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Interview mit Eduard Trampusch vom Österreichischen Roten Kreuz

Eduard Trampusch © Österreichisches Rotes Kreuz / Linus Horváth

Eduard Trampusch ist Teamleiter im Bereich Internationale Zusammenarbeit beim Österreichischen Roten Kreuz. Er studierte Slowenisch und Russisch an der Universität Graz. Nach seinem Studium war er als Projektleiter für unterschiedliche NGOs tätig, seit 2008 arbeitet er beim Roten Kreuz. Er betreut u.a. Projekte in den Schwerpunktländern Georgien und Armenien.
Wir haben ihn im August 2015 zum Thema Entwicklungszusammenarbeit interviewt.

Was ist die internationale Zusammenarbeit des ÖRK und welche Ziele verfolgt sie?

Grundsätzlich versuchen wir Menschen zu unterstützen, die aufgrund von Armut oder Katastrophen in Notlagen geraten sind. Wir versuchen sowohl kurzfristige Hilfe als auch langfristige Arbeit zu leisten. Unsere Schwerpunktregionen sind der Südkaukasus, Südost- und Osteuropa sowie Ostafrika. In der längerfristigen Arbeit versuchen wir in Europa vor allem die Hauskrankenpflege zu entwickeln, z.B. in Mazedonien, Montenegro und Weißrussland. Es geht darum, dass wir unsere Partnergesellschaften, d.h. das lokale Rote Kreuz, in Richtung „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützen. Wir versuchen die Erfahrungen, die wir in Österreich machen, und das Knowhow mit unseren Partnern weiterzuentwickeln.

Wo kann denn das ÖRK von seinen Projektpartnern lernen? Ist das ein beidseitiges Lernen?

Ja, auf alle Fälle, beispielsweise bei der Flüchtlingsarbeit in Armenien. Armenien erteilt allen armenisch-stämmigen Flüchtlingen aus Syrien automatisch eine Aufenthaltsbewilligung und eine Arbeitsbewilligung. Zum Beispiel gibt es ein Projekt zur Integration von Flüchtlingen in Schule und Arbeitsmarkt. Da haben wir gesehen, wie unsere armenischen Kollegen das Projekt von einem reinen Nothilfe-Projekt in Richtung Integration weiterentwickelt haben. Ein zweites Beispiel, von dem wir lernen können, ist die hohe Zahl von Jugendlichen im Südkaukasus und Osteuropa, die sich ehrenamtlich engagieren.

Wie schwierig ist es, finanzielle Förderungen für Projekte zu bekommen?

Unsere Auslandsprojekte, vor allem in Katastrophenfällen, hängen sehr stark von Spenden ab. Wir sind aber auch bestrebt, dass wir institutionelle Mittel bekommen. Die Hauptunterstützung bekommen wir von der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, die EU ist auch ein wichtiger institutioneller Fördergeber. Immer wichtiger werden auch private Stiftungen.

Wie beurteilen Sie die österreichische Entwicklungszusammenarbeit?

Die österreichische Entwicklungszusammenarbeit ist für uns ein wichtiger Partner, weil sie ihre Hilfe in gewissen Regionen, zu bestimmten Schwerpunkten, bündelt. Dort gibt es für uns Überschneidungen und es ist immer gut, wenn man gemeinsame Ziele verfolgen kann. Aber es sind unsere Programme, die wir gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort entwickeln. Manche Projekte wären ohne die Unterstützung der österreichischen EZA gar nicht möglich.

Was waren die schönsten Momente, die sie in der Entwicklungszusammenarbeit bisher erlebt haben?

Die schönsten Momente sind immer, wenn man sieht, mit wie viel Begeisterung die jungen Menschen in unseren Schwerpunktländern arbeiten. In Armenien gibt es viele junge StudentInnen, SchülerInnen und Schüler mit 17-19 Jahren, die sich für 1-2 Tage in der Woche Zeit nehmen, um alte Menschen zu besuchen. Sie kochen für sie, machen die Wohnung sauber und erledigen kleine tägliche Verrichtungen, und sehen das als selbstverständlich an – das ist schön mitanzusehen. Diese Beziehungen zwischen Generationen sind etwas, das vielleicht bei uns in Österreich ein wenig verloren gegangen sind. Ich habe das Engagement dieser jungen Menschen als sehr bereichernd empfunden. Sie sind Hoffnungsträger und tragen schon jetzt ungeheuer viel zu einer positiven Entwicklung in ihren Heimatländern bei.

Vielen Dank für das Interview!

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gedruckt am: Freitag, 18. August 2017