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1938 und die Folgen

Ministerpräsident Göring beschenkt mit einem wertvollen Gemälde © Bundesarchiv, Bild 183-H00455 / CC-BY-SA
Ministerpräsident Göring beschenkt mit einem wertvollen Gemälde © Bundesarchiv, Bild 183-H00455 / CC-BY-SA

Die Eingliederung in das Deutsche Reich im Jahre 1938 hatte für Österreich weitreichende Folgen über die Zeit des NS-Regimes hinaus.

Österreich als „Materialquelle“ für das Deutsche Reich

Das nationalsozialistische Deutschland eignete sich mit der Annexion Österreichs seine Goldreserven und das Staatsvermögen an. Wertvolle Gemälde, Statuen und andere Kulturschätze aus Museen, Sammlungen und (jüdischem) Privatbesitz wurden für das geplante „Führermuseum“ in Linz oder andere NS-Galerien beschlagnahmt, wobei einiges unwiederbringlich verloren ging.
Die Rüstungsindustrie wurde ausgebaut. Das schuf Arbeitsplätze, später wurden dafür aber ZwangsarbeiterInnen eingesetzt, da die österreichischen Männer als Soldaten Kriegsdienst leisten mussten. Diese Fabriken waren jedoch bei Kriegsende auch Ziele der Bombenangriffe der Alliierten (gegen NS-Deutschland verbündete Staaten). Oft wurden bei den Luftangriffen auch umliegende Gebäude und Ortsteile getroffen.

Österreichs Bodenschätze (Mineralien, Metalle, Erdöl, Kohle etc.) wurden ausgebeutet. Auch für diese Arbeiten wurden Konzentrationslager-Häftlinge, Kriegsgefangene und ZwangsarbeiterInnen aus den von Deutschland besetzten Ländern herangezogen.

Einschneidende Veränderungen in der Bevölkerung Österreichs

Die Annexion Österreichs und das NS-Regime hatten auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Bevölkerung: GegnerInnen des Nationalsozialismus flüchteten oder wurden verfolgt, inhaftiert und viele von ihnen getötet. Darunter waren auch viele KünstlerInnen, WissenschafterInnen und PolitikerInnen. Die sogenannten Nürnberger Gesetze wurden mit aller Härte angewendet und mehr als 100.000 ÖsterreicherInnen getötet.

Sieben Jahre bestimmte das NS-Regime die Erziehung und das tägliche Leben in Österreich. Das schuf vor allem bei den damals Zehn- bis 20-Jährigen ein einseitiges und rassistisches Weltbild. Auch den Erwachsenen wurde vieles verschwiegen, Fakten von der NS-Propaganda vorenthalten oder verzerrt wiedergegeben (Kriegsberichterstattung) und Feindbilder mit falschen Darstellungen bewusst bestärkt (z.B.: antisemitische Propaganda gegen Jüdinnen und Juden).

Flakturm im Augarten in Wien © Franz Stürmer
Flakturm im Augarten in Wien © Franz Stürmer

Österreich im Zweiten Weltkrieg

Die Deutsche Wehrmacht überfiel am 1. September 1939 Polen. Damit begann der Zweite Weltkrieg. Bis 1945 verloren eine Viertelmillion österreichischer Soldaten ihr Leben. Zehntausende Österreicher kamen teilweise erst Jahre nach Kriegsende (bis 1956!) aus der Gefangenschaft zurück, viele davon waren für ihr Leben gezeichnet.

Auch Frauen und Kinder starben durch den Krieg: 24.000 Zivilpersonen kamen durch Luftangriffe der Alliierten um. Ziel dieser Luftangriffe waren vor allem die Rüstungsindustrie und Verkehrsanlagen, um NS-Deutschland zu schwächen. Dabei wurden nicht selten umliegende Ortsteile getroffen, wie z.B. in Wiener Neustadt, wo der Angriff den Flugzeugwerken galt und dabei 88% der Gebäude der Stadt getroffen wurden.

Aufteilung Österreichs in vier Besatzungszonen © Franz Stürmer
Aufteilung Österreichs in vier Besatzungszonen © Franz Stürmer

Bei Kriegsende wurde Österreich als Teil des nationalsozialistischen Deutschen Reichs von den vier Siegermächten (Großbritannien, Frankreich, Sowjetunion und USA) besetzt. Österreich wurde als eigener Staat wiederhergestellt, jedoch blieb es zehn Jahre unter alliierter Besatzung. Erst mit der Unterzeichnung des Staatsvertrags 1955 erhielt es seine volle staatliche Souveränität (Selbstbestimmung) wieder.

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gedruckt am: Mittwoch, 28. Juni 2017