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Widerstand, Hoffnung, Zuflucht

Seine Meinung sagen, wählen, was man für richtig hält, oder mit jemandem sein Essen teilen – würdest du das als „Widerstandsaktion“ bezeichnen?
Wohl kaum. Meist stellt man sich unter (politischem) Widerstand ja eher vor, dass eine Gruppe im Verborgenen aktiv wird, und mit unterschiedlichen Mitteln, von Flugblättern bis hin zu Waffen, gemeinsam gegen die Herrschenden kämpft.

Auch zur Zeit des nationalsozialistischen Regimes gab es solche Widerstandsgruppen, in denen Personen, „(…) um ein unabhängiges, demokratisches und seiner geschichtlichen Aufgabe bewußtes  Österreich, insbesondere gegen Ideen und Ziele des Nationalsozialismus, mit der Waffe in der Hand gekämpft oder sich rückhaltlos in Wort oder Tat eingesetzt haben“
(Definition aus dem Opferfürsorgegesetz, §1. (1))

Der bewaffnete Kampf war allerdings auch im Widerstand gegen den Nationalsozialismus die Ausnahme. Meist wurden Flugblätter verteilt oder andere Propagandaaktionen gesetzt, oft trafen sich die Widerstandsgruppen auch nur zum Gedankenaustausch und kamen über die Planung von Widerstandsaktionen nicht hinaus. So gut wie alle Gruppen des politischen Widerstandes wurden von Spitzeln verraten. Die Mitglieder dieser Gruppen wurden vor Gericht gestellt und vor allem die führenden Köpfe zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Widerstand war lebensgefährlich

Das NS-Regime verlangte vom „Volk“ absoluten Gehorsam. Jegliche abweichende Meinung oder gar Kritik war streng verboten. Selbst das Hören eines ausländischen Radiosenders wurde als Verbrechen betrachtet. Jenen Menschen zu helfen, welche die NationalsozialistInnen als „Feinde“ ansahen, wie etwa Jüdinnen und Juden, war von schweren Strafen, auch von einer Haft in Konzentrationslagern, bedroht.

Jeder und jede, der/die nicht „gehorchte“ und sich unterwarf, musste mit schwerwiegenden Folgen und harten Strafen rechnen. Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) konnte die politischen GegnerInnen jederzeit verhaften und verhören. Unterstützt wurden sie von zahlreichen Spitzeln in der Bevölkerung, die „Vergehen“ von MitbürgerInnen an die Gestapo meldeten.

Wer sich den nationalsozialistischen Ideen und Befehlen widersetzte, riskierte in einem der in einem Konzentrationslager in sogenannte „Schutzhaft“ genommen oder vor Gericht gestellt zu werden. Im Laufe des Krieges wurden Verstöße gegen die Vorschriften des NS-Regimes zunehmend härter bestraft, auch mit dem Tode. Wurden beispielsweise Nachrichten auf ausländischen Radiosendern gehört oder Zweifel am Sieg des NS-Regimes im Krieg vor Soldaten geäußert, konnte dies zu einem Todesurteil führen.

Trotz allem: Widerstand

Trotz dieser drastischen Strafen gab es Widerstand. Dazu gehörte Widerspruch oder die Weigerung, Anweisungen zu befolgen. Widerstand leisteten sowohl ZivilistInnen als auch organisierte Gruppen bis hin zu Mitgliedern des Militärs.

Widerstand konnte sich in vielfältiger Form ausdrücken:

  • in kritischen Liedern und „Flüsterwitzen“
  • im Weitererzählen von Nachrichten der Radiosender der Alliierten
  • im Sammeln von Beweismaterial, was im Nationalsozialismus geschah, z.B. in Form von Fotos, Zeichnungen, Briefen…
  • als Hilfe für Kriegsgefangene
  • im Verfassen von Flugblättern
  • in Reden und Predigten, die die Verbrechen des NS-Regimes aufzeigten oder das Regime kritisierten
  • im Verstecken von verfolgten Personen, vor allem Jüdinnen und Juden, aber auch geflüchteter Kriegsgefangener
  • in Gesten der Mitmenschlichkeit für verfolgte Menschen (z.B. Wasser und Nahrung für die Menschen in den Deportationszügen oder Kriegsgefangene) …
  • in der Weigerung, den Kriegsdienst zu leisten (z.B. Fall Jägerstätter) als Sabotage in verschiedensten Formen
  • in bewaffnetem Widerstand, zum Beispiel der Kärntner slowenischen PartisanInnen

Eine drastische Form des Widerstands wählte der Vorsitzende des Judenrates im Warschauer Ghetto, Adam Czerniaków. Er weigerte sich, jeden Tag 6000 Juden und Jüdinnen aus dem Ghetto an die Deutschen auszuliefern. Deshalb nahm sich Czerniaków das Leben. 

Nachgefragt: Wer war Franz Jägerstätter?

Der Oberösterreicher Franz Jägerstätter verweigerte im März 1943 aus Gewissensgründen seinen Dienst in der deutschen Wehrmacht. Er wurde aus diesem Grund hingerichtet. 2007 wurde er von der katholischen Kirche seliggesprochen.

Oftmals gab es zwar wenig Hoffnung, dass der Widerstand etwas bewirken und viele Menschenleben retten könnte. Aber allein schon der Versuch, Widerstand zu leisten, zu kämpfen, sich zu wehren und seine menschliche Würde zu bewahren, hat Vielen Mut gemacht und deren Überlebenswillen gestärkt.

Verschiedene Motive für Unterstützung

Die Gründe, aus denen Menschen Widerstand oder Hilfe leisteten, waren verschieden. Für viele war es vor allem der Versuch, „anständig“ zu bleiben und nach eigenen moralischen bzw. religiösen Werten zu handeln.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-holocaust-shoah/widerstand-hoffnung-zuflucht/
gedruckt am: Dienstag, 7. April 2020