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Mensch und Weltraum – Geschichte der Raumfahrt

Die Raketentechnik – ihre Anfänge

Der Traum der Reise zu den Sternen ist uralt, doch die Suche nach technischen Lösungen begann erst vor rund 100 Jahren. Das Prinzip der Raketentechnik war schon im Kaiserreich China bekannt und erreichte Europa zu Beginn der Neuzeit. Bis zum 20. Jahrhundert wurden Raketen zumeist als Waffen verwendet und erst ab 1900 für wissenschaftliche Zwecke interessant.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts befasste sich die Wissenschaft mit der Entwicklung einer Raketenform, die leistungsstark genug sein sollte, um die Erdatmosphäre verlassen und in den Kosmos reisen zu können.

Zweiter Weltkrieg – militärische Interessen

Während des Zweiten Weltkriegs wurden Raketen wieder für militärische Zwecke interessant. Wernher von Braun (1912–1977) arbeitete ab 1933 im nationalsozialistischen Deutschland intensiv an der Entwicklung einer Raketenwaffe. 1942 startete er erfolgreich die A4, die später als V2 („Vergeltungswaffe 2“) bekannt und als Kriegswaffe eingesetzt wurde. Sie erreichte bei den Flugversuchen eine Höhe von 184 km und war damit das erste von Menschen geschaffene Objekt im Weltraum. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 arbeitete er für die US-Army und infolge für die NASA.

Der Kalte Krieg – „Wettlauf zum Mond“

Während des so genannten „Kalten Krieges“ von 1947 bis 1989 gab es ein militärisches Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion (UdSSR). Die Raumfahrttechnologien wurden auf beiden Seiten ausgebaut, um den Weltraum mit Waffen und Überwachungssystemen strategisch für sich nutzen zu können.

Bei der Eroberung des Weltraums entwickelte sich hierbei ein richtiger „Wettlauf zum Mond“ zwischen den beiden Staatsmächten:

  • 1957 startete die UdSSR erfolgreich den ersten Satelliten Sputnik 1 und löste damit einen „Sputnik-Schock“ in der westlichen Welt aus: Die UdSSR war nun in der Lage, jedes Land der Erde mit einer Interkontinentalrakete zu erreichen.
  • 1957 wurde das erste Lebewesen, die Hündin Laika, von der UdSSR in die Erdumlaufbahn befördert.
  • 1958 wurde die NASA als staatliche Weltraumorganisation der USA gegründet
  • 1959 gelangte die sowjetische Sonde Lunik 2 als erstes Objekt aus Menschenhand auf den Mond.
  • 1961 umrundete Juri Gagarin als erster Mensch im Weltraum die Erde.
  • 1969 betrat der US-Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond im Zuge der Mission „Apollo 11“.
  • 1971 startete die UdSSR die erste Raumstation Saljut, um dauerhaft Menschen im All zu stationieren.
  • 1971 landet die sowjetische Sonde Mars 3 als erstes Raumfahrzeug auf dem Mars.
  • 1981 startete die USA das Space-Shuttle-Programm. Space-Shuttles wurden bis 2011 als wiederverwendbare Transportsysteme zwischen Erde und Weltraum eingesetzt.

Friedliche Tendenzen zur Nutzung des Weltraums

Bereits 1951 wurde die Internationale Astronautische Föderation (IAF) als Nichtregierungsorganisation von Eugen Sänger gegründet. Das Wettrüsten im Kalten Krieg machte deutlich, dass von der Weiterentwicklung der Raumfahrt eine militärische Gefahr ausging, die man verhindern wollte. So kam es 1967 zum Abschluss des Weltraumvertrags, der eine friedliche Nutzung des Weltraums sicherstellen sollte.

Mit dem Ende des Kalten Krieges und der Auflösung der Sowjetunion zeichnete sich ab 1989 auch eine Entmilitarisierung der beiden Supermächte USA und Russland ab. Die russische Raumstation Mir (russ. Frieden) widmete sich wissenschaftlichen Experimenten und war ab 1989 auch für AstronautInnen anderer Nationen geöffnet. Seit 1998 ist die Raumstation ISS (International Space Station) in Betrieb, als gemeinsames Projekt von NASA, ESA und den Raumfahrtagenturen Russlands, Kanadas und Japans. Auch die ISS ist nur für wissenschaftliche Zwecke gedacht.

Seit 2003 ist auch die Volksrepublik China mit dem Start des Raumschiffs Shenzhou 5 aktiv an der bemannten Raumfahrt beteiligt. Die erste chinesische Raumstation Tiangong 1 (chin. Himmlischer Palast 1) wurde 2011 in die Erdumlaufbahn gebracht.

Zur Zeit der Unterzeichnung des Weltraumvertrags 1967 waren es die USA und die UdSSR, die Raumfahrt betrieben. Heute sind elf Staaten sowie die ESA, aber auch einige Privatunternehmen und Einzelpersonen aktiv in der Raumfahrt tätig.

Raumstationen sind als selbstständige Forschungslabore mit angeschlossener Unterkunft für die Mannschaft (zum Wohnen, Freizeit etc.) speziell für Arbeit und Leben in Schwerelosigkeit eingerichtet. Sie bestehen generell aus einem Versuchslabor, einem Beobachtungsteil (Kameras, Teleskope etc.), dem Mannschaftsbereich, Lagerbereich, Andockteil (für Raumfahrzeuge), sowie den technischen Bereichen wie Antrieb zur Steuerung und Sonnensegel zur Energiegewinnung.

Technik aus dem All: Viele Dinge, die ursprünglich für die Arbeit und das Leben der RaumfahrerInnen in der Schwerelosigkeit entwickelt wurden, sind heute für uns im täglichen Leben bereits selbstverständlich geworden:

  • Akku-Bohrer/Akku-Schrauber
  • Handstaubsauger
  • Mikrowellen-Herd
  • Teflonbeschichtung von Pfannen
  • Wegwerfwindeln
  • Klettverschluss
  • Infrarot-Ohr-Fieberthermometer
  • Heizlüfter
  • … und natürlich: die Moonboots

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-wem-gehoert-der-weltraum/mensch-und-weltraum-geschichte-der-raumfahrt/
gedruckt am: Donnerstag, 19. Oktober 2017