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Nachgefragt! Michaela Poppe betreut das Projekt "FlussAu:WOW!"

Portrait © Michaela Poppe

Michaela Poppe hat Geographie an der Universität Wien studiert und begann sich im Rahmen ihrer Schwerpunktbildung mit Wasser zu beschäftigen. Seit dem Abschluss ihres Studiums forscht sie an der Universität für Bodenkultur, Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement an Fragen zur ökologischen Flusslandschaftsplanung. Thema ihrer Dissertation waren hydromorphologische Methodenentwicklungen, Anwendungen und Analysen an den großen österreichischen Flusslandschaften. 

Im Rahmen des EU-Forschungsprojektes "DynaLearn" begann sie sich mit Ursache-Wirkung-Beziehungen in Flusslandschaften und deren Wissensvermittlung zu beschäftigen, derzeit betreut sie das Projekt FlussAu:WOW!
Im April 2013 stand sie der DemokratieWEBstatt zum Thema „Wasser“ Rede und Antwort.
http://www.sparklingscience.at/de/projekte/574-flussau-wow-/

 

 

Was ist das FlussAu:WOW! Projekt?

FlussAu:WOW! ist ein Forschungsprojekt, das im Rahmen von Sparkling Science vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gefördert wird. Unter dem Motto „Wissenschaft ruft Schule und Schule ruft Wissenschaft“ arbeiten SchülerInnen und PädagogInnen mit WissenschaftlerInnen der Universität für Bodenkultur vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement und vom Institut für Vermessung, Fernerkundung und Landinformation über zwei Jahre gemeinsam an verschiedenen Forschungsfragen.
Wie zum Beispiel solche: Welche Funktionen haben Flüsse und ihre Auen für Mensch, Tier und Pflanze? Oder: Wie können gut funktionierende Flusslandschaften langfristig erhalten werden?

In welcher Form können sich Kinder daran beteiligen?

SchülerInnen zweier Gymnasien in Niederösterreich sind aktiv im Projekt FlussAu:WOW! involviert.

Die Klasse 5N des BG/BRG St. Pölten wird über zwei Jahre aktiv bei Workshops, Feldarbeiten und Analysen im Rahmen der Unterrichtsfächer Biologie, Geographie und Chemie Beiträge leisten. Die SchülerInnen haben dabei die Möglichkeit, Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten zu bekommen. Neben dem Erlernen von Fachwissen wird großes Augenmerk auf fächerübergreifende Arbeiten und die Vermittlung von Umweltverständnis gelegt. Im zweiten Projektjahr werden die Ergebnisse in wissenschaftliche  Modelle eingearbeitet. So können die SchülerInnen mögliche Entwicklungen von Flusslandschaften erkennen und darstellen.

Die 7ab des BG/BRG Keimgasse in Mödling arbeitet im ersten Jahr im Rahmen des Biologie-Labors beim Projekt mit. Die hier gemeinsam erarbeiteten Kennwerte werden im Frühsommer 2013 vor Ort gemessen und in einem weiteren gemeinsamen Workshop analysiert. Im zweiten Schuljahr haben SchülerInnen die Möglichkeit, sich in den Forschungsfragen im Rahmen einer Fachbereichsarbeit mit gemeinsamer Betreuung der PädagogInnen und der WissenschaftlerInnen zu vertiefen.

Zusätzlich werden wir einigen SchülerInnen die Möglichkeit bieten, an wissenschaftlichen Tagungen oder Kongressen teilzunehmen oder auch bei der KinderUniBOKU als TutorInnen mitzuarbeiten.

Was ist das besondere an den österreichischen Flusslandschaften?

Österreichs Flüsse ziehen in einem dichten Netz wie Blutbahnen durch unser Land. Sie bilden wichtige Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen und verbinden unterschiedliche Landschaften. Unsere Flüsse zählen zu den saubersten in ganz Europa. Die Belastung unserer Gewässer durch organisch abbaubare Stoffe wurde in Österreich seit den 1960er Jahren durch Abwassererfassung und -reinigung minimiert. Wir finden vielfältigste Flusslandschaftstypen – vom gletschergeprägten Gebirgsbach bis zum mäandrierenden Tieflandfluss mit ausgedehnten Auen. Viele dieser Typen sind heute stark gefährdet.

