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Wer leistete Widerstand?

Widerstand in verschiedener Form gab es nicht nur in Deutschland, sondern auch in jenen Ländern, die von den Deutschen im Laufe des Zweiten Weltkrieges besetzt wurden.
Ein Unterschied lag hier darin, dass die GegnerInnen des Nationalsozialismus in Deutschland von vielen begeisterten AnhängerInnen des Nationalsozialismus umgeben waren. Ähnlich war es in Österreich, da die Annexion 1938 von einem großen Teil der Bevölkerung begrüßt wurde. Andere Menschen wollten zunächst abwarten, wie sich die Lage entwickeln würde.

Der Nachweis, dass Österreich Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime geleistet hatte, war insbesondere auch für die Wiedererrichtung eines unabhängigen Österreich wichtig.

In den besetzten Ländern hingegen gab es in der Bevölkerung von vornherein mehr Unterstützung für die GegnerInnen der deutschen Besatzer.

Auch aus dem Exil heraus riefen einige Persönlichkeiten, die emigriert waren, zu Widerstand auf (z.B. der Schriftsteller Thomas Mann in den USA oder der französische General Charles de Gaullein Großbritannien)

„Gerechte unter den Völkern“

1953 wurde im israelischem Parlament ein Gesetz beschlossen: Die Leistungen von Nichtjüdinnen und Nichtjuden, die Jüdinnen und Juden während des Zweiten Weltkrieges geholfen hatten, sollten anerkannt werden. Den HelferInnen erhalten den Ehrentitel „Die Gerechten unter den Völkern der Welt“, Urkunden und Medaillen werden verliehen.

Organsierter Widerstand

Von Beginn an gab es geheimen Widerstand gegen den das NS-Regime, an dem viele KommunistInnen, SozialistInnen und KatholikInnen beteiligt waren.
Eine der heute wohl bekanntesten Widerstandsgruppen war die „Weiße Rose“. Sie wurde 1942 von den Geschwistern Hans und Sophie Scholl gegründet (damals 24 bzw. 21 Jahre alt). Die Gruppe war vorwiegend in Süddeutschland aktiv. Die Mitglieder produzierten und verteilten Flugblätter, in denen sie zum Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime aufriefen. Die Geschwister Scholl wurden 1943 verurteilt und hingerichtet.

Widerstandsgruppen in den von Deutschland besetzten Ländern verübten Anschläge auf deutsche Rüstungsfabriken sowie Militärlastwagen und -züge. Sie suchten nach Verstecken für Verfolgte oder versuchten, die Deportationen zu verhindern, etwa indem sie Gleise blockierten und Züge entgleisen ließen. ZwangsarbeiterInnen in der deutschen Rüstungsindustrie verübten kleine Sabotageakte, um die Kriegsproduktion zu behindern. Schon der kleinste Verdacht, dass Widerstand geleistet wurde, konnte drastische Folgen bis hin zurTodesstrafe haben.

PartisanInnen, die in kleineren oder größeren Gruppen in Wäldern versteckt lebten, kämpften von dort aus gegen die deutschen Truppen. Manche von ihnen waren aus den Ghettos in die umliegenden Wälder geflohen. Große Partisanenbewegungen gab es in Jugoslawien und den besetzten Gebieten der Sowjetunion, vor allem in Weißrussland (Belarus), wo auch Gruppen jüdischer PartisanInnen aktiv waren.

Widerstand in den Ghettos, in Konzentrations- und Vernichtungslagern

Im Warschauer Ghetto kam es am 19. April 1943 zum größten organisierten Aufstand von jüdischen WiderstandkämpferInnen gegen die deutsche Vernichtungspolitik, er dauerte bis 16. Mai. Dochauch in zahlreichen anderen Ghettos kam es zu Revolten. Selbst in den Konzentrationslagern und in den Vernichtungslagern wagten die Häftlinge Widerstand gegen die BewacherInnen.

