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nachgefragt: Interview mit Sabrina Filzmoser

Die Judoka Sabrina Filzmoser wird bei den Olympischen Spielen in London für Österreich antreten.
Wir haben sie im Mai 2012 gefragt, wie sie sich auf dieses große Ereignis vorbereitet was sie sich von den Olympischen Spielen erwartet und wieso für sie der Spruch „Dabei sein ist alles“ nicht so ganz stimmt.

Wann hast du mit Judo begonnen und was gefällt dir an dieser Sportart?

Vor ca. 23 Jahren, da war ich acht Jahre alt, bei einem Schnupperkurs der Volksschüler.
Ich habe zu dieser Zeit viele verschiedene Sportarten gleichzeitig gemacht, aber am Judo gefiel mir anfangs gleich der „spielerische” Umgang. Der besondere Zugang, nämlich Körper und Geist gleichzeitig zu beanspruchen, die Disziplin und die Fairness beeindruckten mich.

Du bist bei den olympischen Spielen in London dabei, auf was freust du dich am meisten?

Auf meinen Wettkampftag, den 30.7.2012 ;-) Natürlich haben das gesamte Umfeld, die vielen tollen Sportler, die riesigen Wettkampfstätten, das Olympische Dorf und die vielen Fans etwas Magisches, etwas mit besonders viel Energie. Diese Ansammlung an höchster sportlicher Leistung, die es auf der Welt gibt, an einem einzigen Ort, das macht es zu einem ganz besonderen Ereignis.

Wie bereitest du dich auf Olympia vor?

Derzeit befinde ich mich auf Konditionstraining in der Ramsau am Dachstein. Anschließend geht es nach Japan. Dort gibt es im Judo die meisten und die besten TrainigspartnerInnen. Danach gibt es noch einen Testwettkampf, den Europacup in Prag.

Sind die olympischen Spiele ein Wettkampf wie jeder andere?

Der Wettkampf selbst sollte sich nicht wirklich von anderen Großereignissen wie eine EM oder eine WM unterscheiden, die Vorbereitung darauf ist intensiv und herausfordernd, wie immer.
Aber ich weiß, dass ich all die letzten Jahre während all der anderen Wettkämpfe viel Erfahrung gesammelt habe, die mir hoffentlich bei den Spielen in London helfen.

Das Motto der olympischen Spiele lautet „Dabei sein ist alles" – stimmt das für dich?

Absolut nicht! Ich weiß, die Qualifikation war nicht einfach, vieles musste zusammen passen. Es ist ein bisschen wie ein großes Puzzlespiel. Du darfst keine allzu schweren Verletzungen haben und du musst nach Niederlagen wieder schnell zurück in deinen Rhythmus finden.
Aber wenn du all das geschafft hast, dann willst du mehr als „nur“ dabei sein. Ich trainiere sehr hart und schon sehr lange für den Traum einer olympischen Medaille. Deshalb ist das auch mein Ziel.

Wer ist dein sportliches Vorbild?

Für mich gibt es nicht ein einziges Vorbild. Mich inspirieren sehr viele Menschen, da gibt es die „alten erfahrenen Hasen”, aber auch die jungen wilden, motivierten Athleten. Das ist nicht nur auf meine Sportart bezogen. Ich beobachte sehr gerne die Einstellung und den Trainingseifer, die persönliche Entwicklung oder die Hingabe und die Emotionen von anderen Sportlern aus anderen Sportarten.
Von der Lebenseinstellung von Toni Innauer, Felix Gottwald oder Gerlinde Kaltenbrunner konnte ich schon sehr viel für mich selbst lernen.

Auf deiner Homepage ist ein Plakat mit dem Titel „Ich kämpfe für Respekt und Toleranz". Was ist damit gemeint?

Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg, seine eigene Einstellung, jeder ist anders aufgewachsen, anders geprägt, erzogen oder inspiriert. Jeder Mensch und jeder Athlet ist lernfähig und ausbaufähig. Respekt und Toleranz sind die Grundvoraussetzung für einen gemeinsamen Umgang und ein gutes Miteinander – egal aus welchem Land du kommst, welche Hautfarbe du hast, welcher Religion oder was auch immer du angehörst.

Wirst du dir bei den olympischen Spielen auch andere Wettkämpfe ansehen und wenn ja welche?

Ja bestimmt, aber erst nach meinem Wettkampf. Am liebsten wären mir Sportarten in denen meine SportlerkollegInnen und Freunde am Start sind. Also Marathon, Kanu, Tischtennis, Schwimmen oder Beachvolleyball. Sehr gerne würde ich aber auch Turnen, Mountainbike oder Triathlon sehen, das hat mir in Peking schon sehr gefallen.
Zuerst konzentriere ich mich aber auf mich selbst, dann sehen wir weiter. 

Was machst du in der Woche nach Olympia und was sind deine Pläne für die Zukunft?

Vielleicht eine Bergtour oder eine Weltreise... aber für direkt danach habe ich noch keine fixen Pläne.
Ich habe den Privatpilotenschein und würde sehr gerne weitermachen mit Instrumentenausbildung und Berufspilotenschein. Meine Masterthesis im Studienzweig „MBA Japan” steht auch noch aus.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-der-olympische-gedanke/nachgefragt-interview-mit-einer-olympionikin/
gedruckt am: Freitag, 20. Oktober 2017