DemokratieWEBstatt.at

Die Macht der Sprache

Wordcloud Sprache © Parlamentsdirektion / Kinderbüro Universität Wien

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, sagt Paul Watzlawick (ein österreichischer Kommunikationswissenschaftler, Philosoph und Psychoanalytiker). Selbst dann, wenn wir nichts sagen, drücken wir doch über Körperhaltung, Gesichtsausdruck und Bewegungen aus, wie es uns geht, ob wir gerade konzentriert oder entspannt, fröhlich oder ernst, gut ausgeschlafen oder müde sind.

Mit Hilfe von Sprache klappt dies jedoch noch genauer (Bsp.: „ein bisschen müde“ oder „hundemüde“?), und Menschen können damit sogar dann Informationen austauschen, wenn sie weit voneinander entfernt sind oder keinen Blickkontakt haben.

Wann genau die Menschen angefangen haben, mit Hilfe von Worten miteinander zu sprechen, ist bis heute in der Wissenschaft umstritten. Tatsache ist: Sprache ist enorm wichtig für uns.

Bedeutsam und persönlich

Mit Sprache können wir die Welt nicht nur beschreiben, sondern auch ein wenig verändern oder „erschaffen“. Was wir sagen und wie wir etwas sagen, ist nicht gleichgültig! Ob wir jemanden als „Opi“, Grufti“ oder „älteren Herrn“ bezeichnen, macht einen Unterschied, und die Wort-Wahl gibt schon einen Hinweis darauf, wie wir über ältere Menschen denken.

Weil Sprache so bedeutsam ist, „ringen wir manchmal um Worte“ und sind hin und wieder vor Freude, Wut oder Entsetzen einfach „sprachlos“.

Sprache hilft uns dabei, unsere eigene, ganz persönliche Sicht der Dinge auszudrücken, und anderen unsere Gedanken und Gefühle mit-zu-teilen. Sprache ist Teil unserer Persönlichkeit.

Was heißt das: „Sprache ist Teil unserer Persönlichkeit?“

Stell dir vor, dein bester Freund oder deine beste Freundin und du beschreibt genau dasselbe Bild, dann werdet ihr wahrscheinlich nicht genau dieselben Worte dafür benutzen – einfach, weil ihr (trotz aller Gemeinsamkeiten) zwei unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Eigenschaften, Erfahrungen, Gedanken, Wünschen und Gefühlen seid.

Vielfältig

Sprache ist unglaublich vielfältig und kann sehr kreativ verwendet werden: Du kannst zum Beispiel neue Wörter erfinden, dir witzige Wortspiele ausdenken, in einem Referat wichtige Tatsachen zusammenfassen, in einem Gedicht poetische Ausdrücke gebrauchen, mit „Babysprache“ versuchen, das Geschwisterchen zum Lachen zu bringen ... Je nachdem, in welchem Zusammenhang man Sprache braucht, kann sie sich stark „verwandeln“.

Sprache ist natürlich auch deshalb so vielfältig, weil es eine Unzahl an verschiedenen Sprachen gibt!

Von A-Pucikwar bis Zuni

Wie viele Sprachen sprichst du? Wie viele kennst du? Hast du schon mal von der Sprache „A-Pucikwar“ oder von „Zuni“ gehört? 

Die Vielfalt der Sprachen weltweit ist beeindruckend! Ganz genau weiß niemand, wie viele Sprachen es weltweit gibt. Man schätzt aber, dass die Menschen in circa 7.000 Sprachen und unzähligen Dialekten über das Wetter reden oder Pläne für die Zukunft des Planeten schmieden können!

Von den circa 7.000 Sprachen werden aber nicht alle gleichermaßen verwendet. Wenn du z.B. eine Unterkunft auf den Fidschi-Inseln buchen willst, so wirst du das wahrscheinlich auf Englisch machen. Dass Englisch mittlerweile zur „Weltsprache“ geworden ist, hat viele Vorteile. Übrigens ist Englisch aber nicht die meistgesprochene Sprache der Welt! (s. Grafik unten)

Etwa die Hälfte der Menschen weltweit sprechen eine von nur 19 Sprachen. Das heißt, der Rest der 7.000 Sprachen hat nicht so viele SprecherInnen und teilt sich auf die andere Hälfte der Menschen auf.

