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Interview mit Gabriele Heinisch-Hosek, Frauenministerin von 2008-2016

Portrait von Gabriele Heinisch-Hosek
Gabriele Heinisch-Hosek © BMBF / Astrid Knie

Gabriele Heinisch-Hosek war von 2008 bis 2016 (mit kurzer Unterbrechung) Bundesministerin für Frauen.
Im Februar 2010 hat sie uns im DemokratieWEBstatt-Interview Antworten auf einige Fragen gegeben, die oft auftauchen, wenn man über dieses wichtige Thema „Frauen und Demokratie“nachdenkt.

Werden Frauen und Männer gleich behandelt und gilt Gleichbehandlung auch für Mädchen und Buben?

Dem Gesetz nach werden Frauen und Männer und auch Mädchen und Buben gleich behandelt. Aber leider sind Frauen und Mädchen in unserer Gesellschaft immer noch benachteiligt. Sie verdienen deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen, sie arbeiten in schlecht bezahlten Branchen wie etwa in Kindergärten oder als Handelsangestellte und Mädchen ergreifen immer noch die gleichen Berufe. Und sie haben es schwerer, wenn sie Karriere machen wollen. Auch heute ist es nicht selbstverständlich, dass sich Frauen und Männer die Hausarbeit und die Kindererziehung teilen. Das erledigen zum Großteil Frauen. Da liegt noch ein langer Weg vor uns, dass Frauen besser verdienen, bessere Karrierechancen haben und mehr Männer auch in Karenz gehen und sich um ihre Kinder kümmern.

Hat ein Mädchen in Österreich die gleichen Zukunftschancen, wie ein Bub?

Grundsätzlich hat in Österreich ein Mädchen natürlich die gleichen Zukunftschancen wie ein Bub. Aber der Weg zu einem erfolgreichen Leben ist für junge Frauen viel steiniger als für junge Männer. Zwar machen heutzutage schon viel mehr Mädchen als Buben Matura und gehen dann auf die Uni. Trotzdem ist es aber immer noch so, dass Frauen für die gleiche Arbeit viel weniger verdienen als Männer und dass es in den Chefebenen in den Unternehmen fast keine Frauen gibt. Bis also Mädchen und Buben auch hier gleiche Zukunftschancen haben, müssen wir in Österreich noch ein Stückerl weiterkommen.

Was sind die Hauptaufgaben des Frauenministeriums und arbeiten da auch Männer?

Meine Hauptaufgaben als Frauenministerin in den nächsten Jahren sind dafür zu sorgen, dass die Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen kleiner werden und dass wir mehr Angebote machen, damit junge Frauen, die Kinder bekommen, auch arbeiten können. Dazu braucht es Kindergartenplätze und die Mithilfe ihrer Männer. Ich möchte junge Frauen und Mädchen motivieren, sich für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu interessieren, und Burschen und junge Männer dazu, sich für Sozialberufe zu interessieren. Und auch in der Sexualerziehung wollen wir Mädchen in Zukunft noch mehr anbieten. Darum unterstütze ich auch Initiativen wie den neuen Aufklärungsfilm „Sex we can“. Diesen kann man sich auch im Internet unter www.sexwecan.at ansehen.
Und um zum zweiten Teil der Frage zu kommen: ja, es arbeiten im Frauenministerium natürlich auch Männer.

Seit wann gibt es ein Frauenministerium und was hat sich seitdem verändert?

Die erste Frauenministerin wurde mit der vor wenigen Tagen verstorbenen Johanna Dohnal im Jahr 1990 angelobt. Frauenpolitik in der Regierung gibt es aber schon viel länger, nämlich seit 1979. Denn damals wurde Johanna Dohnal zur ersten Frauenstaatssekretärin Österreichs in der Regierung Kreisky. Seit damals hat sich viel getan: Mädchen haben unter anderem in der Bildung massiv aufgeholt und können heute auch schon unterschiedlichere Berufe ergreifen, als es noch vor 30 Jahren der Fall war. Frauen müssen heute auch nach dem Gesetz gleich behandelt werden wie Männer. Und es gibt gesetzliche Regelungen, die Gewalt in der Familie unter Strafe stellen. Trotzdem dürfen wir uns auf diesen Errungenschaften nicht ausruhen. Denn auch heute sind Frauen und Mädchen noch immer nicht ganz den Männern und Buben gleichgestellt.

Was ist für Sie das wichtigste Anliegen bei der Förderung von Frauen und bei Gender Mainstreaming?

Mir geht es darum, dass Frauen und Männer in allen Bereichen des Lebens gleichberechtigt und gleichgestellt sind. Das ist auch das Hauptziel von Gender Mainstreaming. Denn dieses sperrige Wort heißt eigentlich nur, dass Frauen und Männer die gleichen Möglichkeiten bei der Ausbildungs- und Jobwahl und auch im Privatleben haben. Da geht es zum Beispiel darum, dass Mädchen auch einmal Automechanikerin werden oder Buben Kindergärtner, dass Frauen Karriere machen und Männer auch einmal Zuhause bei ihren Kindern bleiben können.

Warum machen Sie Politik für Frauen und haben Sie Frauen oder Männer als Vorbilder in der Politik?

Ich mache Politik für Frauen, weil ich dafür sorgen möchte, dass Frauen in Österreich mit den Männern wirklich gleichberechtigt sind. Da möchte ich, dass in ein paar Jahren Mädchen wirklich gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, dass sie wirklich die gleichen Karrierechancen haben wie die Buben und dass sich Frauen und Männer die Hausarbeit partnerschaftlich teilen.
Ja und ich habe natürlich Männer und Frauen als meine Vorbilder. Mein weibliches Vorbild in der Politik ist natürlich die erste Frauenministerin Österreichs Johanna Dohnal, in deren große Fußstapfen ich jetzt treten darf. Und mein männliches Vorbild ist der Bürgermeister meiner Heimatgemeinde Guntramsdorf. Er hat mich damals motiviert in die Politik zu gehen und ist immer noch ein großer Unterstützer.

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gedruckt am: Samstag, 24. Juni 2017