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Konzentrations- und Vernichtungslager in Österreich und Europa

Eine zentrale Rolle im Holocaust nehmen die Konzentrations- und Vernichtungslager ein, die während des Nationalsozialismus in Deutschland und den von Deutschland besetzten Gebieten errichtet wurden. In ihnen wurden politische GegnerInnen und Menschen, die aus religiösen, rassistischen und sozialen Gründen verfolgt wurden, eingesperrt und meist auch ermordet.
Zu den bekanntesten Konzentrations- und Vernichtungslagern gehören Auschwitz-Birkenau (Oswiecim) in Polen, oder das KZ Mauthausen in Oberösterreich.

Die Lager wurden streng bewacht (meist von Einheiten der SS).
Bereits 1933 bauten die NationalsozialistInnen das erste Konzentrationslager (KZ) in Dachau (nahe München). Die ersten Häftlinge in Dachau waren politische GegnerInnen des NS-Regimes, später kamen andere „Volksfeinde“ hinzu.

Der Aufbau des Lagers Dachau mit seinen Haupt- und Außenlagern wurde zum Muster für später gebaute Konzentrationslager. Im KZ Dachau wurden außerdem bereits 1933 Männer der SS für die Arbeit in den KZs ausgebildet.

Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreichen KZs an den (neuen) Grenzen des Deutschen Reichs gebaut. Schließlich entstanden in ganz Europa KZs.
Es gab auch eigene Frauenlager, „Jugendschutzlager“, „Zigeunerlager“ usw.

Steinbruchstiege („Todesstiege“) an der KZ-Gedenkstätte Mauthausen © ÖNB Blaha
Im Draukraftwerk Schwabegg bei Lavamünd mussten Wiener Juden Zwangsarbeit leisten. © ÖNB

Ab 1942 wurden aus dem „Reichgebiet“ mitsamt den besetzten Gebieten Männer, Frauen und Kinder in die Lager im Osten verschleppt: Jüdinnen und Juden, politische GegnerInnen, Roma und Sinti, Polen, Russen, politischen Gegnerinnen, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung, Zeugen Jehovas.

Sie wurden in den Ortschaften zusammengetrieben und in Zügen in Viehwaggons in die KZs gebracht (deportiert). Die Transporte führen als Sammeltransporte oft tagelang durch Europa. Die furchtbaren Bedingungen (Mangel an Platz und Hygiene, Mangel an Nahrung, Kälte, Hitze, Misshandlungen …) bei den Deportationen überlebte ein Teil der Menschen nicht.

Im KZ angekommen waren die Deportierten recht- und schutzlos der Willkür der BewacherInnen ausgeliefert:

„Die Häftlinge konnten ihren Alltag nicht frei gestalten. Ab der Ankunft im KZ wurde alles, vom Aufstehen bis hin zu den WC-Pausen während der Zwangsarbeit, von der SS vorgegeben. Ziel der SS war es, die Persönlichkeit der Häftlinge zu brechen. Schikane und Gewalt prägten den Lageralltag, zum Überleben fehlte es am Notwendigsten.“
Zitat auf www.ravensbrueckerinnen.at

Die KZ-Häftlinge mussten unter sklavenähnlichen Bedingungen Zwangsarbeit verrichten, z.B. im Steinbruch, im Straßenbau, in Rüstungsfabriken, im Flugzeug- und Raketenbau etc.) Das Motto der NationalsozialistInnen dabei war, die Gefangene durch Arbeit zu „vernichten“. Tausende starben an Entkräftung durch die schwere Arbeit.
Wer als nicht arbeitsfähig galt, wurde unmittelbar getötet.

Insassen des Arbeitslagers Plaszwow (Polen) bei der Arbeit im Jahr 1943 © Yad Vashem / Photo Archive Jerusalem
Eine Menschenschlange bei der Essensvergabe im Arbeitslager Tabor (Tschechoslowakei) im Jahr 1940 © Yad Vashem / Photo Archive Jerusalem

Die Gefangenen der KZs wurden dicht gedrängt in einfachen Baracken untergebracht, in denen schlechteste hygienische Bedingungen herrschten. Sie litten Hunger, sie waren Kälte und Hitze ausgeliefert, Schikane, Gewalt und Folter standen auf der Tagesordnung. Eine medizinische Versorgung war praktisch nicht vorhanden, die Kranken wurden in den „Krankenstationen“ ihrem Schicksal überlassen.

Die durchschnittliche (Über-)Lebenszeit in den Lagern betrug nur wenige Monate.

