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Musik und Protest

Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann
und worüber zu schweigen unmöglich ist.

(Victor Hugo)

Politische Musik und Protestlieder

Politische Lieder und Protestlieder nehmen auf aktuelle gesellschaftspolitische Ereignisse Bezug und möchten zur Reflexion und Teilnahme auffordern. Es gibt sie in allen Epochen und auf allen Kontinenten. Beispiele dafür sind etwa Revolutionslieder, Bauern- und Arbeiterlieder, Widerstands- und Freiheitslieder, Spottlieder, gesellschaftskritische Lieder, Antikriegslieder oder Feministische Lieder.

Nachgefragt: Was sind Worksongs?

Arbeiterlieder, englisch „Worksongs“ genannt, sind Lieder, die seit dem 17. Jahrhundert von SklavInnen in den Südstaaten Amerikas gesungen wurden. Ihre einprägsamen Klänge bildeten den Ursprung für zwei der wichtigsten Musikrichtungen des 20. Jahrhunderts: Jazz und Blues.

Durch kritische Textzeilen, unangepasste Klänge und lautstarke Auftritte werden MusikerInnen zum Sprachrohr des politischen Protests. Sie geben der Kritik und dem Unmut über gesellschaftliche Missstände eine lautstarke Stimme. Lieder können die Rebellion einer ganzen Generation zum Ausdruck bringen. Musik, die politische Ziele verfolgt, kann zum Nach- oder Umdenken einladen, zur Solidarität oder zum Durchhalten aufrufen, aber auch Hassparolen und Hetzkampagnen begleiten. Politische Lieder und ihre LiedermacherInnen drücken dabei die Meinung, aber auch die Stimmung einer ganzen Generation oder einer politischen Bewegung aus.

Von der französischen Revolution bis ins Chile der 1970er Jahre

So beflügelten die Klänge der „Marseillaise“ die Französische Revolution von 1789 und später die Anliegen der Arbeiterbewegungen in Europa. Das „Moorsoldatenlied“ der Häftlinge aus dem Konzentrationslager Bürgermoor und das „Dachaulied“ von Jura Soyfer weckten Hoffnung und Kampfgeist gegen den unermesslichen Naziterror. Víctor Jara beschwor mit seinen Volksliedern das Durchhaltevermögen seiner MitstreiterInnen gegen die Gräueltaten des chilenischen Diktators Augusto Pinochet in den 1970er Jahren.

Auf den Punkt gebracht: Nicht nur der Ton macht die Musik

In erster Linie definiert sich ein Protestlied über seine Textzeilen, doch auch die Wahl der Musikrichtung kann bereits Widerstand und Protest ausdrücken. Etwa wenn Melodien erklingen, die nicht den musikalischen Normen der Zeit entsprechen.

Viele Lieder werden im Laufe der Geschichte neu interpretiert und immer wieder aufs Neue zum Symbol des Protests und Widerstands. So wurde etwa das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ aus dem 18. Jahrhundert auch im 20. Jahrhundert zu einem populären Freiheitslied für Menschenrechte und Meinungsfreiheit. Mit „Bella Ciao“ antworteten italienische PartisanInnen auf die faschistische Gewalt während des Zweiten Weltkriegs. In einer abgeänderten Version ruft es heute zum Klimaschutz auf.

„Bella Ciao for the climate – Do it now!“

We need to wake up
We need to wise up
We need to open our eyes
Do it now now now
We need to build a better future
we need to start right now

We're on a planet
That has a problem
We've got to solve it
Get involved
Do it now now now
We need to build a better future
And we need to start right now

Make it greener
Make it cleaner
Make it last
Make it fast
Do it now now now
We need to build a better future
And we need to start right now

Engagierte MusikerInnen

Immer wieder lösen politische Ereignisse und gesellschaftliche Umbrüche auch musikalische Reaktionen aus. Viele KünstlerInnen und LiedermacherInnen möchten so Menschen unterstützen, ihre Solidarität ausdrücken und Stellung zu politischen Themen beziehen.

Die österreichische Politrockband „Die Schmetterlinge“, in der auch Willi Resetarits mitwirkte, erregte in den 1970er Jahren immer wieder mit politischen Texten Aufmerksamkeit. Anlässlich des Gedenkens „75 Jahre Erinnerung an den 1. Transport österreichischer Häftlinge in das KZ-Dachau“ traten einige der Bandmitglieder am 8. April 2013 am Westbahnhof Wien auf, um mit dem „Dachaulied“ von Jura Soyfer, der 1939 im KZ Buchenwald umkam, an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. (Link zum Thema „Holocaust – Shoah“)

Viele weitere österreichische LiedermacherInnen und Bands wie Rainhard Fendrich, Yasmo oder STS nehmen in ihren Liedern Bezug auf gesellschaftspolitische Themen. Sie nutzen ihre Popularität, um ihre Stimme lautstark gegen Rassismus, Rechtsextremismus oder Sexismus zu erheben.

Auch großangelegte Musikprojekte beziehen Stellung zu aktuellen Ereignissen. 1984 konnte das globale „Band Aid“-Projekt der Musiker Bob Geldof und Midge Ure auf die Hungersnot in Äthiopien aufmerksam machen und so weltweit Spenden sammeln. Ähnliche Projekte folgten, wie zum Beispiel das österreichische Projekt „Austria for Africa“. Ende 2020 wurde das Projekt „Peace Through Music: A Global Event for Social Justice“, gestartet, hier rufen prominente MusikerInnen aus aller Welt zu Frieden und Gerechtigkeit auf.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/lebensbereiche/thema-politik-und-musik/musik-und-protest
gedruckt am: Freitag, 26. Februar 2021