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Konzentrations- und Vernichtungslager in Österreich und Europa

Eine zentrale Rolle im Holocaust nehmen die Konzentrations- und Vernichtungslager ein, die während des Nationalsozialismus im nationalsozialistischen Deutschen Reich und den besetzten Gebieten Osteuropas errichtet wurden. 

Konzentrationslager

In den Konzentrationslagern wurden politische GegnerInnen und Menschen eingesperrt, die aus religiösen, rassistischen und sozialen Gründen verfolgt wurden. Sie starben meist an Hunger, durch Misshandlungen und Krankheiten bzw. wurden unmittelbar ermordet.

Das Konzentrationslager Mauthausen in Oberösterreich galt als Lager mit den härtesten Haftbedingungen. Diesen Bedingungen sowie gezielten Mordaktionen fielen bis 1945 mindestens 90.000 der insgesamt dort eingesperrten 190.000 Häftlinge zum Opfer.
In den Konzentrationslagern waren neben politischen Gegnern und Gegnerinnen des NS-Regimes, Jüdinnen und Juden, Roma und Sinti, als „asozial“ verfolgte Menschen, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, aber auch Menschen aus den besetzten Gebieten Europas inhaftiert, wobei sowjetische Gefangene besonders schlecht behandelt wurden.

Die Lager wurden streng bewacht, zumeist von Einheiten der SS.

Bereits 1933 bauten die NationalsozialistInnen das erste Konzentrationslager (KZ) in Dachau (nahe München). Die ersten Häftlinge in Dachau waren politische GegnerInnen des NS-Regimes, später kamen als angeblich „asozial“ verfolgte Menschen, Roma und Sinti sowie Jüdinnen und Juden hinzu. Nach dem „Anschluss“ wurden auch zahlreiche ÖsterreicherInnen in Dachau inhaftiert, bereits am 1. April 1938 ging der erste Transport aus Wien mit 150 Häftlingen dorthin. Darin waren Vertreter des austrofaschistischen Regimes ebenso wie KommunistInnen, SozialdemokratInnen und Jüdinnen und Juden.

Der Aufbau des Lagers Dachau mit seinen Haupt- und Außenlagern wurde zum Muster für später gebaute Konzentrationslager. Im KZ Dachau wurden außerdem bereits 1933 Männer der SS für die Arbeit in den Konzentrationslagern ausgebildet.

Steinbruchstiege („Todesstiege“) an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen © ÖNB Blaha
Im Draukraftwerk Schwabegg bei Lavamünd mussten Wiener Juden Zwangsarbeit leisten. © ÖNB

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreichen Konzentrationslager vor allem in den besetzten Gebieten Osteuropas errichtet. In Ravensbrück (Deutschland) wurde ein Konzentrationslager für weibliche Häftlinge errichtet, dort waren auch zahlreiche Österreicherinnen inhaftiert, wie beispielsweise die spätere sozialdemokratische Nationalratsabgeordnete Rosa Jochmann. In Westeuropa dienten Lager vor allem der Sammlung der zur Deportation bestimmten Jüdinnen und Juden, wie zum Beispiel im französischen Drancy oder in Mechelen (Belgien). Angeblich „asoziale“ Jugendliche wurden verfolgt und in „Jugendschutzlagern“ inhaftiert, angeblich arbeitsscheue Menschen in sogenannten „Arbeitserziehungslagern“. Roma und Sinti wurden auch in Österreich in eigenen Lagern angehalten und zur Zwangsarbeit gezwungen, wie in Lackenbach im Burgenland.

