DemokratieWEBstatt.at

Wir sind eine Familie!

Früher war das Heiraten fast eine Pflicht, und wenn man vor der Hochzeit oder ganz ohne zu heiraten ein Kind bekommen hat, dann war das eine richtige Schande. Das hat sich im Laufe der Zeit aber verändert und heute entscheiden sich viele Paare dazu, nicht zu heiraten.

Aber egal ob Eltern verheiratet sind oder nicht, es kann vorkommen, dass sie sich wieder trennen. Bestimmt kennst du Familien, bei denen das so ist. Gründe dafür gibt es ganz viele. Fest steht aber, dass an einer Trennung der Eltern nie die Kinder schuld sind!

Wenn die Eltern sich scheiden lassen, ist das für die Kinder meist besonders schwierig! Früher wurde nach einer Scheidung nur einem Elternteil das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen, meistens der Mutter. Heute können beide Eltern sorgeberechtigt bleiben.
Das heißt dann für die Kinder, dass sie Zeit bei der Mutter verbringen und Zeit beim Vater. Manche haben sogar zwei Zimmer in zwei verschiedenen Wohnungen. Wichtig ist, dass es den Kindern gut geht mit der Entscheidung - das ist ein Grundrecht der Kinder.

Um Kinder bei einer Scheidung noch besser zu unterstützen, wird im Dezember 2009 im Parlament ein Kinderbeistands-Gesetz beschlossen. Darin wird festgelegt, dass es bei Scheidungen einen Kinderbeistand als Sprachrohr für die betroffenen Kinder geben soll. Dieser Kinderbeistand soll helfen, die Belastungen der Kinder bei Sorgerechts- und Besuchsstreitigkeiten zu vermindern, denn nicht immer ist es ganz einfach, dass sich die Eltern über das Sorgerecht und das Besuchsrecht einigen.
Auch wenn sich die Eltern das Sorgerecht weiterhin aufteilen, sagt man zu dem/derjenigen AlleinerzieherIn, bei dem/der die Kinder leben, weil er oder sie sich in erster Linie um die Erziehung der Kinder kümmert.

Irgendwann nach einer Trennung kann es sein, dass ein Elternteil oder auch beide sich neu verlieben und eine neue Partnerin oder einen neuen Partner haben. Das ist am Anfang oft eine ganz schön schwierige Situation, wenn plötzlich jemand Neues auftaucht. Und dann stellt sich ja auch noch die Frage, ob man denjenigen überhaupt mag. Vielleicht hat dieser neue Mann oder diese neue Frau selber bereits Kinder aus einer früheren Beziehung. Dann bekommt man auf einen Schlag eine zweite Familie. Den neuen Partner oder die neue Partnerin bezeichnet man als Stiefmutter oder Stiefvater und die Kinder als Stiefgeschwister. Wir alle kennen die Stiefmutter im Märchen und wissen, dass sie dort nicht unbedingt den besten Ruf hat, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Natürlich können Stiefeltern oder auch Stiefgeschwister eine große Herausforderung sein, aber so böse wie im Märchen sind die wenigsten.

Neben den Stiefgeschwistern kann es auch noch Halbgeschwister geben. Hast du eine Idee, wo da der Unterschied liegen könnte? Stiefgeschwister haben gar keinen gemeinsamen Elternteil, Halbgeschwister hingegen haben entweder den gleichen Papa oder die gleiche Mama.

Eine Familie mit Stief- und Halbbeziehungen nennt man Patchworkfamilie, Patchwork ist so was wie ein Fleckerlteppich.

Eine Flagge in den Farben des Regenbogens weht vor einem leicht bewölkten Himmel im Wind.
Regenbogenfahne © nito500 / Clipdealer

Aber nicht nur ein Mann und eine Frau können ein Paar sein und gemeinsam Kinder haben. Es gibt auch gleichgeschlechtliche Paare. Familien in denen Kinder bei zwei gleichgeschlechtlichen Partnern – also zwei Frauen oder zwei Männern – leben, nennt man Regenbogenfamilie. Übrigens zwei Frauen oder zwei Männer dürfen in Österreich nicht heiraten, aber sie dürfen – auch das wird im Dezember 2009 im Parlament beschlossen – eine gemeinsame Partnerschaft eintragen lassen und sind damit vor dem Staat verbunden.

Manchmal schaffen es die Eltern nicht, sich so gut um ihre Kinder zu kümmern, wie sie es eigentlich sollten. Wenn Kinder misshandelt werden oder nicht die nötige Zuwendung und Aufmerksamkeit bekommen, die sie brauchen, dann kann den Eltern das Sorgerecht auch entzogen werden. Zum Schutz der Kinder wird dann vom Gericht jemand anderer bestimmt, der das Sorgerecht übernimmt. In vielen Fällen wird das Sorgerecht dem Jugendamt übertragen, das dann versucht Pflegeeltern zu finden, die sich gut um das Kind kümmern. Pflegekinder leben dann bei einer (anderen) Familie, haben aber mit ihren leiblichen Eltern noch Kontakt. Oft kehren diese Kinder, wenn sich die Situation bei ihren leiblichen Eltern verbessert, zu diesen zurück.

Eltern, die nicht in der Lage sind, sich gut um ihr Kind zu kümmern, entscheiden sich manchmal auch dazu, das Kind zur Adoption frei zugeben. Meist fällt diese Entscheidung schon vor der Geburt des Kindes. Mit einer Adoption wird auch das Sorgerecht an die Adoptiveltern abgegeben. Das heißt, die Adoptiveltern kümmern sich nicht nur um das Kind, es wird auch eine rechtliche Verbindung zwischen ihnen und ihrem Kind geschaffen.

Skepti hat nachgefragt...

... was der Unterschied zwischen leiblichen und sozialen Eltern ist und herausgefunden, dass die leiblichen Eltern die „biologischen Erzeuger“sind. Die sozialen Eltern sind diejenigen, die sich um das Kind kümmern. Beides sind richtige Eltern!

Detailansicht einer farbenprächtigen Steppdecke, die im Patchwork-Verfahren zusammengenäht wurde
Patchwork © tatisol / Clipdealer

Patchwork ist Englisch und heißt soviel wie „Flickwerk“. Eigentlich ist Patchwork eine Handarbeitstechnik, bei der man aus verschiedenen alten Stoffstücken etwas Neues zusammennäht. Bei den Patchworkfamilien ist das ähnlich: ganz verschiedene Mitglieder werden zu einer neuen Familie zusammengesetzt.

https://www.demokratiewebstatt.at/https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-familie-und-demokratie/wer-gehoert-zur-familie/wir-sind-eine-familie/
gedruckt am: Mittwoch, 26. Juli 2017