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Interview mit José Delgado Jimenez, Experte für Klimapolitik

José Delgado Jimenez ist Experte für Klimapolitik im Bundesministerium für Finanzen (BMF) und nimmt als Mitglied der österreichischen Delegation sowie des Verhandlungsteams der Europäischen Union an Weltklimakonferenzen teil.

Wir haben mit ihm im Juni 2020 über das Thema „Umwelt und Klimaschutz“ gesprochen.

Was bedeuten Umwelt und Umweltschutz für Sie persönlich?

Der Mensch trägt als dominante Spezies Verantwortung für seine Umwelt. Für Pflanzen- und Tierwelt gleichermaßen. Umweltschutz ist auch Selbstschutz für die Menschheit, da der Mensch eine gesunde und funktionierende Umwelt zum Leben braucht. Umweltschutz steht für Fairness gegenüber kommenden Generationen. Umweltschutz bedeutet für mich daher vor allem Verantwortung und Gerechtigkeit.

Wie würden Sie einem Kind die Bedeutung des Klimawandels in wenigen Sätzen erklären?

Die Erde hat in der Vergangenheit immer wieder Veränderungen ihres Klimas und der globalen Temperatur erfahren. Während diese Erwärmungen oder Abkühlungen meistens sehr langsam erfolgten und somit die Umwelt genug Zeit hatte, sich anzupassen, verläuft der jetzt – durch den Menschen verursachte – Klimawandel deutlich schneller. Das bedroht Umwelt, Tierwelt und auch den Menschen gleichermaßen. Ausgelöst wird der Klimawandel durch die Freisetzung von Treibhausgasen, wie CO2, Methan oder Lachgas.

Verantwortungsbewusste Klimapolitik versucht den Klimawandel zu bremsen (das „Klima zu schützen“) und die Welt und ihre Lebewesen besser auf in Zukunft eintretende Effekte des Temperaturanstiegs (z.B. zunehmende Dürren oder Hochwasser) vorzubereiten. Dafür sind in den kommenden Jahrzehnten viele Reformen in unserer Gesellschaft und im Wirtschaftssystem notwendig. Ein wichtiges internationales Abkommen zur Klimapolitik ist das 2015 beschlossene Pariser Weltklimaübereinkommen.

Welche Maßnahmen zum Klimaschutz sind Ihrer Meinung nach dringend notwendig?

Um den Klimawandel wirksam bremsen zu können, sind Veränderungen in allen Bereichen des Lebens notwendig. Treibhausgase entstehen zum Beispiel durch die Art, wie wir uns fortbewegen (u.a. Autos, Flugzeuge), welche Form von Energie wir nutzen, wo und wie die von uns genutzten Produkte erzeugt werden (u.a. in Fabriken, in der Landwirtschaft). Lange, vermeidbare Transportwege spielen dabei keine unerhebliche Rolle. Dabei sind alle genannten Bereiche aufgefordert, bewusst Treibhausgase zu reduzieren und so einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Was kann jeder Mensch zum Schutz der Umwelt und des Klimas beitragen?

Jeder Einzelne hat Möglichkeiten, das Klima aktiv zu schützen: Umweltfreundliches Reisen (Verwendung öffentlicher Verkehrsmittel), energiesparendes Verhalten im Haushalt, bewusste Ernährung (aus saisonalen, regionalen Produkten) oder sonstiger, nachhaltiger Konsum sind nur einige Beispiele. Zahlreiche Institutionen im deutschsprachigen Raum (u.a. Konsumentenschutzorganisationen) stellen im Internet umfassende und hilfreiche Informationen für individuelles, klimaschonendes Verhalten zur Verfügung.

Gibt es einen Zusammenhang gibt es zwischen dem Klimawandel und der Verbreitung von Infektionskrankheiten wie Covid19?

Die Weltgesundheitsorganisation konnte bisher keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem Auftreten bzw. der Übertragung der Infektionskrankheit COVID-19 herstellen. Allerdings liegt der Ursprung vieler Infektionskrankheiten, und fast aller Pandemien in jüngster Zeit, im Tierreich. So mehren sich die Hinweise, dass die Verschmutzung der Umwelt, und der dadurch ausgelöste Stress auf die Tierwelt, die Wahrscheinlichkeit des Entstehens von Krankheiten wie COVID-19 begünstigen kann. Das unterstreicht auch, wie wichtig ein effektiver Umweltschutz auf globaler Ebene ist … nicht zuletzt auch für die Gesundheit des Menschen selbst.

Was waren Ihre spannendsten Momente auf den Weltklimakonferenzen, an denen Sie teilgenommen haben?

Drei Momente der bisherigen Weltklimakonferenzen sind mir in spezieller Erinnerung: Meine erste Teilnahme im Jahr 2010 in Mexiko, der historische Beschluss des Pariser Übereinkommens im Dezember 2015 und die Weltklimakonferenz in Katowice im Winter 2018, bei der Österreich die EU-Ratspräsidentschaft innehatte. Für die Europäische Union verhandeln zu können, ist dabei persönlich eine sehr bereichernde Erfahrung.

 

Was möchten Sie uns zum Abschluss zum Thema „Umwelt und Klimawandel“ mit auf den Weg geben?

Der Klimawandel ist ohne Zweifel eine große Herausforderung, aber keine unlösbare. Persönliche Entscheidungen im Alltag spielen dabei eine wichtige Rolle und sind – neben entsprechenden Reformen im Wirtschaftssystem – auch für das Einhalten der Ziele des Pariser Weltklimaübereinkommens maßgeblich.

https://www.demokratiewebstatt.at/thema/thema-umwelt-und-klima/experteninterview-mit-jose-delgado-jimenez
gedruckt am: Dienstag, 29. September 2020