Im KZ angekommen, waren die Deportierten recht- und schutzlos der Willkür der BewacherInnen ausgeliefert:

„Die Häftlinge konnten ihren Alltag nicht frei gestalten. Ab der Ankunft im KZ wurde alles, vom Aufstehen bis hin zu den WC-Pausen während der Zwangsarbeit, von der SS vorgegeben. Ziel der SS war es, die Persönlichkeit der Häftlinge zu brechen. Schikane und Gewalt prägten den Lageralltag, zum Überleben fehlte es am Notwendigsten.“
Quelle: Ravensbrückerinnen

Die KZ-Häftlinge mussten unter sklavenähnlichen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten, z.B. im Steinbruch, im Straßenbau, in Rüstungsfabriken, im Flugzeug- und Raketenbau. Das Motto der NationalsozialistInnen dabei war, die Gefangene durch Arbeit zu „vernichten“. Tausende starben an Entkräftung durch die schwere Arbeit.

Wer als nicht arbeitsfähig galt, wurde oft noch an Ort und Stelle getötet. Ab 1943 wurden KZ-Häftlinge zunehmend auch in der Industrie eingesetzt, um den kriegsbedingten Mangel an Arbeitskräften auszugleichen. So entstanden bis 1945 mehr als 40 Nebenlager des KZ Mauthausen bei Industriebetrieben oder in eigens für die Waffenerzeugung gebauten Stollenanlagen, wie zum Beispiel in Ebensee. 

Insassen des Arbeitslagers Plaszwow (Polen) bei der Arbeit im Jahr 1943 © Yad Vashem / Photo Archive Jerusalem
Eine Menschenschlange bei der Essensvergabe im Arbeitslager Tabor (Tschechoslowakei) im Jahr 1940 © Yad Vashem / Photo Archive Jerusalem

Die Gefangenen der KZs wurden dicht gedrängt in einfachen Baracken untergebracht, in denen schlechteste hygienische Bedingungen herrschten. Sie litten Hunger, sie waren Kälte und Hitze ausgeliefert, Schikane, Gewalt und Folter standen auf der Tagesordnung. Eine medizinische Versorgung war praktisch nicht vorhanden. Die durchschnittliche (Über-) Lebenszeit in den Lagern betrug nur wenige Monate.

Wer ins KZ kam, wurde von Beginn an nicht wie eine Person, sondern nur als „Nummer“ behandelt. Den Ankommenden wurden die Haare geschoren, sie bekamen Häftlingskleidung mit einer Häftlingsnummer, mit der sie anstelle ihres Namens angesprochen wurden.

Alle Dinge, mit denen die Häftlinge ins Lager kamen, wurden den Menschen geraubt und verwertet.

Vernichtungslager

Die Vernichtungslager dienten ausschließlich dem industriellen Massenmord an Jüdinnen und Juden, aber - in manchen Fällen - auch an Roma und Sinti. Zu den bekanntesten Vernichtungslagern zählt wohl das Lager Auschwitz-Birkenau nahe Osiwecim im heutigen Polen. 

Ab 1941 wurden aus dem „Reichgebiet“ mitsamt den besetzten Gebieten jüdische Männer, Frauen und Kinder in Ghettos und später in Vernichtungslager im Osten verschleppt, wobei das Ghetto/Konzentrationslager Theresienstadt im Norden Prags für Jüdinnen und Juden aus Österreich besondere Bedeutung hatte. Die Deportationsopfer wurden zumeist in Zügen in Viehwaggons unter unvorstellbaren hygienischen Bedingungen oft tagelang durch Europa transportiert.

Die Vernichtungslager waren regelrechte Tötungsfabriken. Die Vorgänge waren bis ins Detail geplant und wurden unter strengster Geheimhaltung durchgeführt. 

Die aus West-, Mittel- und Südeuropa deportierte Jüdinnen und Juden wurden meist direkt nach ihrer Ankunft getötet: Teilweise wurden sie in eigene Kammern geschickt, angeblich zum „Duschen“. Die Kammern waren jedoch Gaskammern, in denen die Menschen mittels Abgasen aus laufenden Motoren (Kohlenmonoxid) oder Giftgas (v.a. Zyklon B, etwa in Auschwitz-Birkenau und Majdanek) ermordet wurden.