Was sind die großen Herausforderungen beim Wasserschutz – in Österreich und in anderen Ländern?

Durch unterschiedliche Nutzungen wurden Fließgewässer und Talräume in Österreich in den letzten 200 Jahren stark verändert. Infolge Hochwasserschutz, Landgewinnung, energiewirtschaftliche Nutzung, Bau von Siedlungen und Infrastruktur wurden Österreichs Flüsse verbaut, begradigt, aufgestaut, von den Auen abgetrennt und ihre Durchgängigkeit verringert. Die natürlichen Wirkungszusammenhänge von Flusslandschaften gingen verloren. Die großen Hochwässer der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass unsere Flüsse mehr Platz brauchen.
Die große Herausforderung unserer Zeit heißt, dem Fluss durch sogenannte Gewässerrevitalisierungen wieder Raum für dynamische Prozesse zu geben. Flusslandschaften mit intakten Auen haben eine ökologische Funktion, bieten Raum für Hochwässer, sind Grund- und Trinkwasserreserve sowie Erholungs- und Freizeitraum.

Weitere Herausforderungen sind die Sicherung der letzten intakten Fließgewässerstrecken in Österreich in Anbetracht des steigenden Energiebedarfs und die Veränderung von Wasserangebot und Abflussverhalten der Flüsse infolge des Klimawandels.
Wichtig bei der Behandlung all dieser Probleme ist, dass wir die Zusammenhänge und Auswirkungen unseres Handelns erkennen und nachhaltige Entscheidungen treffen.

Diese Aufgaben stellen sich in ganz Europa und der westlichen Welt, in den Schwellen- und Entwicklungsländern sind sicher Trinkwasserversorgung und Abwasserreinigung Schwerpunkt-Themen.

Welche Bedeutung hat Wasser für Sie?

Wasser ist die Quelle alles Lebens. Wasser ermöglicht Leben, bietet Lebensraum und ist unser wichtigstes Gut. Wasser hat so viele Ausprägungen, Eigenschaften und Formen - das macht es für mich so faszinierend! Es ist ungemein stark und kraftvoll in einer Schlucht mit Wasserfall, bedrohlich in Form eines Hochwassers, sanft und still in einem ruhigen See und … verletzlich durch eine Vielzahl menschlicher Eingriffe.

Im Rahmen meines Geographie-Studiums auf der Uni Wien habe ich begonnen, mich fachlich mit Wasser zu beschäftigen. Vom Grundwasser bin ich bald zu meinem heutigem Forschungsschwerpunkt – Fließgewässer – an der Universität für Bodenkultur gekommen. Hier untersuche ich gemeinsam mit meinen KollegInnen der Arbeitsgruppe Flusslandschaftsplanung die strukturelle Vielfalt der Flusslandschaften. Die Erarbeitung, Darstellung und Vermittlung von Ursache-Wirkung-Beziehungen in Flusslandschaften ist mein derzeitiger Forschungsschwerpunkt.

Sind Sie auch in ihrer Freizeit oft am oder im Wasser anzutreffen oder nur zum Arbeiten?

AM Wasser verbringe ich meine Freizeit sehr gerne. Ich liebe naturnahe Flüsse und Seen, an denen ich wandern, Rad fahren oder faulenzen kann.
IM
Wasser bin ich eher zum Arbeiten – in einer Wathose – anzutreffen.

Welche Wassergegenden mögen Sie am liebsten?

Als Steirerin mag ich unsere Alpenflusslandschaften besonders … und das Salzkammergut bei Sonnenschein. In einem Urlaub in Skandinavien habe ich die Finnische Seenplatten kennengelernt. Hier beeindruckt mich die Ruhe, die diese Wasserlandschaft ausstrahlt.

https://www.demokratiewebstatt.at/https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-wasser-marsch/interview/
gedruckt am: Donnerstag, 24. August 2017