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Helfen/Wir/Zusammen: Freiwilligenarbeit in Österreich

Dem Nachbarn die Einkaufstaschen tragen, auf den Hund der Freundin aufpassen, wenn sie auf Urlaub ist, bei der Feuerwehr im Ort tätig sein, beim jährlichen Blasmusikfest in der Gemeinde die Trompete spielen … Freiwillige Tätigkeiten sind vielfältig! Es gibt ganz verschiedene Möglichkeiten zu helfen und füreinander da zu sein. In Österreich engagieren sich sehr viele Menschen ehrenamtlich und arbeiten als Freiwillige bei der Feuerwehr, der Rettung oder bei karitativen Einrichtungen. Seit 2012 ist in Österreich das Bundesgesetz zur Förderung von freiwilligem Engagement (Freiwilligengesetz) in Kraft. Es unterstützt und fördert die Freiwilligenarbeit in Österreich. Dabei werden zwei Formen der freiwilligen Tätigkeit unterschieden.

  • Informelle freiwillige Tätigkeiten

Darunter fallen alle privaten und unbezahlten Hilfestellungen, wie etwa die Nachbarschaftshilfe oder die Hilfe und Unterstützung von Verwandten und im Freundeskreis.

Das heißt, wenn du jemandem zu Hause hilfst und dafür kein Geld bekommst, so ist das eine „informelle freiwillige Tätigkeit“. Beispiele wären, wenn du in deiner Nachbarschaft die Meerschweinchen versorgst und die Blumen gießt, während die NachbarInnen auf Urlaub sind. Oder wenn jemand für die Oma, die alleine nicht mehr so gut zurechtkommt, kocht oder putzt.

  • Formelle freiwillige Tätigkeiten

Das sind freiwillige und vorwiegend unentgeltliche Leistungen in einem Verein oder in einer gemeinnützigen Organisation zum Wohle der Allgemeinheit oder aus sozialen Motiven.

Hat es zum Beispiel bei euch schon mal gebrannt? Oder hattet ihr ein Hochwasser? Dann ist bestimmt die Sirene angegangen und innerhalb kurzer Zeit war die Feuerwehr vor Ort, um zu helfen. Oder ist dein Nachbar vielleicht der Fußballtrainer der Nachwuchsmannschaft in deinem Ort, und er macht das „einfach so“, weil es ihm Spaß macht?
All diese Tätigkeiten gehören in die Kategorie „formelle freiwillige Tätigkeit“.

Fast die Hälfte aller über 15-jährigen ÖsterreicherInnen leistet formelle und/oder informelle Arbeit für die Gesellschaft, das sind rund 3 Millionen Menschen! Davon sind fast 2 Millionen Menschen in Vereinen oder Organisationen tätig. Hier sind es vor allem die Bereiche „Kunst und Kultur“ sowie „Sport“, häufig wird auch in der Katastrophenhilfe oder bei karitativen Einrichtungen gearbeitet. Auch der Zivildienst (das ist der Wehrersatzdienst für junge Männer ab 18 Jahren) kann bei einer gemeinnützigen Organisation, zum Beispiel beim Rettungsdienst, erfolgen.

Freiwillige in Österreich

2020

  • 1,9 Millionen ÖsterreicherInnen engagieren sich in Vereinen, Organisationen (formelle Freiwilligentätigkeit)
  • 1,9 Millionen ÖsterreicherInnen engagieren sich im privaten Bereich (informelle Freiwilligentätigkeit
  • 800000 Menschen sind sowohl im informellen wie im formellen Bereich tätig

Nachgefragt: Was bedeutet Gemeinnützigkeit?

Kommt etwas vielen Menschen zugute, spricht man von Gemeinnützigkeit. Ist ein Verein oder eine Organisation gemeinnützig tätig, dann bedeutet das, sie kümmert sich uneigennützig um andere. Das kann zum Beispiel ein Sportverein sein, ein Verein im Bildungs- oder im Kulturbereich, oder auch in karitativen oder humanitären Hilfsprojekten, die notleidende Menschen versorgen. Ein gemeinnütziger Verein oder eine gemeinnützige Organisation darf nicht eigennützig handeln und nicht das Ziel haben, finanziellen Gewinn zu machen, also Geld zu verdienen.

Ehrenamtliches Engagement

Freiwillige Tätigkeiten zum Wohle der Gesellschaft werden auch „Ehrenamt“ oder „ehrenamtliches Engagement“ genannt. Damit ist gemeint, dass diese Tätigkeiten in einem organisierten Rahmen, zum Beispiel in einem Verein geleistet werden. Sie werden unentgeltlich (ohne Bezahlung) und freiwillig geleistet und kommen anderen zugute. Solche Beschäftigungen sind vor allem im sozialen, kulturellen und infrastrukturellen Bereich zu finden. Wer zum Beispiel bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig ist, engagiert sich ehrenamtlich.

Helfen kann jeder und jede, egal wie alt er oder sie ist. Hat sich deine Klasse schon einmal an einer Müllsammelaktion beteiligt? Oder hast du schon mal als Schülerlotse ausgeholfen? Auch alte Menschen sind oft sehr engagiert und unterstützen die Jüngeren mit ihrer Erfahrung.

Zukunftschancen und Herausforderungen ehrenamtlicher Tätigkeiten heute und morgen.

Österreich ist ein Land der Freiwilligen. Ob im Rettungsdienst, beim Kulturverein oder in der Nachbarschaftshilfe, durchschnittlich sind Freiwillige in Österreich fast 4 Stunden pro Woche als Freiwillige im Einsatz. Ehrenamtlichen Tätigkeiten sind ein wichtiges Zeichen des Zusammenhalts einer Gesellschaft. Damit die Begeisterung und die Anerkennung freiwilligen Engagements auch in Zukunft erhalten bleiben, stellt das Österreichische Parlament das Jahr 2021 das Ehrenamt in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Auf www.crowdsourcing-oesterreich.gv.at können Ehrenamtliche und Interessierte mithelfen, durch Vorschläge und Ideen Rahmenbedingungen für das Ehrenamt zu verbessern und die Zukunft der Freiwilligen zu sichern.
Im Demokratiequartier am Wiener Heldenplatz gibt es seit Mai 2021 eine Ausstellung, die sich dem Thema „Ehrenamt“ widmet.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/lebensbereiche/thema-solidaritaet-und-zivilcourage/helfen/wir/zusammen-freiwilligenarbeit-in-oesterreich
gedruckt am: Donnerstag, 16. September 2021