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Folgen und Auswirkungen von Kinderarmut

Von Armut betroffen zu sein hat für Kinder und Jugendliche weitreichende Folgen. Es wirkt sich nicht nur auf ihre aktuelle Lebenssituation aus, sondern hat auch Nachteile für ihre Entwicklung und ihre Zukunftschancen. In der Kindheit oder Jugend Armut zu erleben, ist oft eine Erfahrung, die das ganze Leben prägt. Aufwachsen in Armut beeinflusst Gesundheit, Bildungswege und Beziehungen zur Familien und zu Freund:innen. Es bedeutet Verunsicherung, Stress und psychischen Druck. Besonders schwierig ist, dass manche Probleme, die als Folge von Armut auftreten, sich gegenseitig verstärken.

Sich vieles nicht leisten können

Im Alltag ist sparen, sparen und nochmals sparen angesagt. Dinge, die für andere selbstverständlich sind, können nicht gekauft werden. Kaputte Dinge, von Schuhen bis zur Waschmaschine, können nicht einfach durch neue ersetzt werden. An Schulwochen und Ausflügen können die betroffenen Kinder und Jugendlichen häufig nicht teilnehmen, und es ist finanziell nicht möglich, andere Kinder z.B. zur Geburtstagsfeier einzuladen.

Um „dazuzugehören“ und die Armut zu verstecken, werden manchmal Dinge gekauft, die gar nicht leistbar sind. Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene sind verschuldet. Jede vierte Person, die sich an die Schuldenberatungen wendet, ist nicht älter als 30 Jahre.

Tipp: Kostenlose Beratung rund um Finanzen und Schulden gibt es in den Schuldenberatungsstellen.

Nicht am Alltagsleben teilhaben können

Sparen zu müssen bedeutet nicht „nur“, sich die neuesten Sneaker, Kopfhörer oder Spiele nicht kaufen können, zuhause keine Internetverbindung haben, nicht in den Urlaub fahren und nicht bei gemeinsamen Schulaktivitäten dabei sein zu können. Es bedeutet auch, sich im Freundeskreis nicht darüber austauschen zu können. Dies führt dazu, dass armutsbetroffene Kinder und Jugendliche ausgeschlossen werden. Selbst, wenn dies gar nicht der Fall ist, ziehen sie sich oftmals zurück. Sie befürchten, ausgeschlossen zu werden, und schämen sich für ihre Situation – für die sie gar nichts können!

Abhängigkeit

Alltag für armutsgefährdete oder armutsbetroffene Familien ist auch, dass sie von Behörden abhängig sind, bei denen sie um (finanzielle) Unterstützung ansuchen. Viele erleben diese Abhängigkeit als unangenehm oder beschämend. Die ständigen Sorgen der Eltern zu spüren ist dabei für die Kinder und Jugendlichen bedrückend. Viele von ihnen haben keine unbeschwerte Kindheit, sondern müssen oft sehr „erwachsen“ sein.

Wohnsituation und Gesundheit

Studien zeigen, dass armutsbetroffene Kinder und Jugendliche häufiger unter Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Unkonzentriertheit, Nervosität leiden, häufiger Alkohol konsumieren und rauchen. Sie sind öfters von chronischen Krankheiten betroffen. Ungesunder Wohnraum, ungesunde Ernährung, ständige psychische Belastung und Bewegungsmangel haben negative Folgen für die Gesundheit.

Arme und armutsgefährdete Familien leben häufiger in kleineren Wohnungen in ungünstiger Lage (z.B. an einer lauten Straße, ohne Grünbereich wie Parks, Spielplätze). Es fehlt die Möglichkeit, sich zurückzuziehen, um für sich zu sein oder in Ruhe zu lernen und arbeiten. Das kann für die Beziehungen der Familienmitglieder belastend sein und zu schlechteren schulischen Leistungen führen. Wenn auch das Geld zum Heizen fehlt, kommt es öfters zu Erkältungen. Manchmal bildet sich in den kalt-feuchten Wohnungen sogar Schimmel, was wiederum gesundheitliche Folgen haben kann.
Armut zeigt sich auch an der Ernährung: Gesundes Essen ist reich an Vitaminen und Nährstoffen, die Heranwachsende brauchen. Gesunde Nahrungsmittel sind allerdings gar nicht billig.

Schlechtere Bildungschancen

Armut wirkt sich nicht nur auf die körperliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen aus, sondern auch auf ihre Bildungs- und Lernmöglichkeiten: Armutsgefährdete und –betroffene Kinder und Jugendliche haben im Durchschnitt oft schlechtere Beurteilungen und müssen häufiger ein Schuljahr wiederholen als andere. Die Zahl der Kinder aus armutsbetroffenen Haushalten, die eine Schule mit Matura (AHS, BHS) besuchen ist geringer. Sie nehmen seltener an außerschulischen Bildungsangeboten (Projekte, Vereine) teil. Die schlechteren Chancen haben nichts damit zu tun, dass die Kinder nicht begabt wären, sondern sehr oft damit, dass sie sich nicht nur der Schule widmen können, weil sie von vielen Sorgen belastet sind. Einen großen Unterschied macht auch aus, was sie sich zutrauen, und was ihnen zugetraut wird.

Auf den Punkt gebracht:

Armut hat zahlreiche und komplexe Folgen. Sie wirkt sich aber nicht immer gleich aus. Entscheidend ist, wie lange diese Situation andauert. Weniger negative Auswirkungen hat Armut, wenn Kinder und Jugendliche über sogenannte „Schutzfaktoren“ verfügen. Dazu gehören z.B. ein gutes familiäres Netzwerk oder gute Freundschaftsbeziehungen.

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gedruckt am: Dienstag, 18. Juni 2024