Jüdische Freiwillige in Armeen der Alliierten

Tausende Jüdinnen und Juden, die vor Krieg ausgewandert waren (u.a. nach Palästina, Großbritannien, Kanada, USA, Südafrika) kämpften in den Armeen der Alliierten. In der britischen Armee beispielsweise diente eine eigens aufgestellte „Jüdischen Brigade“. Neben den jüdischen Soldaten arbeiteten Jüdinnen und Juden auch als ÄrztInnen und Krankenschwestern auf alliierter Seite in den Kriegsgebieten.

Regierungen, die nicht kooperierten

Einige Länder in Europa weigerten sich, mit NS-Deutschland zu kooperieren und die jüdischen MitbürgerInnen in ihrem Land auszuliefern. Zu diesen Ländern zählen z.B. Finnland, Bulgarien, Dänemark und zeitweise auch Ungarn. Der dänische König Christian X. sorgte zum Beispiel dafür, dass ein Großteil der jüdischen Bevölkerung (über 7000 Menschen) das Land am Vorabend ihrer Deportation Richtung Schweden verlassen konnte.

Widerstand innerhalb der Militärs

Ab 1943, im Zuge der „Kriegswende“, verstärkte sich innerhalb der deutschen Wehrmacht der Widerstand gegen Hitler und seine Kriegspolitik. Im Juli 1944 schließlich kam es zum „Stauffenberg-Attentat“ auf Adolf Hitler, welches jedoch misslang und die Verhaftung und Ermordung zahlreicher RegimekritikerInnen zur Folge hatte.

ZivilistInnen als RetterInnen

Viele ZivilistInnen wehrten sich nicht mit Waffen gegen das NS-Regime. Indem sie aber einzelnen Menschen oder ganzen Gruppen von Verfolgten halfen, trugen sie ebenso zum Widerstand bei. So stellte der schwedische Diplomat Raoul Wallenberg in Budapest unter anderem einer großen Zahl verfolgter Jüdinnen und Juden „Schutzpässe“ aus, die sie vor Deportation bewahrten, und brachte sie in sicheren Häusern unter.

Versteckte Kinder

Im Holocaust wurden eineinhalb Millionen jüdische Kinder ermordet, 20.000-30.000 überlebten als „versteckte Kinder“, vor allem in Polen und Frankreich. Die Eltern dieser Kinder hatten Familien (oder christliche Institutionen, etwa Klöster) gefunden, welche ihre Kinder aufnahmen. Manche der „versteckten Kinder“ lebten in Wäldern oder Scheunen und wurden von den HelferInnen z.B. mit Nahrung versorgt.

Manche lebten direkt in den Familien und wurden (zumindest offiziell) christlich erzogen. Ihre wahre Herkunft blieb geheim. Sie selbst erfuhren das oft erst Jahre später, in manchen Fällen gar nicht.

 

Nachgefragt: Aufstand im Warschauer Ghetto

Am 19. April 1943 begannen die jüdischen BewohnerInnen des Warschauer Ghettos, das aufgelöst werden sollte, einen bewaffneten Aufstand gegen die SS-Truppen, um die Deportationen zu stoppen. Dieser Widerstandskampf dauerte 27 Tage. Die Chancen waren sehr ungleich verteilt, da die Ghetto-BewohnerInnen entkräftet und schlecht bewaffnet waren. Die NationalsozialistInnen schlugen den Widerstand nieder und sprengten das Ghetto. Die Überlebenden wurden in die Vernichtungslager Treblinka und Majdanek sowie in verschiedene Zwangsarbeitslager gebracht.

Schutz von ZwangsarbeiterInnen

Einigen UnternehmerInnen, die in ihren Fabriken jüdische ZwangsarbeiterInnen beschäftigten, gelang es, „ihre“ ArbeiterInnen vor Deportation zu schützen.

So rettete etwaOskar Schindler, der Besitzer einer Fabrik neben dem Krakauer Ghetto, gemeinsam mit seiner Frau Emilie rund 1200 Juden und Jüdinnen vor der Deportation.

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gedruckt am: Donnerstag, 9. Jänner 2020