Wer ins KZ kam, wurde von Beginn an nicht wie eine Person, sondern nur als „Nummer“ behandelt. Den Ankommenden wurden die Haare geschoren, sie bekamen Häftlingskleidung mit einer Häftlingsnummer, mit der sie anstelle ihres Namens angesprochen wurden.

Wertgegenstände, mit denen sie ins Lager kamen, wurden den Menschen geraubt und an das „deutsche Volk“ verteilt.

Vernichtungslager

Ab 1941 wurden eigene Lager gebaut, die im Sinne der „Endlösung der Judenfrage“ praktisch ausschließlich der Ermordung von Tausenden von Menschen dienten. Anders als in den „Arbeitslagern“ ging es weniger um die Ausbeutung der Arbeitskraft der Häftlinge, sondern um ihre unmittelbare „Vernichtung“.
(Die Unterschiede der verschiedenen Lagerformen sind jedoch teilweise fließend).

Die Vernichtungslager waren regelrechte Tötungsfabriken. Die Vorgänge waren bis ins Detail geplant und wurden unter strengster Geheimhaltung durchgeführt.

Die aus West-, Mittel- und Südeuropa deportierte Jüdinnen und Juden wurden meist direkt nach ihrer Ankunft getötet: Teilweise wurden sie in eigene Kammern geschickt, angeblich zum „Duschen“. Die Kammern waren jedoch Gaskammern, in denen die Menschen mittels Abgasen aus laufenden Motoren (Kohlenmonoxid) oder Giftgas (v.a. Zyklon B, etwa in Auschwitz-Birkenau und Majdanek) umgebracht wurden.

Die unzähligen Toten wurden in riesigen Verbrennungsöfen (Krematorien) verbrannt. Oft mussten jüdische „Sonderkommandos“ diese Arbeit verrichten.

Zusätzlich zu den Lagern fand auch außerhalb derselben der Massenmord statt.

Teilweise (z.B. in Chelmno) wurden die Menschen bei einer Fahrt in umfunktionierten Lastwagen („Gaswagen“) ermordet und die Toten dann in einem „Waldlager“ vergraben.

Auch Massenerschießungen (häufig an „Ort und Stelle“) gab es ab Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion (1941) bis zum Kriegsende, besonders in den besetzten Gebieten der Sowjetunion.

Kriegsende und Befreiung der Konzentrationslager

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges befreiten die einrückenden Truppen der Alliierten die Konzentrations- und Vernichtungslager. Die Lagerinsassen, die überlebt hatten, wurden (medizinisch) versorgt, viele starben dennoch in den folgenden Monaten durch die völlige Entkräftung.

Die NationalsozialistInnen hatten zuvor noch versucht, die Lager zu „räumen“: Dies war einerseits durch verstärkte Tötungsaktionen geschehen, v.a. aber durch Verlagerung der Häftlinge in andere Lager, die weiter von der Front entfernt waren. Infolgedessen waren die verbliebenen Lager hoffnungslos überbelegt.

Überlebende feiern die Befreiung des KZ Dachau 1945 © Yad Vashem / Photo Archive Jerusalem
Überlebende und Befreier stehen vor dem brennenden KZ Bergen Belsen 1945 © Yad Vashem / Photo Archive Jerusalem

1944 / 1945 wurden zahllose KZ-Häftlinge in tagelangen Todesmärschen aus dem Osten Richtung Westen getrieben.

Sie mussten die mehrere hundert Kilometer langen Strecken meist zu Fuß zurücklegen, auf einigen Strecken wurden Schiffe und offene Güterwaggons eingesetzt. Die Anstrengungen, der Hunger und die Kälte forderten weitere zehntausende Todesopfer. Wer nicht weitergehen konnte, wurde erschossen und entlang der Route notdürftig vergraben.

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945 fanden die Todesmärsche ein Ende.

Im Jänner 1945 befanden sich noch etwa 700.000 Häftlinge in den verschiedenen Lagern. Bis zu 300.000 davon starben bei den Todesmärschen.

In Summe hatten durch den Holocaust / die Shoah etwa 6 Millionen europäischer Jüdinnen und Juden ihr Leben verloren. Weitere Opfergruppen waren die Roma und Sinti, Polen, Russen, politischen Gegnerinnen, Homosexuelle, Menschen mit Behinderung, Zeugen Jehovas (diese verweigerten aufgrund ihrer religiösen Überzeugung den Wehrdienst), die ebenfalls zu Hunderttausenden ermordet wurden.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-holocaust-shoah/die-geschichte-der-shoah/konzentrations-und-vernichtungslager-in-oesterreich-und-europa/
gedruckt am: Freitag, 10. Jänner 2020