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Österreich 1918–1933

Erste Sitzung der provisorischen Nationalversammlung am 21. Oktober 1918 © ÖNB
Erste Sitzung der provisorischen Nationalversammlung am 21. Oktober 1918 © ÖNB

Der Beginn der Republik

Im Oktober 1918 wurde die Republik Deutschösterreich gegründet. Sie bestand aus dem Großteil der deutschsprachigen Gebiete des ehemaligen Vielvölkerstaates der Monarchie. Der Wunsch Vieler war es, einen gemeinsamen Staat mit Deutschland zu bilden, da sie nicht an die Lebensfähigkeit Österreichs als eigenständigen Staat glaubten.
Der Friedensvertrag von St. Germain vom September 1919 schrieb Österreich jedoch staatliche Selbstständigkeit vor. Im November 1919 beschloss das Parlament die Änderung des Namens auf „Republik Österreich“.

Wahlwerbung der Christlichsozialen Parte © ÖNB
Wahlwerbung der Christlichsozialen Partei © ÖNB

Die ersten Jahre

Wichtigstes Ziel der Regierung des „jungen“ Österreich war die Schaffung einer stabilen Grundlage für die Zukunft des neuen Staats. Die Wirtschaft sollte den Verhältnissen des nunmehrigen Kleinstaats angepasst werden und Frieden und Ruhe nach den Schrecken des Krieges für alle Menschen einkehren. Diese Aufgaben einten für kurze Zeit die Parteien. Es gab ein gemeinsames Ziel, für das alle einstanden. Doch die Kompromissbereitschaft sank und die Parteien rückten die eigenen Interessen und Programme in den Vordergrund: Sozialdemokratische Arbeiterpartei einerseits und als bürgerlich-konservativer Gegenpol Christlichsoziale Partei und Großdeutsche Partei.

Wahlwerbung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs © ÖNB
Wahlwerbung der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Deutschösterreichs © ÖNB

Verhärtete politische Fronten und Weltwirtschaftskrise

Die politischen Konflikte wurden schärfer. Die bürgerlichen Parteien und die sozialdemokratische Arbeiterpartei standen einander zunehmend feindselig gegenüber. Beide „Lager“ gründeten bewaffnete Wehrverbände – die bürgerlichen Heimwehren und den sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbund – als Mittel zur politischen Auseinandersetzung und um Stärke und Macht auf den Straßen zu zeigen. Die Wehrverbände veranstalteten Aufmärsche und immer wieder kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen.

Wehrverbände – Aufmarsch der Heimwehr 1932 © ÖNB / Lothar Rübelt
Wehrverbände – Aufmarsch der Heimwehr 1932 © ÖNB / Lothar Rübelt

Im Jänner 1927 schossen Mitglieder der sogenannten Frontkämpfervereinigung, eines bürgerlichen Wehrverbands, im burgenländischen Schattendorf in die Menge von Schutzbündlern und Schaulustigen. Zwei Menschen, ein Kind und ein Arbeiter, wurden getötet. Das Gericht sprach die Angeklagten im Juli 1927 frei. Darüber waren viele Menschen so empört, dass sie zum Parlament und zum Wiener Justizpalast zogen. Der Justizpalast wurde in Brand gesteckt. Daraufhin schoss die Polizei in die Menge. Es gab 84 Todesopfer unter den DemonstrantInnen und fünf auf Seiten der Polizei; dazu hunderte Verletzte auf beiden Seiten.

Die Weltwirtschaftskrise verschärfte die angespannte Situation zusätzlich. Es gab tausende Arbeitslose, aber auch Bauern und Gewerbetreibende konnten durch die schlechte Wirtschaftslage ihre Produkte und Dienstleistungen nicht verkaufen – rechte, antiparlamentarische Parteien wie die NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) gewannen an Einfluss und die Bereitschaft der Regierung, ohne Parlament autoritär zu regieren, wuchs.

Der Freispruch im Schattendorfer Prozess war Auslöser für die „Julirevolte“ mit dem Brand des Justizpalastes 1927. DemonstrantInnen stürmten das Gebäude, verwüsteten es und legten Brände. Polizeipräsident Johannes Schober ließ Schusswaffen gegen die demonstrierende Menge einsetzen.

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gedruckt am: Donnerstag, 24. August 2017