Gebäude sind wie Bücher, die viel zu erzählen haben. Aussehen, Form und verwendete Materialien geben Auskunft über unsere Gesellschaft. Ihre Bauweise ist geprägt von der Zeit in der die Bauten entstanden sind. Klima, Landschaft, Menschen, Staatsformen und Ideologien haben Einfluss darauf, wie Bauten gestaltet sind. Burgen und Festungen prägten das Mittelalter, Schlösser und Palais waren bei ihrer Errichtung Zeichen einer monarchischen Herrschaftsform.
Baukultur in Österreich

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Traditionelle Bauformen aus der Vergangenheit kennzeichnen noch heute ganze Regionen: etwa der Holzblockbau vieler Bauernhöfe im Tiroler Unterland, die Steinbloßhäuser mit ihren dunklen Granitsteinen im Mühlviertel oder die langgezogenen Streckhöfe im Burgenland. Viele Bauwerke sind Wahrzeichen für eine Stadt, wie der Stephansdom in Wien oder das Goldene Dachl in Innsbruck. Historische Bauten sind außerdem wichtige Sehenswürdigkeiten, die von vielen Menschen besucht werden.

Steinbloßhaus im Mühlviertel, © Wikimedia /Haeferl_CC BY-SA 4.0

Auf den Punkt gebracht: Denkmalschutz und Denkmalpflege in Österreich
Was verbindet das Hundertwasserhaus in Wien, das Kulturzentrum Mattersburg, den Martinsturm in Bregenz und die Römerstadt Carnuntum? Sie alle stehen unter Denkmalschutz. Zuständig dafür ist das Bundesdenkmalamt. Es legt fest, welche Bauwerke bewahrt und geschützt werden sollen. Sie dokumentieren, beraten und fördern die Denkmalpflege in Österreich. Steht ein Gebäude unter Denkmalschutz sind damit verschiedene Pflichten verbunden, um sicherzustellen, dass das Gebäude möglichst gut erhalten bleibt. Fast 40.000 Bauten, Ruinen und Areale sind in Österreich als Denkmäler eingestuft.
Baukunst und Architektur

Grazer Landhaus
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Bauten geben auch Einblick in vergangene Stilepochen: Den gotischen Baustil findest du in der Altstadt von Steyr. Auch der Stephansdom – 1433 fertiggestellt - wurde in diesem mittelalterlichen Stil gebaut. Das Grazer Landhaus wurde fast hundert Jahre später errichtet und zählt zur Renaissance. Den opulenten Stil des Barocks kann man beim Stift Melk entdecken und Jugendstilbauten wie die Wiener Secession prägten die Zeit um 1900.

Wiener Secession
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Viele Gebäude sind mit berühmten Namen von Architektinnen und Architekten verknüpft. Architektur beschreibt die Kunst, Bauwerke zu entwerfen, zu planen und zu bauen. Manchmal wurden Architektinnen und Architekten bei der Errichtung ihrer Bauten kritisiert und ihre innovative Arbeit erst viel später gewürdigt. Die Wiener Secession wurde als „goldenes Krauthappel“ verspottet, das Looshaus als „Haus ohne Augenbrauen“ bezeichnet. Die Architektur entwickelt sich ständig weiter und ist manchmal ihrer Zeit voraus. In Österreich sind heute noch viele bedeutende Architekturbüros beheimatet, deren Arbeiten international ausgezeichnet werden.
Berühmte Architektinnen und Architekten aus Österreich

Theophil Hansen
Zitat: Parlamentsgebäude als „neue Monumente“
Viele Gebäude der Wiener Ringstraße sind von Theophil Hansen entworfen. Sein ganzer Stolz war das Parlamentsgebäude. Hansen gilt als wichtiger Vertreter des Historismus. Dieser Baustil greift auf vergangene Stilepochen wie etwa die griechische Antike zurück.
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Otto Wagner
Zitat: „Notwendigkeit ist die einzige Meisterin der Kunst“
Wer in Wien mit der U-Bahn fährt, ist mit Otto Wagners Bauweise vertraut. Entlang der U6 und der U4 finden sich zahlreiche Stationsgebäude, die von diesem wichtigen Vertreter der Wiener Moderne entworfen wurden. Auch viele Kirchen, Geschäftshäuser und Wohnbauten zählen zu seinen Werken.
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Clemens Holzmeister
Zitat: „Was man denkt, das zeichnet man“
Das Große Festspielhaus in Salzburg, das Funkhaus in Wien oder die Feuerhalle in Simmering wurden von Clemens Holzmeister entworfen. Er galt als Vermittler zwischen Tradition und Moderne, der über 650 Bauwerke im In- und Ausland baute.
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Margarete Schütte-Lihotzky
Zitat: „Räume wirken, bewusst oder unbewusst, ständig auf das Lebensgefühl der Menschen ein.
Reihenhäuser, Gemeindebauten, Einbauküchen: Sie war Architekturpionierin. Ihre Entwürfe orientierten sich an die Bedürfnisse der Menschen. Sie sollten bezahlbar, schön und gut verwendbar sein. Frauen hatten es lange Zeit nicht leicht als Architektinnen zu arbeiten. Aufgrund ihres Geschlechts wurden auch ihr Aufträge verweigert.
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Friedensreich Hundertwasser
Zitat: „Es müsste Allgemeingut werden, der Natur den Platz, den man ihr durch die Grundfläche des Hauses entzieht, auf dem Dach wiederzugeben.“
Starre Raster und gerade Linien waren ihm immer suspekt. Stattdessen sollten seine Bauwerke bunt, fröhlich und mit der Natur verbunden sein. Auf dem Dach des Hundertwasserhauses in Wien wachsen Bäume und Wiesen, die Müllverbrennungsanlage in Spittelau ist bunt bemalt.
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Hans Hollein
Zitat: „Alles ist Architektur“
Das Haas-Haus vis-à-vis vom Stephansdom und der Eingangsbereich der Albertina in Wien oder das Musem für moderne Kunst in Frankfurt: Die Arbeiten des Wiener Architekten Hans Hollein sind ein echter Blickfang und spielen mit Kontrasten aus Vergangenheit und Gegenwart.
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Nachgefragt: ist Architektur männlich?
Architektur war lange Zeit Männern vorbehalten. Pionierinnen wie Margarete Schütte-Lihotzky in Österreich oder Eileen Gray aus Irland wurde es nicht leicht gemacht, Architektur zu studieren und als Architektin zu arbeiten. Man verweigerte ihnen Aufträge oder nahm ihre Arbeit nicht ernst. Zum Glück ist es heute für Frauen leichter, ihren Beruf als Architektin auszuüben, doch noch immer gilt es, Hürden zu überwinden. Die vielfach preisgekrönte Architektin Zaha Hadid (1950-2016), deren Bauten auch in Österreich zu bewundern sind, meinte dazu: „Als Frau in der Architektur ist man immer eine Außenseiterin“.