  • Fakten zur Sprachenvielfalt

    Sprachen mit vielen Vokalen oder vielen Konsonanten, mit sinngebender Sprachmelodie oder unterschiedlichen Sprachfamilien: Die 7.000 Sprachen bieten einige Besonderheiten.

  • Meistgesprochenste Sprachen weltweit

    Weltweit sprechen am meisten Menschen Chinesisch, die deutsche Sprachgruppe ist verhältnismäßig klein.

Gefährdet

Dass einige Sprachen so viel „mächtiger“ sind als andere, hat auch negative Seiten. Zahlreiche Sprachen sind gefährdet, denn sie werden vielleicht bald schon von niemandem mehr gesprochen und werden dann für immer verschwunden sein.

„Na ja, eigentlich braucht es ja gar nicht so viele Sprachen!“

Jede Sprache ist etwas ganz Besonderes. In jeder Sprache ist viel Wissen enthalten und die besondere Denkweise der Menschen, die sie sprechen. Verschwindet eine Sprache, dann verschwindet mit ihr auch dieses Wissen und die Art, die Welt zu sehen und zu beschreiben.

In verschiedenen Sprachen kann man Unterschiedliches besonders gut ausdrücken. Falls du mehrere Sprachen sprichst, wechselst du vielleicht von einer deiner Sprachen in eine andere, wenn du gerade besonders wütend oder begeistert bist, oder wenn du einen „Spezialausdruck“ brauchst, den man eigentlich nicht so richtig übersetzen kann.

Nachgefragt: Warum lässt sich so schwer sagen, wie viele Sprachen es weltweit gibt?

Beim Zählen der Sprachen der Welt kommt man zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Ein Grund dafür ist, dass die Grenze zwischen Dialekt und eigener Sprache nicht immer eindeutig ist.
Außerdem werden manche Sprachen aus politischen Gründen als verschiedene Sprachen betrachtet, obwohl sie sprachwissenschaftlich eindeutig nur eine Sprache sind. Zum Beispiel gelten das Serbische, Kroatische, Montenegrinische und Bosnische als vier verschiedene Sprachen – für SprachwissenschafterInnen handelt es sich dabei aber eigentlich um eine einzige Sprache, nämlich Serbokroatisch.
Nicht zuletzt werden auch heute noch neue Sprachen entdeckt, andere Sprachen verändern sich stark, und wiederum andere Sprachen sterben aus.

„Fachchinesisch“ und Geheimsprachen

„Glukokortikoide beeinflussen fast alle Zellen und Organe des menschlichen Organismus. Ihre Wirkung wird intrazellulär über spezielle Glukokortikoid-Rezeptoren (GR) im Zytoplasma vermittelt.“

Wie bitte??

Wenn du schon mal MedizinerInnen, JuristInnen oder EDV-TechnikerInnen oder anderen Fachleuten zugehört hast, die miteinander etwas diskutieren, dann hast du vielleicht daran gezweifelt, dass das wirklich Deutsch sein kann. Fachsprachen sind für Außenstehende oft gar nicht verständlich – für die Fachleute allerdings (meistens) einfacher und eindeutiger als die Alltagssprache.

Auch bei den Gesetzestexten beispielsweise wird eine Fachsprache, die juristische Fachsprache, verwendet.

Nicht nur Fachleute, auch andere Gruppen verwenden manchmal eine eigene Sprache. Auch Jugendsprache wäre ein Beispiel dafür – viele Erwachsene verstehen dabei ebenso viel oder wenig wie bei dem obigen Beispiel aus der medizinischen Fachsprache.

Indem man so eine bestimmte Sprache verwendet, kann man jemanden ganz bewusst ein- oder ausschließen. Sprache dient also nicht nur zur Verständigung, sondern manchmal auch zur Abgrenzung. Eine Sprache zu können, nennt man auch „eine Sprache beherrschen“ oder einer Sprache „mächtig sein“. Sprache hat also auch mit Macht zu tun.

https://www.demokratiewebstatt.at/https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-sprachen-und-demokratie/die-macht-der-sprache/
gedruckt am: Samstag, 24. Juni 2017