Die unzähligen Toten wurden in riesigen Verbrennungsöfen (Krematorien) verbrannt. Diese Arbeit mussten jüdische „Sonderkommandos“ verrichten.

Zusätzlich zu den Lagern fand auch außerhalb derselben der Massenmord statt.

Teilweise (z.B. in Chelmno) wurden die Menschen bei einer Fahrt in umfunktionierten Lastwagen („Gaswagen“) ermordet und die Toten dann in einem „Waldlager“ vergraben.

Auch Massenerschießungen (häufig an „Ort und Stelle“) gab es ab Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion (1941) bis zum Kriegsende, besonders in den besetzten Gebieten der Sowjetunion. Diesen Erschießungen fielen ungefähr zwei Millionen Jüdinnen und Juden zum Opfer.

Kriegsende und Befreiung der Konzentrationslager

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges befreiten die einrückenden Truppen der Alliierten die Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Lagerinsassen, die überlebt hatten, wurden (medizinisch) versorgt, viele starben dennoch in den folgenden Monaten durch die völlige Entkräftung.

Die Verantwortlichen des NS-Regimes hatten zuvor noch versucht, die Lager zu „räumen“: Dies war durch verstärkte Mordaktionen geschehen, v.a. aber wurden zehntausende KZ-Häftlinge in tagelangen Todesmärschen aus den Lagern Osteuropas beim Herannahen der Front Richtung Westen getrieben. 

Sie mussten die mehrere hundert Kilometer langen Strecken meist zu Fuß zurücklegen, auf einigen Strecken wurden Schiffe und offene Güterwaggons eingesetzt. Die Anstrengungen, der Hunger und die Kälte forderten weitere tausende Todesopfer. Wer nicht weitergehen konnte, wurde erschossen.

Die Aufnahmelager, wie zum Beispiel das KZ Mauthausen, waren daher bei der Befreiung im Mai 1945 hoffnungslos überfüllt. Infolge unzureichender Versorgung und Überbelegung starben noch unzählige Menschen vor und auch nach der Befreiung noch an den Folgen der Unterernährung und Krankheiten.

Überlebende feiern die Befreiung des KZ Dachau 1945 © Yad Vashem / Photo Archive Jerusalem
Überlebende und Befreier stehen vor dem brennenden KZ Bergen Belsen 1945 © Yad Vashem / Photo Archive Jerusalem

In Summe hatten durch den Holocaust / die Shoah etwa 6 Millionen europäische Jüdinnen und Juden ihr Leben verloren. Weitere Opfergruppen waren Roma und Sinti, Menschen aus den besetzten Gebieten Europas, darunter besonders viele Menschen aus Polen und aus der damaligen Sowjetunion, politischen GegnerInnen, Homosexuelle, Zeugen Jehovas (diese verweigerten aufgrund ihrer religiösen Überzeugung den Wehrdienst), als „asozial“ verfolgte Menschen und als Kriminelle inhaftierte Menschen.

Menschen mit Behinderung waren im Zuge der „Aktion T4“ zwangsweise sterilisiert worden bzw. in eigens dafür errichteten Tötungsanstaltung, wie im Schloss Hartheim (Oberösterreich), aber auch in psychiatrischen Kliniken und Einrichtungen für angeblich schwer erziehbare Kinder ermordet worden.

Insgesamt fielen mindestens 110.000 Menschen aus Österreich der nationalsozialistischen Verfolgung zum Opfer:

mindestens 66.000 Jüdinnen und Juden

9.000 bis 10.000 Roma und Sinti

25.000 Menschen mit Behinderung 

rund 9.500 Frauen und Männer wurden aus politischen Gründen hingerichtet, ermordet oder starben infolge der Haftbedingungen und Verfolgung.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-holocaust-shoah/die-geschichte-der-shoah/konzentrations-und-vernichtungslager-in-oesterreich-und-europa
gedruckt am: Montag, 3. August 2020