen des antisemitischen Hasses sind unterschiedlich und reichen zum Teil weit in die Geschichte zurück. Bereits in der Antike kam es zu antijüdischen Verbrechen. Viele antisemitische Vorurteile gibt es aus religiösen Gründen. Sie sind schon vor langer Zeit entstanden und kehren bis heute immer wieder. Der rassistisch-völkische Antisemitismus entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts und bildete den Grundstein für die schrecklichen Verbrechen der NationalsozialistInnen. Mit dem Ende des Nationalsozialismus verschwand der Antisemitismus jedoch nicht. Er ist auch heute noch verbreitet und führt immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen. 

Antisemitismus ist geprägt von Vorurteilen, die sich in vielerlei Gestalt zeigen können: 

  • Religiöse Judenfeindschaft gründet unter anderem auf dem Vorwurf, dass die Juden Jesus Christus ermordet hätten. 
  • Wirtschaftliche Judenfeindschaft unterstellt, dass Juden als Betrüger und Ausbeuter Geld ansammeln und damit die Welt beherrschen wollen. 
  • Rassistische Judenfeindschaft behauptet, dass jüdische Menschen „rassisch minderwertiger“ seien als andere Menschen. 
     

Auf den Punkt gebracht: Rassismus und Antisemitismus 

  • Rassistischer und antisemitischer Hass gehen oft Hand in Hand. 
  • Rassismus wendet sich gegen alle Menschen, die als „Fremde“ wahrgenommen werden. Werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten nicht anerkannt, führt das zu rassistischen Zuschreibungen, die bestimmte Gruppen von Menschen abwertet. 
  • Der Antisemitismus ist eine menschenfeindliche Ideologie, die sich gegen Juden und Jüdinnen richtet, diese als „anders“ abwertet und zugleich als „übermächtige Gegner“ sieht. Der Antisemitismus schafft damit einfache Erklärungen und liefert angeblich „Schuldige“ für komplexe Probleme unserer Gesellschaft, gegen die in weiterer Folge negative Gefühle und Hass gerichtet werden können.

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gedruckt am: Montag, 25. November 2019